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Von der Zuckerrübe zum “Schwarzen Honig"



1. Allgemeines über den Zucker:

Die Gewinnung von Zucker aus Zuckerrohr war in Ost-Indien bereits schon 300 n. Chr. bekannt.

In Deutschland hatte man von der Zuckergewinnung wahrscheinlich schon zu den Zeiten der Kreuzzüge gehört. (ca. um 1100) Das Wissen konnte damals in unserer Region nicht angewendet werden, denn in diesen Breiten wächst kein Zuckerrohr.

Reiner Zucker war im Mittelalter bis in die Neuzeit nach dem zweiten Weltkrieg meistens Mangelware, denn er mußte größtenteils eingeführt werden oder er war durch die Folgen der Kriege knapp.

Im Mittelalter süßte man nur mit Bienenhonig. Die Zeitler, so nannte man die damaligen Imker, holten den Honig aus den Bienenstöcken, die sich in hohlen Bäumen im Wald wild eingenistet hatten.

Diesen Honig zu gewinnen, war nicht so einfach, denn die Bienen waren auch damals schon wehrhafte Insekten. Die Arbeitsweise der Zeitler ist mir leider nicht bekannt.

Die Imkerei hat sich im Laufe des 19. Jahrhundertsmit den Bienenkörben aus geflochtenen Stroh, so entwickelt, daß man gezielt Honig “ernten” konnte. Dazu mußten die gesamten Bienen mit Schwefeldämpfen getötet werden, um die vollen Honig-Wabenaus dem Bienenkorb herausbrechen zu können.

Erst mit der Einführung der hölzernen Bienenstöcke mit beweglichen Rahmen für die Honig-Waben, wurde die Honigernte etwas rationeller. Die Bienenvölker haben nur eine Überlebens-Chance, wenn witterungsbedingt, die Möglichkeit besteht, nach der ersten Honigernte noch soviel Honig zu sammeln, daß das er als Vorrat im folgenden Winter reicht.

Bei der modernen Imkerei erntet man den ganzen Honig, den die Bienen im Sommer gesammelt haben. Als Ersatznahrung werden die Bienen im Herbst mit Zuckerwasser gefüttert, damit sie im Winter überleben können. Zucker hatte man aber früher nicht. Bienenhonig war auch nur in begrenzten Mengen verfügbar und entsprechend teuer. In den “normalen Familien” wurde er deshalb nur als Medizin bei Erkältungen benutzt.

Ist es da verwunderlich, wenn man versuchte sich einen “Ersatzhonig” zum Süßen und Backen und als Brotaufstrich selbst herzustellen?


1.1 Zuckerrübe – Zuckerfabrik:

Anmerkung: Die statistischen Daten sind aus einer Broschüre der Zuckerfabrik Warburg entnommen.

1747 entdeckte Marggraf, daß die Zuckerrübe Zucker enthält. Etwa ab 1860 war es gelungen, den Zuckergehalt der Zuckerrübe durch Züchtung so zu erhöhen, daß die Zuckergewinnung wirtschaftlich wurde. Entsprechend wurden dann auch Zucker-Raffinerien gebaut und betrieben.

In diese Zeit fallen auch die Bemühungen, in fruchtbaren Regionen Zuckerrüben in größerem Umfang anzubauen und daraus industriell Zucker zu gewinnen. So z. B. die Zuckerfabrik in Warburg, deren Bau 1883 begonnen wurde. Träger war eine Aktiengesellschaft, bei der die Bauern der umliegenden Dörfer Aktionäre wurden und sich gleichzeitig verpflichteten, eine vertraglich vereinbarte Fläche Zuckerrüben anzubauen und die geernteten Rüben nur der Zuckerfabrik Warburg zu liefern. Der Standort wurde gewählt, weil die nahe gelegene Warburger Börde die besten Wachstumsbedingungen für die Zuckerrübe bot und die Bahnstrecke von Kassel über Warburg nach Altenbeken schon seit 1853 in Betrieb war.

Die Zuckerfabrik Warburg ging mir der Ernte 1884 in Betrieb. Damals wurden 329600 dz Rüben mit einemZuckergehalt von 11.6 % mit Zugtieren angeliefert. Daraus wurden damals 30140 dz Rohzucker gewonnen. Vor dem ersten Weltkrieg betrug die maximale Liefermenge 415000 dz Zuckerrüben. Der Zuckergehalt konnte durch weitere Züchtungserfolge bereits 1909 auf 16,2 % gesteigert werden.

Die Zuckerfabrik konnte mit der Zeit sehr wirtschaftlich betrieben werden, denn in den Jahren 1901 bis 1903 konnten 45,5 % Dividende ausgezahlt werden. Dieser wirtschaftliche Erfolg beschränkte sich aber nur auf die Bauern im damaligen Einzugsbereich der Warburger Zuckerfabrik, die auch gleichzeitig Aktionäre waren.

Durch die Folgen des ersten Weltkrieges konnten 1919 nur 84600 dz Zuckerrüben geliefert werden. In der folgenden Zeit stieg die Rübenlieferung wieder an.

Der nächste größere Produktionseinbruch kam während und zum Ende des zweiten Weltkrieges, denn damals wurden noch 126000 dz Zuckerrüben an die Warburger Fabrik geliefert. Fehlende Arbeitskräfte auf den Bauernhöfen zur Kriegszeit bedingten den drastischen Liefereinbruch.

In der Fabrik selbst hatte es keine direkten Kriegsschäden gegeben. Die Zuckerproduktion konnte nach dem Krieg sofort wieder weitergeführt werden. Die Schwierigkeiten bestanden aber in der Energieknappheit nach dem Krieg, denn es gab nicht genügend Kohlen. Von anderen Energieträgern wie Gas oder Öl konnte man nur träumen, die gab es einfach nicht.

Außerdem mußten die vielen zusätzlichen Flüchtlingsfamilien mit dem Nötigsten versorgt werden.

So war Zucker, besonders nach den Kriegen besonders knapp. Auch zwischen den Kriegen war der Zucker nicht im Überfluß zu haben, denn so haben die Recherchen der Arbeitsgruppe ergeben, ist in den 30-iger Jahren des vorigen Jahrhunderts mit der Herstellung von schwarten Hunnich - “Schwarzen Honig, Sirup oder Rübenkraut”, (wie man den schwarzen Honig heute bezeichnet) in den Rhoder Familien begonnen worden.

Wer die eigene Herstellung von Rübenhonig zuerst herausgefunden hat, läßt sich wohl heute nicht mehr nachvollziehen. Die Rezepte sind dann wohl unter den Bäuerinnen ausgetauscht und weitergegeben worden. So ist z. B. bekannt, daß eine Frau aus Dehausen einer Rhoder Familie die Herstellung von schwarzen Honig demonstriert und erläutert hat, indem sie im Haus der befreundeten Familie einen vollständigen Arbeitsgang begleitet hat. Voraussetzung war natürlich, daß die Familie in dem Jahr auch die erforderliche Menge Zuckerrüben angebaut hatte.


2. Der Zuckerrübenanbau:

Wie bereits erläutert, wurden in Rhoden zuerst nur zum Zweck der Honiggewinnung geringe Mengen Zuckerrüben an geeigneten Feldern mit etwas schwereren Boden angebaut.

Soweit es sich feststellen läßt, wurde damals die Zuckerfabrik von Rhoden aus nicht beliefert. Der allgemein schlechte Zuckerrübenboden und vor allen Dingen der weite Weg bei den damaligen Transportmöglichkeiten, nur mit Zugtieren, machten das praktisch unmöglich.

Erst als die ersten Schepper zum Einsatz kamen, wurde von den Domänen Laubach und Georgenhof und später auch von einzelnen Bauern Zuckerrüben nach der Warburger Zuckerfabrik geliefert.


2.1 Die Nachzucht von Zuckerrübensamen:

Die ersten Zuckerrübensamen wurden über die Gärtnerei bezogen. Weil der zu der damaligen Zeit sehr teuer gewesen sein muß, hat man für die Vermehrung den Samen selbst gezogen. Im Prinzip kannte man das von der Nachzucht der Runkelrüben-Samen. im eigenen Garten oder an den sogenannten Moosekken. Diese Moosekken wurden auch “Moosland” genannt. Es waren meistens kleine Parzellen von 2 bis 3 ar Größe, die zu den Hausgrundstücken im ehemaligen Stadtkern gehörten aber im Bereich vor der ehemaligen Kernstadt lagen.

Weil die Einzelheiten mit den entsprechenden Arbeitsschritten in dem bereits veröffentlichten Beitrag “Gartenarbeit” ausführlich beschrieben sind, erspare ich mir die Wiederholung an dieser Stelle.


2.1.1 Anpflanzen Aussaat und Pflege:

Die Rübenpflänzchen die auf den “Moosekken” gezogen worden waren, wurden anfangs regelrecht eingeackert – genau so, wie man die Kartoffeln zur damaligen Zeit eingeackert hat, wenn sie gepflanzt wurden.

Mitder Mechanisierung der Landwirtschaft, nach dem ersten Weltkrieg, änderte sich die Bewirtschaftungsmethode für die Zuckerrüben. Die Industrie stellte kleine Einzelkorn-Sämaschinen her, die von Hand geschoben wurden. Der Reihenabstand wurde mit einem Rijgenteer – Reihenzieher, der an dem Gerät befestigt und nach beiden Seitenausschwenkbar war, in dem aufbereiteten Saatbett beim Schieben mitgeführt. So wurde die Rille für die nächste Saatreihe, jeweils wechselseitig mitgezogen. Mit dieser Methode ersparte man sich das gesamte anziehen und Pflanzen der Rüben; sie war auch noch sehr arbeitsintensiv. Aber dabei muß man bedenken, daß zu der Zeit in Rhoden nur sehr kleine Flächen mit Zuckerrüben, nur für den Eigenbedarf angebaut wurden.

Die Pflege der wachsenden Rüben wurde parallel mit der Bearbeitung der Futterrüben erledigt, denn die mußten ja sowieso gehackt werden. Meistens standen so ein paar Reihen Zuckerrüben entlang der Futterrüben.


2.1.2 Aberglaube:

Manches mal kam es vor, daß die Rüben ein total weißes Blatt hervorbrachten. Was der Auslöser solcher Abnormität ist, kann ich auch erklären. Offensichtlich fehlt bei dem einzelnen Blatt das Chlorophyll.

Interessant ist es auch, zu wissen, daß die Leute damals noch sehr abergläubig waren, denn trat so ein Phänomen auf hieß es: “et sterbet eener in der Familijge” – es stirbt einer in der Familie. Ob das dann auch immer zugetroffen ist, kann man wohl heute nicht mehr kontrollieren.


2.2 Zuckerrübenernte:

Zuckerrüben wurden als letzte Frucht geerntet. Sie sollten etwas Frost abbekommen, denn der sollte angeblich den Zuckergehalt der Rübe noch erhöhen.

Im Gegensatz zu den Runkelrüben konnte man Zuckerrüben nicht einfach von Hand aus der Erde ziehen, denn die Wurzel sitzt fast vollständig im Boden und ist dort fest eingewachsen.


2.2.1 Kleinmengen ernten:

Man hatte für die geringen Mengen eine ganz andere Erntemethode entwickelt als bei den Runkelrüben. Im einzelnen ging das folgendermaßen:

Zuerst wurden die Blätter mit dem oberen Kopf der Rübe, der noch etwas über dem Boden stand,mit den angewachsenen Blättern abstoßen . Dazu nahm die sogenannte Köppschküppe – Köpfschaufel. Eine Köpfschaufel war eine scharfe Klinge an einem Holzstiel. Sie war so gearbeitet, daß die Klinge etwa parallel zum Ackerboden stand, wenn sie in Arbeitshaltung gefaßt wurde. Mit dieser Köpfschaufel wurden nun die Rüben regelrecht e köppet - geköpft. Die lausen Blääre - losen Blätter mit dem Rübenkpopf wurden dann zur Seite in eine Reihe geworfen. Damit die Blätter nicht sofort seitlich abkippen konnten, waren an der Klinge beiderseits Eisenbügel angeschweißt, die dann am eisernen Stielhalter der Klinge befestigt waren.

Dann wurden die Blätter mit den Rübenköpfen abgefahren und an die Kühe verfüttert.

Um die Rüben mit zumutbarer Kraftanstrengung aus dem Boden zu heben benutzte man ein besonders geformte zweizinkige Gabel mit einem Spatenstiel, d. h. mit einem Quergriff oben am Stielende. Man stach die Gabel dicht an der Rübe in den Boden und hebelte sie dann heraus, indem man den Stiel nach unten drückte.


2.2.2 Zuckerrüben nach Hause fahren:

Die so ausgegabelten Zuckerrüben wurden mit dem ijsenberäjften - eisenbereiften Flechtenwagen nach Hause geholt. Am einfachsten war es, wenn man den Flechtenwagen zu einem Kastenwagen ergänzend umbauen konnte, der vorn und hinten ein Schkütt - Kopfbrett hatte. So ein Schkütt verschloß den trapetzförmigen Querschnitt des Flechtenwagens jeweils vorn und hinten damit die Rüben bei der holperigen Fahrt nach Hause nicht herausrollen konnten. Meistens warenvorn und hinten jeweils zwei Latten in Brettdicke an den Flechten = Seitenbretter des Wagens angebracht. In diese Nut wurden dann die Schküttere = Verschlußbretter vorn und hinten hinein geschoben. Nun war es aber oft so, daß die Rungen = Stütz hölzer in den Rungenlöchern ausgeleiert waren. Dann standen die Flechten an den oberen Kanten mit der Zeit breiter auseinander wie ursprünglich hergestellt. Die Folge war, daß die Schüttere nur unten in den Nuten gehalten wurden und die Ladung die Kopfbretter nach vorn und hinten heraus gedrückt wurden. Mit Ketten und Stricken mußten dann auch zusätzliche Sicherungen angebracht werden, damit man mit dem Föör heile nô Heeme kamm – Fuder heil nach Hause kam.

Viele Kleinbauern hatten keinen Kastenwagen. Die behalfen sich dann folgendermaßen:

Die Flechten = Seitenteile des Wagens hatten, neben zwei Diagonalen zur Aussteifung, jeweils an beiden Enden und in der Mitte Riegelhölzer, die nach oben und unten ca. 5 cm überstanden. Unten griffen diese Überstände hinter die Unterlageund oben standen sie einfach über.

Als Ersatzschkütt nutzte man diese Überstände indem man ein Rundholz dahinter legte. Über das Rundholz wurden zwei lange Säcke geworfen und zwar so, daß beide Sackenden noch ein Stück auf der Unterlage doppelt lagen. Seitlich wurden sie soweit an die Flechten herangezogen, daß der trapetzförmige Querschnitt vollständig mit den Säcken zu war.

Dann wurden die Zuckerrüben von Hand, manchmal auch mit einer Rübengabel, auf den Wagen geworfen. Die Rüben lagen dann auch auf den Säcken die vorn und hinten, wie vor beschrieben, angebracht waren. So wurden die Säcke am Boden der Unterlagen festgehalten und man konnte den gesamten Wagen auf diese Art undWeise volladen..

Eine auf die Säcke genagelte Latte als zusätzliche Sicherung gegen heraus – schuttern war oft zweckmäßig. Die von allen Seiten nach Rhoden ansteigenden Schotterstraßen machten das erforderlich und wem einmal so ein Sack trotz der aufliegenden Rüben hingene rout e schuttert – hinten heraus gerüttelt worden war und somit ein zweites mal aufladen mußte, der brachte diese Sicherung gern an.

Zu Hause angekommen wurden die Zuckerrüben meistens auf dem Hof abgeladen.


2.3 Größere Mengen ernten

Waren größeren Flächen zu ernten, wurden die Zuckerrüben mit einem zweizinkigen Spezialpflug aus dem Boden heraus geackert. Diese größeren Mengen Zuckerrüben mußten ebenfalls mit der Hand, d. h. mit einer Rübengabel aufgeladen und abtransportiert werden. Rüben-Vollerntemachinen gab es damals noch nicht.

Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, daß nach dem 2. Weltkrieg auch in Rhoden größere Flächen Zuckerrüben für die Zuckerfabrik Warburg angebaut wurden.

Mit den ersten Schleppern hatte man bessere Transportmöglichkeiten. In Abstimmung mit der Betriebsleitung mußten dann die Rüben termingerecht zur Zuckerfabrik in Warburg gebracht werden. Dort wurden und werden sie heute noch zu Rohzucker und anschließend zu feinstem Kristallzucker verarbeitet.


3. Schwarzen Honig herstellen

Nachstehend ist die eigentliche Herstellung von Rübenhonig beschrieben. Dazu mußte man zuerst die


3.0.1 Zuckerrüben säubern:

Um sauberen Rübenhonig zu gewinnen, mußten die Zuckerrüben vor der eigentlichen Verarbeitung erst einmal gründlich gereinigt werden.

Dann wurdengroße Küjbens, Wannen oder die Gunte herbeigeholt und genügend Wasser hineingegeben, Dann kamen die Zuckerrüben hinein. Mit einem Reiserbesen wurde dann im Wasser mit den Rüben herum gestumplet, damit die anhaftende Erde eingeweicht und von den Rüben abgelöst wurde. Die Rüben wurden dann in die nächste Wanne mit frischen Wasser umgefüllt und wieder und wieder mit dem Besen bearbeitet. Solch ein Reiserbesen mußte den richtigen Abnutzungsgrad haben damit eine gute Reinigungswirkung gewährleistet wurde. Oft wurde auch bei neuen Reiserbesen die Spitzen abgehackt, um die optimale Reinigungswirkung zu erzielen.

Die Prozedur wurde so oft wiederholt, bis das Wasser einigermaßen sauber blieb. Die Rüben wurden dann auf dem Hof zum Abtrocknen gelagert.

Am nächsten Abend bekam jeder in der Familie eine Sakkschkjiörte – Sackschürze umgebunden.

Einer mußte dann die Rüben in Kjörben – Körben herein holen.

Man setzte sich in derKükke - Küche, zusammen um die Zuckerüben zu schkrappen, d. h. mit einem starken Schäle-Messer oder auch ältern Brotmesser alle Rüben so abkratzen = schkrappen, daß auch die letzte Vertiefung in der Rübenoberfläche frei von Erdresten war. Ggf. mußte zusätzlich der Blattansatz der Rüben noch nachgeschnitten werden, wenn noch grüne Teile von dem Rübenkopf stehen geblieben waren. Blieb dort zuviel “grün” stehen, schmeckte der gesamte Honig nachher bitter. Der größte Zuckeranteil der Rübe befindet sich in der Wurzelspitze. Die so geschrappten gesäuberten Rüben wurden dann in den Bruggepott – Brautopf gefüllt.


3.1 Zuckerrüben kochen:

Familien die eine geeignete Runkelmülle – Rübenmühle hatten, zerkleinerten die Zuckerrüben vor dem Kochen mit dieser Mühle. Wenn keine Runkelmühle zur Verfügung stand, wurden die Zuckerrüben auch “heile”, gemeint war “ganz” gekocht.

Die so gesäuberten und ggf. zerkleinerten Rüben mußten dann schnuttweek – rotzweich gekocht werden. Man gab einen Eimer Wasser in den Brautopf auf die gesäuberten Rüben heizte an, und gab den Deckel darauf.

Dann wurde ordentlich innebott - eingeheizt, damit der gesamte Inhalt garte. Waren die Rüben nicht vor den Kochen zerkleinert, wurden dann die etwa halb garen - halb weichen Rüben mit einem sauberen Spaten im Brautopf zerkleinert. Es mußten möglichst viele kleine Stücke geben, denn die ließen sich besser auspressen.

Nach etwa zwei Stunden Kochzeit waren die Rüben weich und der Honigsaft in der Zuckerrübe genügend “aufgeschlossen”.

Die nicht als Grundstoff für den Honig gebrauchten Rüben wurden mit in dem Fikkelnpott – Schweinetopf getan auch mitgekocht und mit den Kartoffeln nach für nach verfüttert.


3.2 Honigsaft pressen:

Die noch heißen, gekochten Rübenschnitzel wurden dann unmittelbar in eine Honigpresse gefüllt.

Die Firma Benninghoven, die in Rhoden ansässig war, stellte solche Pressen her. Es war eine gußeiserne Bodenplatte, die auf einen Tisch oder Schemel gestellt wurde, mit zwei Eisenstangen beiderseits vom eigentlichen Preßbehälter. An den beiden Stangen wurde eine “Brücke” befestigt. In der Mitte dieser Brücke war die Spindele – Spindel so angeordnet, daß sie zentriert mittig über dem Preßbehälter saß.

Der Preßbehälter selbst war zylinderförmig rund aus senkrecht stehenden Holzlatten gefertigt, die mit Bandeisen gesichert waren. Das Preßgut wurde in einen Jutesack gefüllt und in diesen Behälter getan. Der Sack mit Inhalt wurde mit passenden Holzbrettern abgedeckt, mit Holzklötzen bis unter die Spindelbrücke unterbaut. Diese Konstruktion wurde dann durch andrehen der Spindelschraube nach unten gedreht. Damit man den erforderlichen Druck erzeugen konnte und es einfacher und leichter ging, hatte die Spindelschraube einen Verlängerungshebel mit eenem Schnäpper - einer Ratsche,

Damit wurden die Schnitzel durch Anziehen der Spindelschraube gepreßt. Der Saft wurde aus dem Sack, in dem sich die gekochten Rübenschnitzel befanden, herausgepreßt und lief zwischen den Ritzen der Latten vom “Preßkorb” heraus nach unten. Auf der gußeisernen Bodenplatte sammelte sich der Saft dann in der überstehenden Rinne lief an einer Stelle seitlich heraus und wurde mit Eimern aufgefangen.

Die Saftmenge von einem Brautopf voll Rüben reichte natürlich nicht, deshalb wurde die gleiche Menge noch einmal gekocht und gepreßt.

So hatte man etwa den halben Brautopf voll gepreßter Zuckerrübenbrühe.

Dieser Saft war farblich ziemlich hell und dünnflüssig. Durch Kochen mußte dann diese “Rüben-Saft-Brühe” eingedickt werden.


3.3 Honig kochen

Der Kochvorgang mußte relativ schnell gehen, denn dann blieb die Farbe des schwarzen Honigs = Sirup heller. Man mußte also anfangs gudd ungerläägen - gut unterlegen, damit der Saft schnell kochte. Dann mußte man mit kleineren Splitten – Holzstücken weiter ungerläägen – unterlegen; gemeint war Holz nachlegen. Der Saft mußte gut wallen und laufend mit einem großen hölzernen Schaumlöffel umgeschlagen und gerührt werden, damit er nicht anschröggeln - anbrennen konnte

Nun war es so, daß die Honig-Saft-Brühe beim Kochen schäumte und dann auch sehr leicht überkochte. War das einmal passiert, war alles kleberig. Der Fußboden klebte, oft auch die Tischplatte und sogar die Türklinken waren kleberig. Auch wenn nichts übergekocht war, ließ es sich nicht vermeiden, daß die ganze “Bude klebte”

Mit der Zeit hatte man einen Trick herausgefunden, um das Überkochen zu unterbinden. Man mußte den oberen Rand von dem Brautopf mit einer Späkkschwôôre - Scheckschwarte einreiben. Stieg dann der Schkoum -Schaum bis an den Fettstreifen hoch, fiel er in sich zusammen.

Mit dem fortschreitenden Kochvorgang wurde der Saft immer dunkler und zähflüssiger. Wenn dann beim Kochen nur doch dicke Blasen aus der zähflüssen Honigmasse aufstiegen nannte man das auf Platt “walgern” (bedeutet etwa “aufwallen”)

Diese Zuckerrübenbrühe kochte etwa auf ein Drittel der Ursprungsmenge zusammen. Die Farbe war dann dunkelbraun bis fast schwarz. Nach den Berichten der Mitglieder vom “Arbeitskreis Plattdeutsch” douerde düsse Kjokkerigge – dauerte diese Kocherei oft die ganze Nacht hindurch, bis der Honig die erforderliche Konsistenz hatte. Dabei mußte laufend gerührt werden – wäägen djem Anbrannt - wegen dem Anbrennen.


3.3.1 Ausbeute und Haltbarkeit:

Wenn es gut ging, hatte man von den zwei Brautöpfen voll gekochter Rübenschnitzel einem halben Brautopf voll Brühe, die dann noch einmal auf eineinhalb bis zwei Eimer schwarzen Honig zusammenkochte. Der Honig wurde dann meistens in emailierte Eimer gefüllt ein sauberes Leinentuch darüber gedeckt, so aufbewahrt und dann nôô für nôô verbrouket – nach für nach verbraucht.

Der schwarze Honig ist über längere Zeit haltbar. Frau Mitschulat hat mir berichtet, daß sie noch ein kleines Glas Sirup aufbewahrt hat, der in den Kriegsjahren selbst hergestellt wurde. Der Honig ist heute noch nicht verdjorben – verdorben. Der Geschmack ist natürlich nicht getestet worden – da könnten sich dann doch im Laufe der Zeit Veränderungen ergeben haben.

Wenn der Honig aus dem Bruggepott - Brautopf in die Eimer umgefüllt war, mußte man den ihn sofort, wenn der er noch warm war, säubern. Die Honigreste wurden sowijt wij müchlich – soweit wie möglich mit Lippeln und Schkrappern – mit Löffeln und Schrappern aus dem Brautopf heraus gekratzt und den Honig in een Glaas affestrippet – ein Gas abgestreift. Dieser Honig wurde dann zuerst verbrouket – verbraucht. Meistens hatte sich am Boden des Topfes eine Schicht“Anbrannt” festgesetzt. Diese Schicht ließ sich nur im warmen Zustand lösen.

Waren nun alle Honigreste aus dem Brautopf soweit wie möglich entfernt, mußte man wieder etwas Wasser einfüllen und anheizen. Mit dem warmen bzw. heißen Wasser konnten dann die letzten Honigreste aufgelöst und so der Brautopf räjne macht wäären – sauber gemacht werden.


3.3.2 Bonbons als Zugabe

Wollte man gezielt Bonbons herstellen, so füllte man Sirup in eine Pfanne und gab etwas Milch und Fett dazu. Das Fett konnte Butter, Margarine oder Schmalz sein. Das ganze mußte man dann verrühren und über dem Feuer inbruzzeln – einbruzzeln lassen. Die tooe – zähe Masse dann auf ein Kookenbljek – Kuchenblech schküdden - schütten un kalt wäären lôôten - und erkalten lassen. Die erkaltete Bonbon-Masse wurde steinhart. Zerkleinerte man sie, so hatte man die besten Bonbons der Welt – weil es keine anderen gab. Sie schmeckten so etwa wie die heutigen Malz-Bonbons.

In der ersten Nachkriegszeit waren das die einzigen Süßigkeiten, die Kindern zugänglich waren.


4. Schlußbemerkung

So schwarzer Honig war damals in allen Familien der tägliche Brotaufstrich. – man sagte, das sei die Butter der armen Leute gewesen und arm waren fast alle nach dem zweiten Weltkrieg. Auch in den Bauernfamilien wurde täglich der schwarze Honig als Brotaufstrich gegessen.

Ne eenfachen Stoutenmit schwarten Hunnich woor auk wat feines – ein einfaches Weißbrot mit schwarzen Honig war auch was feines, besonders wenn man Hunger hatte.

Auch zum Backen – besonders in der Weihnachtszeit - von Honigkuchen wurde der “Schwarze Honig” genommen, denn es gab kaum Zucker. Backpulver gab es damals auch nicht. So beschaffte man sich Hirschhornsalz als Treibmittel.

Hoffen wir alle, daß solche Hunger-Zeiten nicht wiederkommen, dôô wor Schmalhans Kükkenmäjster – da war Schmalhans Küchenmeister. Außerdem war die eigene Herstellung von diesem schwarzen Honig ein erheblicher Arbeitsaufwand und eine sehr “kleberige Angelegenheit”. Die Hausfrauen mußten oft die ganze Nacht hindurch kochen, damit der Honig gut wurde. Den enormen Arbeitsaufwand haben die meisten vergessen aber düsse Kleeberigge – diese Kleberei ist den älteren Frauen noch in schrecklicher Erinnerung.

Das alles nur, damit man das ganze Jahr über immer etwas Brotaufstrich im Hause hatte. Mal eben in den Laden gehen und aus einem reichhaltigen Angebot das aussuchen “was gut schmecken könnte” war in der damaligen Zeit nicht möglich. Es gab einfach nichts. Wenn man selbst nicht vorsorgte, hatte man keinen Brotaufstrich.

Heute unvorstellbar ???




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