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hausarbeit - dorfleben


Die Hausarbeit

Vorbemerkung:
Früher, bis zur allgemeinen Besserung nach dem 2. Weltkrieg, war jede Familie hier auf dem Lande bestrebt, sich zur Sicherstellung der Grundernährung einen Garten, ein Stück Land zu bestellen. Man hatte dann selbst Gemüse und Obst, was man damals nicht so einfach kaufen konnte. Auch hielt man sich, wenn irgend möglich, zumindest Kleinvieh, wie Ziegen, Hühner, Gänse, Kaninchen, um zumindest etwas Milch und Fleisch selbst zu produzieren, denn zu kaufen gab es wenig oder gar nichts.

Hatte eine Familie dann ein bißchen mehr Land, so daß man ggf. Schweine und auch Kühe halten konnte, so war die Grundversorgung der Familie sichergestellt.

Das bedeutete aber auch, daß die Männer, wenn möglich an die Arbeit gingen, um etwas Geld zu verdienen und die Frauen mit den Kindern einen ganz wesentlichen Teil der Arbeit zur täglichen Versorgung der Tiere erledigen mußten. Hatten die Männer dann Feierabend, mußten sie die Arbeit erledigen, die für Frauen einfach zu schwer war.
Beispiele:
- Graswege und Gräben ausmähen damit man Ziegenfutter für den Winter bekam.
- Bei den größeren Bauern helfen, damit die das eigene Land bestellten, wenn man selbst keine Zugtiere hatte.
- Kartoffeln mit der Gabel auswerfen.

Kurzum, jeder war bestrebt, etwas zu tun, damit man nicht hungern mußte. Dieses Denken hatte Vorrang vor allen anderen Überlegungen. Vor diesem Hintergrund sind die nachstehend beschriebenen Arbeiten zu sehen.

Tätigkeiten rund ums Haus / Der Tagesablauf im Haus

Abends wurde bereits für den nächsten Tag Kleinholz gemacht, um das Feuer im Küchenherd morgens anzuböten (Kleenholt maken für et Füjer).
Am Morgen wurde zunächst Feuer gemacht und der Wasserkessel draufgestellt (De Kittel wor jümmer im Jobbenloch, dô woor et heeter un et ging fixer). Heißes Wasser war immer auf dem Ofen; in der Kochstelle des Ofens wurde es schneller heiß. Im Wasserschiff war immer Wasser, entweder heiß oder kalt.
Es ging zunächst in den Stall, da die Milch früh zur Molkerei gebracht werden mußte. Meistens mulk - melkte die Frau die Kögge - Kühe. Dann wurde das Vieh mit Heu e foort - gefüttert, "domidde dat Veeh stille wor". Nun konnte man sich fix wasken - schnell waschen, zumeist mit einem Napf in der Küche oder im Stall.
Anschließend konnte die Familie (zumeist nicht zusammen, da die Kinder bereits in der Schule waren und einer der beiden nach dem Melken bereits andere Tätigkeiten angefangen hatte) frühstücken (Kaffee kjokken, Kaffe drinken); im Sommer mußte man Klei füret Vee langen - Klee fürs Vieh holen und dann noch Betten machen. Anschließend mußte dann einer noch "dat Vee satt fooren, Water langen, dat Millekgeschkirre upwasken un djen Kjorf packen" mit dem Essen für die Feldarbeit.
Als warmes Essen gab es ganz häufig "Düürneen" - Durcheinander, wie zum Beispiel "Schnippelbaunen", "Jerbeten" mit Späkk -Speck oder Kinkeln ( = ausgelassener Speck) in der Suppe. Erstens ging es recht einfach, zweitens war alles Nahrhafte zusammen.
Am Mittag wurde von der Molkerei Maagermilled t rügge libbert - Magermilch zurück geliefert; sie wurde vor die Tür gestellt und die Kinder mußten sie nach der Schule ins Haus bringen und dee Millekkannen upwasken - die Michkannen aufwaschen. Im Sommer wurde meistens abends warm gegessen, da man am Tag auf dem Feld war; auf dem Feld wurde dann mittags dicker Kuchen gegessen "Knüffelkooken"; dies war Hefekuchen auf dem Blech mi t Streuseln, Zucker oder Obst.
Umme veere - um 16.00 Uhr wurde e vespert mit Broten (Stückere); diese Mahlzeiten mußten natürlich auch morgens vorbereitet werden. Praktisch war es, wenn es noch eine Oma im Hause gab, die dieses Essen vorbereiten konnte un de et up det Land brachte, wenn et ni so wijt wor - und die es auf das Land brachte, wenn es soweit war.
Abends wurde eine kurze Katzenwäsche getätigt, um den Staub und den Schmutz des Feldes abzubekommen, die Männer gingen in den Stall; Frau und Töchter in die Küche, um das Essen vorzubereiten.
Die Kinder mußten nach der Schule auf dem Land helfen und im Frühsommer die kleinen Gänse (Gösseln) hüten, abends mußten sie noch ihre Schulaufgaben machen.

Grautbadedag - Großbadetag:

Samstags war "Grautbadedag" - Großbadetag; dann wurde in den Bruggepott Brautopf Wasser geschüttet und heiß gemacht. Der Brautopf ist ein Kessel, der auf Füßen stand und eine Feuerung hatte. Dann wurde auf den Küchentisch die kleine Zinkwanne gestellt und ein Kind nach dem anderen gebadet. Anschließend gingen sie ins Bett. Die große Zinkwanne wurde auf den Boden gestellt und die Großen konnten baden. Die Haare wurden mit Seife gewaschen.

Räjnemaaken - Hausputz

Der Hausputz richtete sich nach der Ernte und wurde durchschnittlich zwei Mal pro Jahr durchgeführt: vor Weihnachten "dômidde Christdach olles rejne wôr - damit Weihnachten alles sauber war und im Frööjôôr für djer Heuarne - Frühjahr vor der Heuernte. Dann wurden Schränke ausgewaschen, die Betten rausgehängt. Im Herbst mußte dann das Obst und Gemüse des Gartens verwertet werden.
Begriffe und Bezeichnungen:
Fidebus - gefaltetes Stück Papier, als Streichholzersatz zum Zigaretten anzünden
Schkumelippel - Schaumlöffel
Kjokkelippel - Kochlöffel
Strijkhöltere - Streichhölzer
Fleeskgaffel - Fleischgabel
Ejsenpott - Eisentopf
Gußpott - Gußtopf (heute unter dem chinesichen Begriff "Wok" bekannt)
Kittel - Kessel
Panne - Pfanne
Brôônpott - Brattopf/Bratentopf

Fikkelnpötte kjokken - Schweinetöpe kochen

Für die Kleenbouern gaf et kleene Fikkelnpötte - Kleinbauern gab es kleine Schweinetöpfe, dee wooren up djem Häärde kjokket - die wurden auf dem Herd gekocht. (Fassungsvermögen etwa ein Kartoffelkorb voll) Für dee grötteren Bouern gabbet dann auk gröttere Fikkelnpötte. Diese hatten eine integrierte Feuerung mit einem besonderen Schornsteinanschluß und ein größeres Fassungsvermögen ( ca. einen Zentner). Die entsprechende Menge Kartoffeln (oder ab und zu auch Runkeln) wurde in den Dämper - Dämpfer eingebracht; die erforderliche Maß Wasser dazugegeben und mit dem Deckel abgedeckt. Dann woor im Fikkelnott orre unger djem Fikkelnpott Füjer e bott - wurde im oder unter dem Schweinetopf Feuer angezündet und immer gut nôôestjokkert - nachgestochert, damit die Kartoffeln schnell kochten. Für djen Dämper bruchte me vill Holt - für den Däm pfer benötigte man viel Holz. Meistens mußten dann de Blaagen de Fikkelnpötte kjokken - meistens mußten dann die Kinder die Schweinetöpfe kochen. Die gekochten Kartoffeln waren dann das Futter fürs Vieh. Bei 1-2 Schweinen wurden die Kartoffeln auf dem Herd gekocht, größere Bauern hatten dann den oben beschriebenen größeren Dämpfer um die ausreichenden Mengen Veek toufeln - Viehkartoffeln zu kochen . Vokabeln:
Dämper - Dämper = Fikkelnpott, - Schweinetopf
stjokkern - stochen = Holz nachlegen
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[endif]

Buttern - Butter machen:

Vorbemerkung: In der Kriegs- und Nachkriegszeit des zweiten Weltkrieges, als die Molkerei schon am Ort war, waren die Bauern verpflichtet, die Ernteerträge und den Viehbestand anzugeben, die gesamte Millek te libberen - Milch zu liefern, d. h. an die Molkerei abzugeben. Reichsnährstand, Lebensmittelmarken und Reichseierkarte waren Begriffe aus der Zeit. Wenn man das heute liest, kommt es einem fast lächerlich vor. Damals war es aber bit terer Ernst, denn damit mußte der Mangel verwaltet und gewährleistet werden, daß die vorhandenen Nahrungsmittel mit Hilfe solch einer Bürokratie an alle Bevölkerungsschichten gleichmäßig verteilt wurden. Die Erzeuger von Nahrungsmitteln waren damals natürlich im Vorteil und sie wären auch schön dumm gewesen, wenn sie nicht für ihren eigenen Bedarf entsprechend abgezweigt hätten. Eine Möglichkeit war t' butterne - zu buttern.

Schmängen - Rahm abschöpfen:

Um selbst Butter zu erzeugen, benötigte man den reinen Rahm oder Schmand aus bzw. von der Milch. Die einfachste Möglichkeit ist, wenn man die Milch stehn läßt, bis sich der Schmand oben in einer dünnen Schicht abgesetzt hat. Diese Schicht Rahm kann man dann mit dem Schmandlippel - Rahmlöffel abnehmen und in einem besondern Gefäß Tag für Tag sammeln, bis man genug hat. Der Schmand konnte, ja mußte s üjern - sauer werden. Wie man sich vorstellen kann, konnte die Trennung von Magermilch und Schmand nicht so ganz sauber sein. Es blieb Rahm in der dann mageren Milch und es kam magere Milch mit in den Schmand. Diese Methoden hatte aber einen ganz erheblichen Vorteil, denn das Schmängen - Rahm abschöpfen machte keinen Krach. (Warum das so wichtig war, wird nachstehend erklärt)

Millek dürdräggen - Milch durchdrehen

Anders war das, wenn de Millek düredrägget woor - die Milch (mit der Zentrifuge) durchgedreht wurde. Dann gab es einen typischen, hellen, singenden Ton. Wenn der auf der Straße hörbar war, mußte man damit rechnen, angezeigt zu werden, denn da wurde dann - was eigentlich verboten war - selbere buttert - selbst gebuttert. Deshalb wurden die Zentrifugen meistens in Kellern aufgestellt, um die Geräusche nicht nach auß en dringen zu lassen. Mit dem Dürdräggen - Durchdrehen war gemeint, die Milch mit Hilfe einer Maschine = Zentrifuge sauber in Rahm und Magermilch trennen. Eine Zentrifuge gab es fast in allen Haushalten aus der Zeit, bevor Molkereien in den Orten vorhanden waren. Sie - die Zentrifuge - bestand aus einem Gußgehäuse mit Getriebe und Kurbel für Handbetrieb. Auf der senkrecht stehenden Spindel wurde ein kegelförmiges Schleuderteil aufgesteckt. Dieses bestand aus einem Packen Blech lamellen, die so geformt waren, daß bei hohen Umdrehungen Fett = Rahm und Magermich getrennt wurde. Die Wirkung beruhte darauf, daß Rahm leichter ist als Magermilch (unterschiedliche spezifische Gewichte) Über Auffangvorrichtungen für Rahm und Magermilch konnten dann die unterschiedlichen Flüssigkeiten in getrennte Pötte - Töpfe geleitet werden. Die Friskmillek - Frischmilch wurde in ein Gefäß über der Zentrifuge geschüttet. Durch einen Absperrhahn konnte die Zuflußgeschwindigkeit in die Zentrifuge fein geregelt und so d

Buttern

Es gab Butterfässer unterschiedlicher Bauart. Bei den "kleinen Leuten" war das fast zylinderförmige Butterfaß mit einem Stock mit Lochscheibe die gebräuchlichste Art. Bei größeren Bauern, die vor dem Molkereibetrieb immer selbst gebuttert hatten, waren die Butterfässer entsprechend größer. Diese hatten dann meistens ein Rühr- bzw. Schlagwerk, das über eine Handkurbel mit einer Zahnradübers etzung betätigt wurde. Die Fässer waren aus Holz gefertigt, nur die Getriebeteile bei dem Kurbeltrieb waren aus Gußeisen gefertigt.
Beim Buttern war darauf zu achten, daß de soure Schmand - die saure Sahne die "richtige Temperatur" hatte. Woor de Schmand te warm orre te kalt dann gerodde die Buttere ni - war der Rahm zu warm oder zu kalt, geriet die Butter nicht. Männichmoo woor olles e höttelt- machmal war alles ge = in kleine Flocken zersetzt.
Die erforderliche Menge saurer Schmand wurde in das Butterfaß gefüllt und dann ging es an die Arbeit. Je nach Butterfaßkonstruktion mußte man stumpeln - den Stock mit der Lochscheibe auf und nieder bewegen oder die Kurbel dräggen - drehen. Nach geraumer Zeit ging es schwerer und man hatte den gewünschten Erfolg. Mehr oder weniger große Butterklümpchen hatten sich gebildet. Diese nahm man aus dem Faß. D ie Restflüssigkeit war Buttermilch. Die Butter mußte dann noch e knään un ne wäätert - geknetet und gewässert werden, damit die restlichen Tropfen Buttermilch herausgepreßt wurden. In manchen Familien wurde die Butter auch lichte salten - leicht gesalzen. War die Butter nun gut, so wurde der Klumpen meistens mit der Gaffele - Gabel leicht verziert oder mit Hilfe einer hölternen Butterfjorm - hölzernen Butterform in schön verzierte Portionen eingeteilt . Bis zur Währungsreform in 1948 wurde die Butter teilweise auch auf dem schwarzen Markt verkauft oder "verhamstert", d. h. an der Haustür gegen andere Artikel eingetauscht. (Ein offizieller Verkauf war wegen der Lebensmittelbewirtschaftung nicht möglich)

Vokabeln:
dürdräggen - durchdrehen
ährene Pötte - irdene Töpfe =Tontöpfe
stumpeln - stampfen,
Butterfjorm - Butterform

Eine weitere Hausarbeit war das

"Kaffee rösten"

Drüjge Gjeste - trockene Gerste eignete sich am besten für diesen Zweck Es sollen aber auch Weete orre Roggen e nummen wooren sijn - Weizen oder Roggen genommen worden sein, wobei der für die Augen schlecht sein sollte. Den Kaffee-Röster, der aus einem Gußtopf mit einem Rührwerks-Aufsatz mit Handkurbel bestand, wurde mit diesem Kaffee-Ersatz-Korn gefüllt und auf das offene Feuer in der Herdplatte gesetzt. Dann mu&sz lig;te man bööten un gudd ungerläägen - Feuer anmachen und gut unterlegen, damit die erforderliche Hitte - Hitze zur Verfügung stand. Während des Röstvorgangs mußte ols - laufend die Handkurbel gedreht werden, damit das Korn im Röster jümmer dürneen e rorrt woor - immer durcheinander gerührt wurde und nicht anbröggen - anbrennen konnte. De Wurteln van Zikkorien - die Wurzeln von Zichorien wurden dem Röstgut noch beigegeben, damit dieser "Malz-Ersatz-Kaffee" schön braun und. im Geschmack verfeinert wurde. Nachdem der "Kaffee" dann kalt war, konnte man ihn in der Kaffeeemülle maalen un upschküdden - Kaffeemühle mahlen und aufschütten.

Dieser Beitrag ist von Oliver Klaus zusammengestellt nach den Angaben von Mathilde Heinemann, Renate Klaus, Emma Tepel und Luise Klaus. Die hier beschriebenen "Tätigkeiten rund ums Haus" sind nur ein paar Besonderheiten, die heute undenkbar sind. Die vielen, vielen Kleinigkeiten, die mal so eben von einer Hausfrau selbstverständlich mit erledigt wurden, können gar nicht alle beschrieben werden, weil alle diese Tätigkeiten für jüngere (für mich ebenfalls nicht) kaum noch bekannt sind. Besonders Hausfrauen sollten sich hier angesprochen fühlen - bitte aufmerksam lesen und weiteren Hinweise, Verbesserungen oder falsche Erklärungen korrigieren und an Oliver Klaus oder Karl Heinemann weitergeben. Hinweis: Vorläufig erscheinen in Sachen "Platt" keine Beiträge mehr, weil ein anderes Vorhaben dringlicher ist.



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