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vom korn zum brot - dorfleben

Vom Korn zum Brot Teil 1

Säggen un Arnen – Säen und Ernten:

Säggekôôren - Saatgut gewinnen

1.1.1 Vor dem Einsatz der Dreschmaschine

Säggekôôren – Saatkorn wurde bereits beim Inföören – Einfahren gewonnen, indem man einen Teil der Bunde – Garben im Schlachlaaken – Schlaglaken von Hand ausschlug. (daher der Name Schlaglaken)

Nur die dicksten, reifen Körner fielen dann aus den Ôôren – Ähren und sammelten sich im Schlachlaaken – Schlaglaken, das bei jedem Arne- orre Ledderwaagen – Ernte- oder Leiterwagen mit Schleufen - Schlaufen an den Ledderstöcken – Leiterstöcken oberhalb des oberen Ledderbaumes – Leiterbaumes eingehängt wurde.

Dieses Korm wurde getrennt innesakket und mit dem Sougersief – Rundsieb bei Gelegenheit im Luftzug gereinigt.

1.1.2 Nach dem Einsatz der Dreschmaschine

An der Dreschmaschine konnte man die Korn-Siebtrommel in dem Siebabstand verstellen. Wollte man Saatgut haben, so wurde die Siebtrommel entsprechend eingestellt. Dann lief nur das dickste Korn auf der ganzen Länge durch die Trommel und konnte dann an ein bzw. zwei Sackausläufen getrennt in die angehängten Säcke laufen. In der Regel wurde nur der vorletzte Auslauf als Saatgut genommen, weil sich zwischen den Körnern vom letzten Siebauslauf oft noch dickere Stroh- oder Unkrautteile befanden.

Die Säcke wurden dann besonders als Säggekôôren - Säkorn gekennzeichnet und für die Saat aufgehoben.

Herbstbestellung

1.1.3 Saatbett vorbereiten

Bevor man säen konnte, mußte man de Längere – die Länder terächte maaken - zurecht machen. (gemeint waren die zu bestellenden Äcker) Sie wurden ne akkert un ne jächt – geackert und geeggt damit ein fijnet – feines Saatbett entstand. Geackert wurde meistens mit einem Eenschkaar-Beetplooch - Einschar- Beetpflug. Man fing meistens in der Mitte des Feldes an. Die ersten Furchen ziehen nannten man „anföören“ – (wörtlich anfurchen). Man ackerte dann rund herum bis zum Rand des Feldes. Diese Arbeitsweise hatte natürlich zur Folge, daß bei den kleinen Äckern der Boden in der Mitte des Feldes aufgehäuft wurde und am Rand kaum noch Mutterboden vorhanden war. Man sprach dann von diesen kleinen Äckern, die in der Mitte sichtbar erhöht waren von Särgen. De jett ne Sarch e akkert – Sarg geackert. (gelegentlich sprach man auch von Housdääkern – Hausdächern).

Das ganze ließ sich natürlich vermeiden, wenn man einmal nach innen und im nächsten Jahr nach außen ackerte oder schkallte - schälte.

War man mit dem Ackern fertig, so mußte geeggt werden. Oft jächte me auk int Kreuße – eggte man auch ins Kreuz. Das war eine Arbeitsmethode, bei der man die Eggenbahn zick-zack über den Acker führte. An den Wendepunkten kreuzten sich dann die Eggenbahnen und man hatte dadurch den Acker zwei mal geeggt, wenn man fertig war.

Natürlich mußten die Eggen auch e lichtet - angehoben werden, wenn sich Quikkenwurteln, K´toufelkrout orre Straureste – Qeckenwurzeln, Kartoffelkraut oder Strohreste in den Eggen verfangen hatten. Man kann sich vorstellen, daß man da abends müde war, wenn man den ganzen Tag hinter dem Pflug oder den Eggen gegangen war.

Vor der Mechanisierung der Landwirtschaft ging das nur mit Hilfe von Zugtieren. Größere Bauern hatten Pferde, kleinere Bauern nahmen die Kögge orre Anpann – Kühe als Anspann.

Die sogenannten Ziggenbouern – Ziegenbauern waren auf die Hilfe der größeren Bauern angewiesen, weil man Ziegen ja nicht als Zugtiere einsetzen konnte. Die Ziegenbauern hulpen - halfen dann bei den Pflege- und Erntearbeiten der größeren Bauern. Diese sogenannte „Kleinen Leute“ mußten dann das ganze Jahr bei den größeren Bauern „Pôôl stôôn“ – wörtlich „Pfahl stehen“. Gemeint war, daß sie jederzeit auf Abruf zur Verfügung standen. Dafür wurden dann die Äcker dieser Ziegenbauern mit bestellt.

In dem Zusammenhang sei noch eine Redensart zitiert: „Et is grade orre wänn me mit Ziggen akkert“ – „Es ist fast so, als wenn man mit Ziegen ackert“. So ein Spruch kam, wenn man z. B. mit ungenügender Ausrüstung eine schwere Arbeit erledigen wollte.

1.1.4 Säggen – Säen

Ohne mechanische Hilfsmittel säte man aus dem Säägelaaken van Hand – Sälaken von Hand. Das Tuch wurde entsprechend zusammengebunden und mit Saatkorn gefüllt um den Hals gehängt.

(Die Art, wie das „Sätuch“ umgebunden und gehalten wurde, kann ich nicht beschreiben. Ich weiß nur soviel, daß die Säggehand - Sähand frei sein mußte und die andere Hand noch zum Halten des Sätuches gebraucht wurde)

Dann war es an der Geschicklichkeit des Sämanns, die Saat so zu werfen, daß die Körner möglichst gleichmäßig verteilt auf den Acker fielen.

Nachstehend ein paar Regeln, die mir noch bekannt sind:

Immer mit dem Winde werfen, d. h. man mußte entsprechend der Windrichtung die rechte bzw. die linke Hand nehmen.

Die werfende Hand mußte mit dem Schritt koordiniert werden. Als Beispiel; die rechte Hand wirft gleichzeitig mit dem Auftritt des rechten Fußes. Analog, wenn man mit der linken Hand sät.

Beim Wurf das Korn immer schön gleichmäßig durch die leicht gespreizten Finger gleiten lassen.

Man säte ca. eenen Zentner up djen Mjorgen - einen Zentner auf den „Morgen“. Ein „Morgen“ war die Flächenangabe, die man an einem Morgen bestellen oder bearbeiten konnte. (entspricht einem viertel Hektar mit 2500 qm)

Ich selbst habe nicht mehr von Hand gesät, weil da bereits die Sämaschine eingesetzt wurde. Aber ich mußte noch von Hand Kunstdünger streuen und dabei galten die gleichen Regeln. Der Unterschied war, daß man zum „Kunstdüngerstreuen“ ein Kunstdüngerblejk – Kunstdüngerblech nahm. Das war eine verzinkte Blechwanne, die man mit Stricken oder Gurt über den Hals bzw. die Schulter trug.

War gesät, so mußte noch nôô e jächt – nachgeeggt werden. Dazu nahm man lichte Sôôtäägen – leichte Saateggen oder die normalen Eggen „rückwärts“.

Wenn die Saat upging – aufging konnte man genau sehen wie gut oder schlecht gesät war.

War die Arbeit getan, ging man nicht vom Lande, ohne ein Gebet zu sprechen. Man hat den Herrgott um gutes Wachstum und Gedeihen der Frucht gebeten. Denn man war bei den eingeschränkten Transport-Möglichkeiten, viel mehr als heute, auf eine gute und unverdorbene Ernte angewiesen. War die Ernte schlecht, verhagelt oder gar outewossen – ausgewachsen, hatte man für die Familie und auch für die ganze Region wenig, schlechte und oft auch kaum Nahrungsmittel. Das konnte dann auch oft Hunger bedeuten. Hunger ist für viele jüngere Leute bei uns fast zum Fremdwort geworden – hoffentlich bleibt das so.



Vom Korn zum Brot Teil 2

De Säggmeschkijne – die Sämaschine

Ganz gleichmäßig kann man von Hand doch nicht säen. So war der Einsatz einer Sämaschine, die von Zugtieren gezogen wurde sehr früh üblich. Die ersten Sämaschinen wurden, meines Wissens, bereits nach dem 1. Weltkrieg eingesetzt.

Wurde mit der Sämaschine gesät, so mußte man sie vorher jedes Jahr neu afdräggen – abdrehen. Damit meinte man, die Maschine austesten, bei welcher Getriebe-Einstellung die gewünschte bzw. übliche Saatmenge pro Flächeneinheit dann tatsächlich säte, denn die Saatmenge war, bedingt durch die schwankende Korngröße, bei gleicher Einstellung jedes Jahr ein wenig anders. Bei der Maschinensaat wurde etwas weniger gesät als wenn man mit der Hand säte.

Wenn man etwa 1 Zentner pro Morgen mit der Hand säte, reichten beim Säen mit der Maschine ca. 90 Pfund – 50 kg zu 45 kg.

Auch bei der Maschinensaat mußte nôô e jächt - nachgeeggt werden.



Zwischenbemerkung

Im 19. Jahrhundert konnte unser Land nicht die Bevölkerung nicht ernähren, weil die Ernteerträge so gering waren. Damals war noch die „Drei-Felder-Wirtschaft“ üblich.

Im ersten Jahr wurde Hackfrucht angebaut, die mit Mist und Jauche gedüngt wurde. „Mistus ist Christus“, war eine übliche Redensart damals. Damit wurde der Wert von Mist für ein Feld treffend gekennzeichnet.

Im zweiten Jahr kam dann, je nach Boden, Roggen oder Weizen an „dat Land“ – auf das betreffende Feld.

Im dritten Jahr wurde der Acker dann mit Hafer bestellt, weil Hafer im Verhältnis zu anderen Getreidearten ein dichteres Wurzelnetz bildet und so die letzten Nährstoffreste im Boden am Besten ausnutzt.

Natürlich war die Hackfrucht-Fläche nicht so groß, wie ein Drittel der gesamten bestellten Fläche des Betriebes. So war es üblich, daß die Restfläche des Drittels von der Hackfrucht brach liegen blieb, damit sich das Land „erholen“ könnte. Dat Land bliffte liggen – das Land blieb liegen; es wurde in dem Jahr nicht bestellt. Diese „Brôôke“ - Brache wurde dann an den Schäfer verdungen, indem die Höören – Schafspferche dort aufgeschlagen wurden. Der Pferch wurde jede Nacht vorgeschlagen. Mit vier Nächten war ein Morgen von einer Schafsherde gedüngt, denn de Schkôôpe pirchenden dann uppet Land – die Schafe ließen dann Urin und Kot auf dem Feld. So hatte man auch eine Düngung, denn der hofeigene Mist reichte soeben für die Hackfrüchte (Rüben und Kartoffeln.

Auch bei Stoppelroggen ließ man im Herbst nach der Ernte gern de Höören uppet Land. Wenn man das Feld nach einem Roggen im folgenden Jahr nochmals mit Roggen bestellte nannte man das „Stoppelroggen“

Eine weitere Methode, den Acker zu düngen, war Kleihabere maaken – Kleehafer machen, d. h. im Frühjahr direkt mit der Getreidesaat auch Klee auszusäen. Der Klee konnte sich unter dem Hafer nur schwach entwickeln. War der Hafer aber abgeerntet, so ging de Klei laus – ging der Klee los, d. h. er konnte jetzt gut wachsen. Dieses Kleiland – Kleeland konnte im Herbst bei guter Witterung noch etwas Grünfutter liefern. Das eigentliche Wachstum war dann aber erst im nächsten Jahr und man konnte Gröön langen – Grün holen oder auch den Klee mähen und drüjgen und uprüjtern – trocknen und aufreutern, d. h. auf Trockengestelle = Reuter hängen. Klee gehört zu der Pflanzenfamilie der Leguminosen; diese haben die besondere Eigenschaft, daß sie Stickstoff aus der Luft in ihren Wurzeln binden und ablagern können. Im nächsten Jahr steht dann dieser wichtige Pflanzen-Nährstoff der neuen Frucht zur Verfügung. Somit hatte man auch eine wirksame Düngung allerdings nur mit Stickstoff.

Damals wurde in der Regel zwischen 8 und 10 Zentner vom Morgen geerntet. Wenn es sich aber „e jöörde“ – wörtlich „gejährte“ hatte, konnte man bis zu 12 Zentner vom Morgen ernten. Mit „Jöören“ meinte man, daß alles besonders gut zusammentreffen mußte; Fruchtfolge, Witterung und Erntewetter; alles mußte stimmen. Dann waren solche, damals außergewöhnlich guten Ernteerträge möglich.

Zum Vergleich: Heute ernten die Landwirte durchschnittlich 40 bis 50 Doppelzentner pro Hektar. Das entspricht 20 bis 25 Zentner pro Morgen; also etwa eine Verdreifachung der Ernteerträge.

Obwohl damals hier in dieser Gegend weniger Menschen lebten als heute, gab das Land bei den damaligen Möglichkeiten nicht genügend Lebensmittel her. Es war wirkliche Not. Viele Familien versuchten in der neuen Welt ihr Glück, weil dort große Flächen noch nicht urbar gemacht worden waren.

Da gab es aber auch ein Sprichwort, das für sich Bände spricht:

Djer eesten Generation djen Daud – Der ersten Generation den Tod.

Djer twidden Generation de Naud – Der zweiten Generation die Not.

Djer dridden Generation dat Braud – Der dritten Generation das Brot.

Mit anderen Worten, die Neuansiedler konnten erst in der dritten Generation mit einem einigermaßen vernünftigen Leben rechnen.

Die Verhältnisse bezüglich Ernährung änderten sich in Deutschland nach für nach, als die Erkenntnisse von Justus Liebig bezüglich dem Nährstoffbedarf von Pflanzen in der Landwirtschaft angewendet wurden.

Man war dann aufgrund dieser neuen Möglichkeiten inzwischen in der Lage, fehlende Pflanzennährstoffe industriell zu erzeugen. Der Einsatz des sogenannten Kunst- oder Handelsdüngers bewirkte eine derartige Ertragssteigerung, daß keiner mehr hungern brauchte.

Die Kriegseinwirkungen und –folgen brachten dann trotzdem wieder Hungersnöte, die sich ein junger Mensch heute gar nicht mehr vorstellen kann. Besonders in den Städten waren es damals katastrophale Verhältnisse.

Wohl dem der „auf dem Lande“ lebte oder zumindest verwandtschaftliche Beziehungen zu Bauernfamilien hatte. Alles drehte sich um die tägliche Nahrung und man nahm jede Möglichkeit wahr, um etwas zu Essen zu bekommen. Hamsterkäufe, Ähren lesen, Kaninchen züchten, wo es ging, selbst Schweine oder Geflügel halten, einen eigenen Garten bestellen, war üblich. Alle Familienmitglieder trugen mit zusätzlicher Arbeit gern dazu bei, um etwas auf den Tisch zu bekommen. (Wie schön ist es da doch heute)



Arnen – Ernten

Anmerkung

Bevor die Sense als Mähgerät zum Einsatz kam, so hat mir mein Vater erzählt, wurden die Halme mit der Hajpe – Sichel abgemacht. (ein heute nicht mehr nachvollziehbarer Arbeitsaufwand)

Mit der Sense zu mähen, ist in der Summerhitte – Sommerhitze schon eine sehr mühselige und schweißtreibende Angelegenheit. Das Arbeiten nur mit einer Sichel war da noch anstrengender. In dem Zusammenhang fällt mir der Satz aus der Bibel ein der da heißt: „Im Schweiß deines Angesichts sollst du dein Brot essen“



Afmaaketijd – Abmachezeit

War die Sôôt – Saat gut über den Winter gekommen und hatte der Roggen gut e postet – sich gut bestockt, so kam im Frühjahr die Wachstumsperiode. Wenn das Korn dann reif genug war, ging es dann Anfang bis Mitte August ant Afmaaken – ans Abmachen. Wegen dem enormen Arbeitsaufwand zog sich die Afmaaketijd – Abmachezeit sehr in die Länge und man mußte schon frühzeitig mit der Arbeit beginnen. Die Arne fing mit djer Gjellrijpe an – die Ernte fing mir der Gelbreife an. Heute, bei der Ernte mit dem Mähdrescher, bleibt das Getreide wesentlich länger stehen.



Dat Geschkirre t´rächte maaken – Das Geschirr zurecht machen.

Die Sense mußte e kloppet – geklopft (man meinte gedengelt d. h. geschärft) werden. Das wurde meistens Abends gemacht. In der Zeit hörte man an vielen Stellen im Ort das damals typische, rhythmische, helle Pinken – Klopfen, wenn die Sensen geschärft wurden. Diese Arbeit mußte gekonnt sein, denn, wenn die Sense nicht richtig schnidde – schnitt, mußte der Mägger - Mäher besonders viel Kraft aufwenden um die Halme schneiden zu können. (bei Gras war mit einer stumpen -stumpfen Sense überhaupt nichts zu machen)

Mit dem Dengeln wurde die Schnije – Schneide der Sense kalt outetjoggen – ausgezogen, daß man mindestens einen Tag lang damit arbeiten konnte. „Watte“ nannte man den Bereich der Sensenschneide, die mit dem Dengelhammer outetjoggen woor -„ausgezogen“ worden war. Mousetjänne – Mausezähne waren die Zacken, die sich bildeten, wenn die Watte nicht richtig gedengelt war. Natürlich mußte die Sense dann tagsüber nachgeschärft werden und dazu mußte die „Watte“ vom Dengeln im richtigen Zustand sein. War sie zu weit ausgezogen, legte sie sich um, war sie nicht breit genug ausgezogen, schnidde – schnitt die Sense auch nicht. Wetten – wetzen nannte man das Nachschärfen. Dazu nahm man einen Wettesteen – Wetzstein und dee stakk im Schludderfaß – der steckte in einem „passenden Behälter“ der am Schmachtereemen – Hungergürtel getragen wurde. Das Schludderfaß war oft ein Koohöörn – Kuhhorn oder ein Ossenhöörn - Ochsenhorn an dem ein Haken oder Eise – Öse angeneedet – angenietet war. Es gab auch fertige Schludderfässer aus Blech.



Vom Korn zum Brot Teil 3

Mit djer Säjße afmaaken – mit der Sense abmachen.

War gutes Wetter ging es mit der ganzen Familie (Vater, Mutter, Onkels, Tanten und Kinder) t´foote uppet Land – zu Fuß auf das Land = Roggenfeld.

Fürjerr woor dat Vee versjorget, gemulken un Gröön e langet.- vorher war das Vieh versorgt, gemolken und Grün geholt. (Damals war es üblich, daß man die Kühe im Stall behielt – man mußte sie ja oft anspannen – und als Futter „Grün“ (Klee, Gras, Rübenblätter usw.) holte. Das mußte dann auch wieder von Hand gemäht und aufgeladen werden. So ein kleiner Flächtenwagen – Flechtenwagen voll Grün war dann „een Schlipp“

Auf dem Feld angekommen ging es sofort an die Arbeit. Der Mann mußte mäggen – mähen, die Kinder Seilere maaken – Strohseile machen oder fürhallen – vorhalten.

Das Vorhalten war eine sehr langweilige Arbeit für uns Kinder und man bekam oft Schkennge – Schimpfe wenn man nicht den Mähvorgang beobachtete. Man mußte laufend aufpassen und mit einer Stange die Roggenhalme in der Mährichtung zurück drücken. Dabei mußte man immer mit der Mähgeschindigkeit ein Stück rückwärts gehen. Das wurde gemacht, damit die Halme nicht sofort umfielen und so auf dem Feld liegen blieben, sondern mit dem Schwung der Sense mitgenommen wurden, damit sie mit in djer Schwää - dem Schwad zu liegen kamen. Die Frauen hatten dann die Aufgabe aft´nimmene – abzunehmen = die in einer Schwää – Schwad gemähten Halme mit Ähren abnehmen und mit Strohseilern als Bund zusammenbinden.

Dazu nahm man dann die Haijpe – Sichel zur Hilfe. Es war dabei wichtig, daß die Ôôre – Ähren alle gut zusammen an einer Stelle und in einer Richtung im Bund zusammen gebunden waren. Ähren, die umgeknickt und die bei den Stoorten – Schnittende der Halme lagen, konnten bei dem späteren Dreschen von Hand nicht richtig ausgedroschen werden.

Wenn man dann Weizen oder Hafer mähte, hatte man an der Sense ein sogenanntes Hekk, eine Vorrichtung, die die kurzen Haferhalme mit dem Sensenschwung vollständig mit in den Schwad beförderte.

Besonders mühevoll und zeitaufwendig war es, wenn Disteln, Houhikkeln, Widdewingen un Mijeren - Hauhecheln, Ackerwinde und Mieren in dem Getreide standen. Wer die Stacheln von Disteln und Hauhecheln kennt, dann sich vorstellen, wie das ist, wenn man mit bloßen Händen damit arbeiten muß. Selbst wenn man Leinen-Handschuhe anzog, war man nicht vor den Stacheln sicher, denn andere Handschuhe gab es nicht. Die Ackerwinde und die Mieren machten das „Abnehmen“, d. h. die gemähten Getreidehalme aufnehmen und mit Strohseilen einbinden, zusätzlich schwer, weil sich die Halme dann nicht teilen ließen. Dafür war dann die Sichel gut, mit der man die „Unkrautschlingen“ durchtrennen konnte, damit man die passende Menge Halme als Bund einbinden konnte.



Bingelstokk – Bindestock

Es muß im 19. Jahrhundert gewesen sein, da nahm man noch Weidenruten um die Garben einzubinden.

Frööer hat se de Bunde mit ner Wäjden-Wit innebungen; dee Knôôn woor mit djem Bingelstokke macht.

Früher haben sie die Bunde (Garben) mit einer Weiden-Rute eingebunden; der Knoten wurde mit dem Bindestock gemacht. Wer kann das noch ??

Damit lagen alle Ähren oder Rispen beim Dreschen an der richtigen Stelle. Die paar zu dem Strohseil benötigten Halme lagen sonst mit den Ähren oder Rispen unter dem dickeren Stroh und konnten mit dem Flegel nicht so sauber ausgedroschen werden.

Das bedeutete, daß man bevor man zum Affmaaken - Abmachen ging, erst einmal genügend Widden – Weidenruten holen mußte, um sie dann mit auf das Feld zu nehmen. In vielen Dörfern standen an geeigneten Stellen die Koppwäjden – Kopfweiden, die dann diese Ruten lieferten. Später ist das dann von Amts wegen verboten worden.



Uppmäggen – Getreide aufmähen

Wurde mit der Sense abgemacht, war das Thema „Uppmäggen – Aufmähen“ nicht von Bedeutung. Man fing an und mähte mit der Sense so, wie es am besten ging; längs, quer und auch diagonal zum Feld, in welcher Richtung sich das Getreide angelehnt hatte oder lag.

Wollte man aber eine der nachfolgend erwähnten Erntemaschinen einsetzen, so mußte man aufmähen, d.h. eine Spoorbredde – Spurbreite der Maschine mit der Sense abmachen, damit die Maschine das erste mal selbst fahren d.h. gezogen werden konnte ohne die Frucht auf dem Nachbarfeld zu schädigen.

War das Nachbarfeld mit Hackfrucht bestellt, so mußte man immer aufmähen, denn sonst wäre nicht viel von den Rüben oder Kartoffeln übrig geblieben. War das Nachbarfeld aber auch mit der gleichen Getreideart bestellt, so wurde oft tofft – gewartet bis das Land abbemacht woor - Feld abgemacht war und die Bunde in Haipen stunden – Garben in Haufen standen. Dann konnte man ohne Schaden anzurichten mit der Maschine auf dem Nachbarfeld fahren und man hatte sich die mühevolle Arbeit des Aufmähens gespart. So wartete oft einer auf den anderen bis einem dann die Zeit zu knapp wurde, und den Schlach - Schlag aufmähte.

De Anewand – das Vorgewende mußte dann immer noch von Hand gemäht werden, wenn man Böschungen oder Gräben am Ende des Feldes hatte.



Määgen mit djem Anmäägeblejkk – Mähen mit dem Anmähblech

Um sich die Mäharbeit wenigstens ein bißchen zu erleichtern, hatte man als ersten Schritt zur Mechanisierung das Anmähblech an der Mähmaschine erfunden. Die Mähmaschinen, auch Grasmääger genannt, hatten einen kurzen Mähbalken für Gras mit eng stehenden Fingern und einen längeren Mähbalken für Korn mit weiter stehenden Fingern. An diesem Korn-Mähbalken wurde ein Leitblech, das sogenannte Anmähblech angeschraubt. Mähte man nun an dem Kornfeld entlang, so kippten die Halme um und wurden durch das Leitblech als Schwad entlang der noch stehen gebliebenen Halme abgelegt. Das Affnimmen – Abnehmen war genau so mühselig wie vor beschrieben, nur die Halme lagen dann etwas gleichmäßiger.

Die Zugtiere mußten bei der Mähmaschine eine gewisse Geschwindigkeit gehen, damit der Messerantrieb „rund“ lief. Pferde schafften das bei normalem Getreide mühelos. Waren aber Lagerstellen im Getreide, die dann auch nicht richtig trocken wurden, so gab es auch da Probleme, besonders wenn Unkraut wie Quikken, Houikkeln, Disteln Vuggelwikken un Widdewingen dürewossen wooren – Quecken, Hauhecheln, Disteln Vogelwicken, und Ackerwinde durchgewachsen waren. Oft ging dann maschinell gar nichts mehr, dann blieb nur noch die Lagerstellen von Hand mit der Sense auszumähen.

Kühe gehen von Natur aus langsamer, deshalb mußten die Kinder oft auch die Tiere andrijben – antreiben, besonders wenn man bergauf mähen mußte. Mir haben die Tiere dann immer leid getan. Aber das Korn, daß verkäärt – verkehrt lag, ließ sich oft nur in einer Richtung und nur bjerchupp – bergauf mit der Machine mähen.


Mäggen mit djer Handablage – Mähen mit der Handablage

Der nächste Schritt war dann die sogenannte Handablage an den Korn-Mähbalken.




Das war ein Lattenrost der über einen Fußhebel von einem zusätzlichen Sitz auf der Mähmaschine bedient werden konnte. Dazu gehörte ein größeres Blech als Halmteiler mit Stützrad am Ende des Mähbalkens.

Man fuhr auch wieder von Zugtieren gezogen, entlang dem Kornfeld. Der Mann „auf der Handablage“ mußte mit einem speziellen Rechen das Mähgut auf den schräg gestellten Lattenrost bringen. Wenn sich beim Mähen genug angesammelt hatte, wurde der Lattenrost durch den Fußhebel herabgelassen und das Mähgut mit dem Rechen als Wulk – auf dem Stoppel abgelegt. Ein Wulk war dann ein Haufen Halme, die dann in der Regel schön aufgeschichtet lagen. Waren aber viele Unkräuter der oben genannten Arten dazwischen, so wurden die Halme auch auseinander gezogen und lagen nicht mehr gebündelt auf einem Haufen.

Die Arbeit des Affnimmens un Inbinngens – Abnehmens und Einbindens blieb nach wie vor. Auch mußten wirKinder immer genügend Strausteilere – Strohseile machen, damit die Bunde - Garben ohne Zeitverlust eingebunden werden konnten. Je nach dem wie gut das Getreide stand ergab so ein Wulk ein, eineinhalb bis zwei Bunde. Somit mußten bei jeden Wulk genügend Seile liegen, die meistens von Kindern gedreht und hingelegt werden mußten.



Vom Korn zum Brot Teil 4

Flüggelmeschkijne – Flügelmaschine

Als Zwischenschritt zwischen Mähmaschine und Binder wurden auch sogenannte Flügelmaschinen hergestellt. Sie wurde auch „Wulker-Meschkijne“ genannt, weil sie die Halme auf einem Haufen = Wulk ablegte. Diese Maschinen hatten neben einem Schneidwerk große Flügel als Rechen. Der Vorteil gegenüber einer Handablage war, daß man ein Kornfeld in einem Zuge mähen konnte, weil die Wülke neben der Fahrspur der Maschine abgelegt wurden. Das Mähgut wurde über einen großen Transport-Tisch mit den Flügeln auf der Maschine soweit zur Seite geschafft, daß die Fahrspur für den nächsten Schnitt entlang des Getreides frei blieb. Das Aufnehmen des Getreides von Hand war, wie gehabt, erforderlich. Tommes Fritz – Fritz Thoms hatte damals so ein Gerät.



Bindern – Mit dem Selbstbinder Getreide abmachen.

Ein erheblicher Fortschritt ergab sich mit dem Getreide-Binder. Mit der Maschine war es möglich ohne menschliche Arbeitskraft das Getreide zu mähen und sofort einzubinden, so daß fertige Garben auf dem Felde lagen. Die von den Zugtieren aufzubringende Kraft war erheblich um den gesamten Mechanismus in Bewegung zu bringen. Neben dem Schneidwerk waren die Fördertücher, die Exzenterwellen für den Getreidevorschub, den Knüpfer, den Auswerfer und oft noch eine Schnecke als Halmteiler entsprechend anzutreiben.

Das war einerseits für Kühe einfach zu schwer und andererseits für kleine landwirtschaftliche Betriebe völlig unwirtschaftlich.

Ganz fortschrittliche Leute ließen sich einen Benzinmotor auf den Binder montieren, der dann den Antrieb der gesamten Mechanik übernahm. Die Zugtiere brauchten dann nur noch den Binder selbst ziehen. Dieses war aber die absolute Ausnahme, denn es war nicht so einfach, den Motor so auf- bzw. einzubauen, daß alles funktionierte. Ein einfacher Dorfschmied konnte das nicht.

Als die ersten Kleinschlepper angeschafft wurden hat man versucht, deren Zugkraft zu nutzen. Aber ein 12 PS–Schlepper hatte auch nicht die erforderliche Leistung. Auch stärkere Schlepper konnten bei feuchter Witterung nicht einen Binder ziehen, weil das Antriebsrad dann einfach rutschte. Etwas später gab es dann schon Binder mit Zapfwellenantrieb; damit konnte man dann schon einigermaßen vernünftig arbeiten.



Verfläägung – Verpflegung

Solche anstrengenden Arbeiten konnte man nur durchhalten, wenn es genügend zu jätten un te drinkene gaf – zu essen und zu trinken gab. Je nach dem, wie die Familienverhältnisse waren, mußte die Hausfrau morgens das gesamte Jettewjerk für djen Dach inbingen– Essen für den Tag einbinden und mit auf das Feld nehmen.

Hatte man aber eine Oma im Hause, so war es oft so, daß sie dann datt Jetten terächte machte - das Essen zurecht machte und dann auch noch uppet Land – auf das Feld brachte. Dazu nahm sie ein Träägejoch – Tragejoch legte es auf die Schulter. An die Ketten wurde dann auf der einen Seite der Kaffeekittel – Kaffeekessel und auf der anderen Seite der Henkelkjorf - Hengelkorb mit dem Jettewääsen angehängt. Mit beiden Händen wurden Kessel und Korb angehalten damit sie nicht schaukelten. Das Gewicht ruhte dann - bei dem oft sehr weiten Wegen in der Rhoder Gemarkung – nur auf den Schultern.

Waren größere schulpflichtige Kinder im Haus, so mußten die das Essen auf das Feld bringen, wenn sie aus der Schkoole kammen - Schule kamen. In der Ferienzeit waren sie natürlich den ganzen Tag mit auf dem Lande - Feld. Man muß wissen, daß sich die Ferienzeit nur nach den Bedürfnissen der Landwirtschaft richtete, damit die Kinder in den Haupt-Erntezeiten auf dem Felde helfen konnten.. Kinderarbeit war damals gang und gäbe.



Uppstellen – Getreide aufstellen

Wenn die Sonne dann bald unterging, machte man sich mit allen Leuten die auf dem Felde waren, daran die Bunde upt´stellene– Garben aufzustellen. Das ging je nach Getreideart folgendermaßen:

Roggen: Beim „Roggen-aufstellen“ setzte man sich einen Strohhut mit einem breiten Rand auf, damit man die Angen - Grannen nicht so leicht in die Augen bekam. Das erste Bund, das möglichst zur Reihe gut ausgerichtet, gestellt wurde, wurde von einem Mann in die Mitte des künftigen Haufens gestellt. Meistens mußte dann das Mittelbund von uns Kindern festgehalten werden, und zwar so, daß die Ôôre nicht herunter hingen, sondern mit einem besonderen Griff schön zusammen blieben. Die weiteren Bunde wurden so an das Mittelbund gestellt, daß sich im Grundriß ein Kreuz bildete. Jetzt waren es 5 Bunde die dann schon allein standen; man brauchte dann nicht mehr festhalten. Dann wurden noch 4 weitere Bunde auf die „Lücken“ gestellt, so daß der Haupen – Haufen aus 9 Bunden bestand. Für uns Kinder war das eine äjchlige - ekelige Arbeit, denn der Roggen war größer als man selbst und die Angen - Grannen schlugen einem immer ins Gesicht und die Arme waren ganz rot von dem Schlagen und Kratzen der Bunde. Wenn man dann nicht richtig toopeek – zufaßte fiel der Haufen um, eh daß er mal richtig stand.

Standen nun die Roggenheipe – Roggenhaufen, so mußten sie nau tooebungen – noch zugebunden werden. Dazu mußten die Kinder wieder Strauseilere – Strohseile machen, die besonders lang waren. Man nahm eine Hand voll Halme, teilte diese noch einmal, knickte diese beiden Teile kurz unterhalb der Ähren und „verdrehte“ diese so mit den Halmen, daß es ein langes, haltbares Strohseil ergab.

Dann mußte man als Kind mit dem einem Ende des Strohseiles um den Haufen herumlaufen. Dabei mußte das Strohseil laufend weiter gedreht werden damit es besser hielt. Der „Zubinder“ drehte das Strohseil auch, aber in die gegenläufige Richtung. War man um den Haufen herum gelaufen, gab man das Seilende dem „Zubinder“ in die Hand. Das war dann meistens ein Mann, der dann die beiden Seilenden zusammenzog und sie mit einem gekonnten Knoten verband. Hatte man zuviel Halme für das Strohseil genommen, ließ sich der Knoten nicht binden. Hatte man zu wenig Halme genommen oder war das Seil nicht genügend gedreht, so riß es. Dann gab es auch wieder Schimpfe. Wir Kinder hatten jedenfalls immer die Schuld, wenn was quer ging.

Waren die Roggenhaufen dann alle zugebunden, standen sie meistens so sicher, daß ein normaler Wind sie nicht umwerfen konnte. Hatte es aber mal gestürmt, so konnte es passieren, daß die Roggenhaufen ümmewääget – umgeweht wurden. Dann blieb nichts anderes übrig, die Haufen wieder neu aufzustellen.

Weete un Haabere - Weizen und Hafer Weizen- und Haferbunde wurden meistens in länglichen Haufen aufgestellt. Man holte sich zwei Bunde – unter jedem Arm eins – stellte sie in Reihe gegeneinander und blieb so lange stehen bis der nächste, auch wieder mit zwei Bunden kam und sie ebenfalls so aufstellte. Dann kamen noch zwei Bunde dazu; damit hatte man je drei Doppelbunde aufgestellt. Wir Kinder mußten dann nau toostellen – noch zustellen, d. h. je ein Bund für kopps - vor Kopf stellen. Der Haufen, der nicht zugebunden werden brauchte, bestand dann aus 8 Bunden.

Kleihabere – Kleehafer Hatte man Kleehafer, so hatten die Bunde alle ne dikken Ääs – einen dicken Hintern. Man meinte damit, daß das Halmende wesentlich dicker war als bei normalen Bunden, weil der grüne Klee zwischen die Halme gewachsen war und mit eingebunden wurde. Damit der Kleeanteil in den Bunden besser trocknen konnte , wurden oft auch nur fünf Bunde (als Kreuz im Grundriß) gestellt, Diese Haaberheipe - Haferhaufen mußten dann aber zusätzlich ebenfalls „zugebunden“ werden. Arbeitsweise wie beim Roggen beschrieben, nur brauche man mit dem Strohseil nicht um die kleinen Haferhaufen herumlaufen. Der „Zubinder“ konnte das Seil von oben über den Haufen „schlagen“ und dann zubinden.

Auch in diesen kleinen, nur aus 5 Bunden bestehenden Haferhaufen, trocknete der Klee in den Bunden nicht richtig. Bevor Kleehafer eingefahren werden konnte, wurde morgens, wenn die Dogge – der Tau abgetrocknet war, die Haufen ümmelecht – umgelegt und die Bunde dann mit dem Ääs – Hintern (das dicke Halmende der Bunde war gemeint) in die Sonne gelegt. Am Nachmittag, wenn der Klee in den Bunden noch nôôedrüget - nachgetrocknet war. Konnte man die Frucht vom Felde holen.

In natten Jôôren – nassen Jahren war das oft schwierig. Dann wurde auch mal innefôrrt, wann dat Wääsen – das Wesen (gemeint war die Frucht) nicht richitg trocken war. Wenn die Frucht dann innebenset – eingebanst wurde, bildete sich Schkimmel – Schimmel im Bansen. Wir hatten auch mal nicht ausreichend trockene Kleehafer eingefahren. Als der dann aus dem Bansen in der Scheune meschkint – maschint, d. h. gedroschen werden mußte, bildete sich außergewöhnlich viel Mülm – Staub. Man konnte da nicht weglaufen und mußte den giftigen Staub beim Dreschen inöömen – einatmen. Tags darauf war ich krank und hatte Fieber. So eine toxische Wirkung hatte dieser Mülm - Staub.

War der Kleehafer aber einigermaßen drüjge rinnekummen – trocken rein gekommen, so konnte man das Stroh mit den Kleeanteilen als Rauhfutter für die Kühe verwenden.

Gjeste - Gerste Gerste wurde, wahrscheinlich wegen der besonders langen Angen- Grannen, nur ganz vereinzelt angebaut. Das aufstellen der Gerste-Haufen ging aber in der Regel so, wie beim Roggen beschrieben.

Ganz allgemein war wichtig, daß beim Aufstellen die Stooten der Bunde – Halmenden der Garben, fest upestouket - aufgestaucht = aufgestoßen wurden.



Vom Korn zum Brot Teil 5

1.1.1 Outwass – Auswuchs

War das Getreide abgemacht und in Haufen aufgestellt, so brauchte man gutes Wetter. Een Schkouer Reggen – ein Schauer Regen machte nicht viel, wenn es danach gleich wieder afdrüjgede – abtrocknete. War es aber eine Schlechtwetterperiode mit feuchter Witterung. so war das für die Körner in dem zusammengestellten bzw. zusammengebundenen Haufen ideale Keimbedingungen. Dann wuchsen oft fingerlang die grünen Keimlinge aus den Getreidehaufen.

Wenn so etwas passierte, war das eine kleine Katastrophe, denn das Getreide war nur noch Viehfutter. Zum Backen konnte man es nicht mehr gebrauchen. Damals hatte man nicht die Möglichkeit schnell größere Mengen Getreide über weitere Entfernungen zur transportieren, so mußte dann oft auch das „Auswuchsgetreide“ zum Backen genommen werden. Die Folgen werden später beschrieben.



1.1.2 Müjse - Mäuse

Wenn bei feuchter Witterung das Getreide längere Zeit auf dem Felde in Haufen stehen bleiben mußte, hatten die Müjse – Mäuse in den Haufen e hekket – geheckt. Das war dann immer ein besonderes Gekräjske – Gekreische von den Wijbeslüjn – Weibsleuten, wenn so Mäuse mit den Bunden dann auf dem Erntewagen landeten.



1.1.3 Inföören – Einfahren:

Weil das Getreide in der Gjellrijpe – Gelbreife abgemacht wurde, mußte es in den Haufen nachreifen. Bei gutem Wetter holte man das Getreide nach ca. ein bis zwei Wochen nach Hause. Bei Weizen genügten oft auch nur 3 – 4 Tage. Inföören nannte man diese Arbeit. Dazu benutzte man den sogenannten Ledderwaagen – Leiterwagen.

Das Fahrgestell des normalen Flächtenwaagens – Flechtenwagens wurde dazu benutzt.

Man entfernte:
De Flächten – Flechten = Seitenbretter
De kurte Ungelooge – die kurze Unterlage
Djen kurten Langwid – die kurze Verbindung vom Vorder- zum Hinterwagen
De kurten Rungen – die kurzen Stützhölzer für die Seitenbretter

Dafür wurden jetzt folgende Teile ausgetauscht bzw. zusätzlich angebracht:
De lange Lanwid – die lange Verbindung vom Vorder- zum Hinterwagen
De langen Rungen – die langen Stützhölzer; jetzt jedoch für die Leitern.
De lange Ungerlooge – die lange Unterlage
De Leddern – die Leitern
De Stündels – die zusätzlichen Stützhölzer für die Leitern
De Stündelwids oder Stündelijsen – die Metallteile für die obere Leiternauflage; diese wurden von den Rungen und den Stündeln gehalten.
Dree Kidden – drei Ketten, vorn, hinten und in der Mitte des Wagens.

Auf dem Lande angekommen wurde das Schachlaken – mittels der angenähten Schleufen - Schlaufen in die, über dem oberen Leiterbaum herausstehenden, Ledderstöcke – Leiterstöcke eingehängt.

Die Ketten wurden nachgesehen, ob sie richtig eingehakt waren; die mittlere Kette wurde um die Leitern einschließlich Unterlage gespannt. Die vordere und hintere Kette war nur jeweils an dem rechten und linken Leiterbaum eingehängt und hing fast bis auf die Unterlage durch.



1.1.4 Upplaan und laan – aufladen und laden

Alle Bunde wurden mit der Fjorke – Forke einzeln auf den Wagen geworfen und zwar immer so, daß die Ôôre orre Schnôôn - Ähren oder Rispen zuerst auf den Wagen kamen. Hing mal ein Bund über die Stoorten so bekam man Schkennge – Schimpfe. Wenn das Bund dann auf den Wagen nach innen gezogen wurden, reerden dee Käärne out – fielen die Kerne aus und es durfte kinn Spijer – kein Körnchen verlogen gehen.

Das richtige Laden eines Erntewagens ging folgendermaßen:

Die ersten beiden Bunde – Garben wurden mit den Stoorten – Halmende in die vordere und hintere Kette gelegt und nach außen geschoben. Dann benste - legte man noch weitere Bunde neben die beiden, bereits in die Kette gelegten, so, daß alle Bunde schräg im Halbkreis nach vorn und hinten überstanden. Alsdann wurden die Leitern voll gelegt, immer so, daß die Ähren schichtweise die Liegerichtung wechselten, damit die Schichten innerhalb der Leitern immer gleichmäßig hoch waren. Rechtzeitig mußten dann Lagen vorn und hinten im angefangenen Halbrund erhöht werden. Dou moß feine Köppe laan – du mußt schöne Köpfe landen, sagte mein Vater dann. Die Köpfe waren „das schön mit Garben geformte, halbrunde, vordere und hintere Ende eines voll geladenen Erntewagens“.

Waren dann die Leddern vull – Leitern voll, so mußte das eeste Gesette jöbber de Leddern annelächt – erste „Gesetzte“ (Lage oder Schicht) über den Leitern angelegt werden. Das war noch relativ einfach, denn de Seilere – die Seile der Bunde legte man auf den oberen Ledderbaum – Leiterbaum. Bei den nächsten Gesetten – Schichten war das nicht mehr so einfach, denn in Rhoden hat man fast immer mehr oder weniger stark geneigtes Gelände und die Felder waren meistens so angelegt, daß die Bearbeitungsrichtung senkrecht zur Hangneigung verlief. Also stand auch der Erntewagen schief. Jetzt mußte man die Gesette so anlegen, daß sie nicht senkrecht nach oben, sondern in Richtung der Wagenneigung nach oben gesetzt wurden. Das war gar nicht so einfach, denn ein Ladegatter war damals noch nicht an einem normalen Erntewagen.

Bei dem weiteren Ladevorgang wurden immer die „Köppe“ vorgezogen, sie waren immer höher als die Gesette. Der Platz zwischen den Gesetten wurde immer wieder nach Bedarf durch längs zu legende Bunde aufgefüllt.

War dann der Wagen voll genug (bei ca. 5 – 6 Gesetten über den Leitern), so mußte man toolaan – „zu laden“, d. h. die Vertiefung in der Mitte des Wagens durch weitere längs zu legende Schichten auffüllen.

Hatte man das schön und sorgfältig gemacht, so konnte man auch auf den damals sehr schlechten Feldwegen getrost nach Hause fahren, denn son Föör konnte ni so fix outschkijten – so ein Fuder konnte nicht so schnell ausscheißen. (auseinander rutschen -.das hört sich zwar derb an, klingt aber im „Platt“ ganz normal.)

In manchen Familien war es nicht üblich, den Erntewagen so zu laden, wie es vorstehend beschrieben wurde. Dann hatte man die Schwierigkeit, die Wagenecken so zu laden, daß sie nicht outschkitten – ausschissen. Es liegt in der Natur der Sache, das die aufgeschichteten Wagenecken „hingen“ wenn man die Bunde dort über Kreuz legte.

So war es ein gewisser Stolz der Bauern, wenn sie einen schön mit „Köppen“ geladenen Erntewagen nach Hause fahren konnten. Wenn man nun schon eein schkäjf geladdet Föör - schief geladenes Fuder hatte, wollte man es auch „heile“ nôô Heeme brigen – heil nach Hause bringen. Dann mußten oft ein oder zwei Mann mit Forken das Fuder anhallen – anhalten, wenn es durch eine Fôôre – Furche ging. Die Leute gingen neben dem Wagen her und stemmten die Fjorken - Forken dann mit aller Kraft gegen den schwankenden Erntewagen.

An ganz schwierigen und schiefen Ländern war es auch üblich, einen Baum quer zur Fahrtrichtung zwischen Unterlage und Arme am Hinterwagen zu stecken. Am Ende des Baumes mußte ein Mann das Gegengewicht bilden und sich darauf stützen.

Meistens hatte man Glück, daß die gefährlichen Stellen so überwunden werden konnten.

Manchmal ging es aber auch schief. Man muß dabei bedenken, daß die Zugtiere dann anzogen und mit relativ hoher Geschwindigkeit den Wagen durch solche schlechten Wege, Furchen oder leichten Gräben zogen. Das übermäßige Schwanken der Getreidelast mit hoch liegendem Schwerpunkt war dann die Folge. (man konnte nicht, wie bei einem Schlepper, den kleinen Gang einlegen und ganz langsam fahren)

Das Gedööne – (Theater) und Geschkennge – Geschipfe, was dann im Gange war, wenn mal ein Föör outeschkitten – Fuder ausgeschissen oder ümmeschmitten – umgeworfen war, ist mir noch in guter Erinnerung. Besonders laut ging es zu, wänn Räggen am Himmele stund - wenn Regen am Himmel stand.

Um das Maß voll zu machen, war es dann auch manchmal zu allem Überfluß noch so, daß ein Haupt-Feldweg blockiert war und die anderen Fuhrwerke auch nicht nach Hause fahren konnten.

Die Gründe solcher Mißgeschicke waren vielfältig:

· schkäjf e laan – schief geladen,
· kinnen venünftigen Kopp e laan – keinen vernünftigen Kopf geladen,
· schlächte Wääge orre dürn Graben e forrt – schlechte Wege oder durch einen Graben gefahren,
· Stündel e brokken – Stützholz gebrochen,
· die schmalen 3/4-Spur-Wagen kippten sehr schnell.


Zur Information:

Spoorwagen - Spurwagen wurden bei den Pferdebauern meistens eingesetzt; der Radabstand betrug etwa 1,30 m. Bei den Kuhbauern war der 3/4-Spur-Wagen üblich; hier war der Radabstand entsprechend schmaler und damit war auch die Kippgefahr wesentlich größer, wenn sie hoch mit Getreide beladen waren.



Vom Korn zum Brot Teil 6

Aflaan – abladen:

War man gut zu Hause angekommen, so ging es sofort ant Aflaan – an das Abladen. Bei den typischen diemelsächsischen, zweigeschossigen Bauernhäusern in Rhoden wurde der Wagen mit den Zugtieren bis auf die graute Djell e tjoggen – große Deele gezogen. Die Tiere spannte man dann aus und führte sie einzeln in den rechts oder links liegenden Stall oder neben dem Fuder vorbei wieder auf die Straße, wenn man mit einem anderen Wagen die nächste Fuhre holen wollte. Vorausgesetzt man hatte genügend Leute und einen zweiten Leiterwagen. War das nicht der Fall, so mußte man den Wagen erst abladen.

Die gesamten Bunde mußten dann mit Hilfe einer Plegge mit eenem Balkenseil – Umlenkrolle und einem ca. 30 mm dicken Tau hochgezogen und unter die Ziegeln ne benset – eingebanst werden. 3 Leute wurden dazu mindestens gebraucht. Einer, der auf dem Wagen mit dem zweizinkigen „Bundehaken“ die Garben einhakte; auf dem Balken einer am Louken – (Öffnung mittig über der Deele) zum Abnehmen der Bunde. Diese beiden zogen gemeinsam an dem Balkenseil die Bunde hoch. „hauchmälken“- hochmelken nannte man das auch. Weitere ein oder zwei Leute mußten dann die Bunde upp djem Balken – „auf dem Balken“ transportieren und inbensen - einbensen = schön lagenweise aufschichten und fest treten. Kinder waren selbstverständlich auch immer mit im Einsatz. Die mußten auch Bunde herbijschleufen un tooschmijten – herbeischleifen und zuwerfen.

Auf den Balken war dann schon das Heu gelagert; der verbleibende Platz mußte für die Frucht ausreichen.

Besser waren da die Bauern dran, die ein Scheune hatten, denn die brauchten die Bunde nicht hoch ziehen, sondern konnten die Bunde zur Seite in die Bucht auf den dortigen „Bansen“ direkt vom Wagen affjorken - abforken.

Dazu benötigte man am mindestens zwei, besser drei Leute. Wenn es nur zwei waren mußte der Mann auf dem Wagen die Bunde soweit werfen, daß die Frau im Bansen die Bunde auch fassen konnte. Beim bensen mußte man die Bunde immer mit dem Knee – Knie fest vordrücken. War eine Lage gebenst – gelegt, so mußte man auch noch trampen – d. h. entlang der Seiler auf die Bunde treten und durch federndes Gehen die Lage verdichten.

War das Getreide unter Dach, so ging die übrige Feldarbeit weiter. K´toufen upnimmen – Kartoffen aufnehem und Dikkurteln routmaaken – Rüben ausmachen waren dann die dringendsten Arbeiten.



Djeschken – Dreschen

Mit djem Flägel djeschken – Mit dem Flegel drechen

Die einfachste Art Körner aus den Ähren zu entfernen ist, sie in der Hand zu ribbeln – zu reiben. Das ist natürlich mit größeren Mengen nicht zu machen. Da haben unsere Vorfahren den Flegel erfunden.

Wenn man die Körner haben wollte mußte man sie outdjeschken – ausdreschen. Dazu holte man die Bunde aus dem Bansen, band sie auf und legte sie dann in zwei Reihen upgetüsselt – auf geschüttelt und etwas auseinandergezogen so, daß die Ähren oder Rispen zur Mitte auf der Deele lagen. Der Deelenboden war einfacher Stapflehm oder Pflaster. (Ob auch der Boden mit Gipsestrich befestigt war ist mir nicht bekannt)

Dann konnte man eene Lôôge djeschken - eine Lage dreschen.

Das Dreschgut mußte dann zwischendurch e wand und wieder uppetüsselt - gewendet und wieder aufgeschüttelt werden.

Meistens half sich im Winter gegenseitig, so daß immer 2 – 3 Djeschkers zusammen waren. Die schlugen dann die Flegel im gleichmäßigen Takt, bis alles Korn ausgedroschen war. Auch war es üblich, daß größere schulpflichtige Kinder morgens vor der Schule bereits eene Lôôge djeschken – eine Lage dreschen mußten.

Das gab natürlich Schmacht – Hunger. De frett orr n Schküjern-Djeschker – „der frißt wie ein Scheunen-Drescher“ ist noch heute eine Redensart, wenn einer viel und schnell ißt.

Das ausgedroschene Stroh mußte zusammen genommen und mit Strohseilen eingebunden und wieder auf den Balken gezogen werden.

Besonders langes Roggenstroh legte man zurück als Seilerstrau – Seilerstroh.; das benötigte man, um das übrige ausgedroschene Stroh – auch der anderen Getreidearten - einbinden und wieder einbensen zu können. Die Strauseilere – Strohseile wurden auf die gleiche Art und Weise gefertigt wie sie zum Zubinden der Roggenhaufen üblich waren.

Auch das Stroh für das Straubedde – Strohbett wurde abgezweigt.



Kôôren rejnigen – Korn reinigen

War das lange Stroh dann eingebunden, lagen de Käärne mit djen kurten Strauresten un djer Kaabe - die Körner mit den kurzen Strohresten und der Spreu auf dem Boden. Zunächst mußte man die kurzen Strohreste, abgebrochene Angen usw. mit der Harke von den Käärnen – Körnern abharken.

Das ausgedroschene Korn wurde dann mit dem Rijserbäsmen bijneen e fjächt – Reiserbesen zusammen gefegt und gleich gereinigt. Das machte man dann folgendermaßen:

Zuerst machte man Dürzuch – Durchzug, d. h. es wurden alle Türen und Tore aufgemacht .

Man nahm dann „een Wann“ – ein besonders geformtes Teil aus Holz und Geflecht mit 2 Griffen, gab dort etwa eine kleine Schüppe – Schaufel Körner mit der Spreu und den kleinen Strohanteilen darauf und warf das Korn in die Höhe. Der Luftzug wehte die leichten Stroh- und Spreuteile zur Seite weg und das schwere Korn fiel wieder direkt auf den Boden.

Der nächste Arbeitsgang war das Reinigen mit dem Sougersiff – „etwa Säubersieb“ Das Korn wurde wieder zusammen gekehrt und man füllte es in dieses Sougersiff. Die Maschenweite dieses runden Siebes mit einem Span-Holz-Rand ca. 15 cm hoch, war so weit, daß beim Sieben die Körner durchfielen. Es blieben dann nur noch gröbere Stücke, die im vorigen Arbeitsgang nicht zur Seite weg geweht wurden, in dem Sieb hängen.

Jetzt konnte man das so gereinigte Korn insakken – einsacken und auf die Kôôrenbünne schlippen – Kornkammer schleppen.

Damals waren nicht die Gewichte der Getreide maßgebend, sondern die Menge. Um diesem Mengen zu bestimmen gab es Hohlmaße mit folgenden Bezeichnungen:

Zum Vergleich sind die Gewichte für Roggen nur als Größenordnung angegeben, denn das spezifische Gewicht sind in der Literatur von 0,7 bis 0,8 kg/l angegeben. Außerdem schwankt das Artgewicht von Jahr zu Jahr und wird von dem Feuchtigkeitsgehalt beeinflußt.

Bikker – Becher, Volumen knapp ein Liter (l) ≈ 0,75 kg;

Spind – Volumen = ca. 14 l ≈ 10 kg;

Schkippel – Scheffel Volumen = ca. 51l ≈ 38 kg;

Mütte = (hochdeutsches Wort ??) Volumen = ca. 206 l ≈ 154 kg

Wollte man Korn einsacken, so nahm man in der Regel das Spind, füllte es mit Korn und schüttete dann meistens 5 Spinde voll Roggen in einen Sack. (das ergab dann etwa einen Zentner = 50 kg)

So ein Sack voll wurde dann, wenn zwei Männer da waren, uppen Pukkel e schwuppet – mit Schwung auf den Rücken / Schulter eines Mannes befördert. Derjenige, der den Sack dann tragen mußte, faßte an das offene Sackende. Der zweite Mann peek an de Timpens – faßte an die spitzen Enden des Sackes, und drückte sie als Griffloch nach innen.

Hatten die beiden Männer den Sack angehoben, so wurde er mit zunehmender Kraft hin und her geschwungen. Hatte man genug Schwung, so drehte sich der Mann an dem offenen Sackende schnell um und der Sack landete gekonnt auf dessen Pukkel - Schulter. War der Sack nicht zugebunden, so mußte der Träger diesen natürlich beim Tragen zuhalten. Mit dem Gewicht ging es dann die Treppe hoch, bis auf die Kornkammer. Dort bückte man sich und ließ das Korn nach vorn über die Schulter auslaufen.

Passend zum Thema: Ein Bild von einem Ledderwagen mit ingehangenem Schlachlaaken – Leiterwagen mit eingehängtem Schlaglaken; in der „Langen Straße“ aufgenommen bei der 750-Jahrfeier der Stadt Rhoden.



Vom Korn zum Brot Teil 7

Korn reinigen mit djer Windfääge - Windfege

Einen Fortschritt gab es schon, als die ersten Windfäägen – Windfegen aufkamen.

Diese Maschinen hatten Schüttelsiebe und einen Windmachol - Windmacher, Ventilator würde man heute sagen. Die ganze Mechanik war in einem Holzkasten eingebaut und wurde mittels einer Hand-Drehkurbel angetrieben.

Das mit dem Flegel ausgedroschene, noch verunreinigte Korn wurde oben in einen Trichter geschüttet, wenn die Maschinen-Drehzahl hoch genug war. Heraus kam einerseits sauberes Korn und andererseits Kaabe und Mülm – Spreu und Staub.. Die Windfege stellte man auch auf der Deele auf, aber so, daß Kaabe und Mülm – Staub mit dem Wind abziehen konnte. Solche Windfegen waren schon ein erheblicher Fortschritt, wenn man bedenkt, wie aufwendig solche Reinigungsarbeiten sind, wenn sie mit einfachen Geräten, wie vor beschrieben, von Hand erledigt werden mußten.

(Siehe Foto, es wurde auf der 750-Jahr-Feier der Stadt Rhoden in der Langen Straße aufgenommen)



Mit dem Dreschkaten djeschken – mit der Dreschmaschine dreschen

Mir ist nicht bekannt, ob auch Dreschmaschinen mit einem Göpel angetrieben werden konnten.

Als die ersten Dreschmaschinen zum Einsatz kamen, hatte man zunächst Schwierigkeiten mit der Antriebsenergie. Man nutzte:

Dampfkraft

Es gab meines Wissens zu Beginn der Mechanisierung nur die Dampfmaschine als brauchbare und fahrbare Energiequelle. Lokomobile nannte man die fahrbaren Geräte. Sie hatten den Nachteil, daß man sie stundenlang vor dem eigentlichen Arbeitsbeginn anheizen mußte, damit man dann auch genoch Dämpe hadde – genug Dämpfe hatte – man meinte natürlich den erforderlichen Dampfdruck, der vorhanden sein mußte, damit die Dampfmaschine ihre mechanische Energie in Form der Drehbewegung abgeben konnte.

Dann bestand eine erhebliche Brandgefahr, denn es flogen Funken aus dem Kamin der Maschine, und das in der Nähe von trockenem Stroh und Fachwerkhäusern. Mein Vater hat mir erzählt, daß man durch den Einsatz von überlangen Treibriemen versucht hat die Zündquelle Lokomobil möglichst weit weg, von dem leicht entzündlichen Stroh zu bekommen. Das war so extrem, daß Flächten – Seitenbretter vom Holzwagen auf dem Boden ausgelegt wurden, damit der Reemen ni up djer Ääre schlipp un im Schkitte leep – der Treibriemen nicht auf der Erde schliff und im Dreck lief.

Elektromotor

Später nach der Elektrifizierung hatte man die Möglichkeit den robusten Elektromotor, der in einem Motorwagen eingebaut war, einzusetzen. Ein langer Treibriemen war auch noch üblich, aber die Brandgefahr bestand praktisch nicht mehr.

Verbrennungsmaschinen

Auch die Erfindung von praxistauglichen Schleppern mit Verbrennungsmotoren war wieder ein Fortschritt. Da hat der Lanz-Bulldog mit dem 2-Takt-Glühkopf-Motor als Antriebsaggregat gute Dienste geleistet. Besonders in der Nachkriegszeit des zweiten Weltkrieges, als es nur minderwertige Kraftstoffe gab. Ein normaler Dieselmotor lief nicht mit dem damaligen teerhaltigen Kraftstoff. Allerdings muß auch dazu gesagt werden, daß nach so einem Arbeitstag an dem „Dreschkasten“ der Glühkopf abgeschraubt und die angesetzten Verbrennungsrückstände ausgestemmt werden mußten. Es hatten sich in einem Tage so viel Teerkohle als Verbrennungsrückstände im Glühkopf festgesetzt, daß der Motor trotz anheizen am nächsten Morgen nicht angesprungen wäre.

Das Wasserrad

Wo es möglich war, hat man auch die Wasserkraft zum Antrieb von Dreschmaschinen verwendet. So ist bekannt, daß auf der Bruchmühle ein Wasserrad speziell für den Antrieb eines fest installierten Dreschkastens genutzt wurde. Alle Bauern aus Neudorf fuhren bis ca. 1910 mit den Erntewagen zur Bruchmühle um dort dreschen zu lassen. Natürlich mußte die gesamte Familie und auch sonstige Helfer mit zupacken. (siehe spätere Beschreibung bezüglich Einzelheiten.)


Des weiteren hatte man Probleme:

Mit djem Strau - mit dem Stroh

Die sogenannte Presse zum Einbinden des gedroschenen Strohs war noch nicht erfunden. So blieb nichts anderes übrig, das Stroh, daß aus dem Schüddelwjerk – Schüttelwerk der Dreschmaschine kam von Hand mit „Seilerstrau“ - Seilstroh einzubinden. Und das an der Stelle, bôô et am meisten mülmede – wo es am meisten staubt. Das Stroh mußte dann auch sofort wieder unger djen Fööten denn – unter den Füßen weg, damit die Maschine frei laufen konnte. Manchmal wurde es auch zwischengelagert und dann später unter Dach und Fach gebracht.

Als die Dreschmaschinen dann als Zusatzgerät eine „Presse“ zum Stroh einbinden erhielten, war die Arbeit mit dem Stroh etwas einfacher geworden, aber die Leute am Strau moßten jümmer nau vill Mülm fretten – Stroh mußten immer noch viel Staub fressen, so sagte man. (je nachdem wie der Wind stand)

Übrigens das Stroh für das Straubedde – Strohbett wurde auch hier abgezweigt.


Mit der Kaabe – mit der Spreu

Die ersten Dreschmaschinen hatten auch kein Kaabegeblööse . – Spreugebläse. Es blieb also nichts anderes übrig, als einen Mann/Frau abzustellen, damit die Spreu mit grauten Foorkjörben wjecheschlippet – großen Futterkörben weggetragen wurde. Auch eine „erfreuliche“ Arbeit, denn man muß wissen in der Spreu waren die ausgedroschenen Angen un Schnoon – Grannen und Rispen, Spelzen sowie alle Kleinteile vom Stroh und Unkraut einschließlich deren Samen. Wenn man das Tüjges – Zeugs in den Kragen bekam, hatte man etwas zum jucken, wie man sich lebhaft vorstellen kann.

Auch mußten die Frauen und Mädchen bei der Arbeit jümmer selber gestrikkede, schwarte, wüllne Strümpe anteen - immer selbst gestrickte, schwarze, wollene Strümpfe anziehen. Dazu mußte in manchen Familien eine an den Haaren herbeigezogene Begründung herhalten und zwar sagte der Bauer oder die Bäuerin „sie könnten keine nackten Beine sehn“. Spreu mit Angen in den Strümpfen ist sicherlich auch nicht das schönste Gefühl gewesen.

Als dann die Dreschmaschinen mit einem Kaabegeblööse – Spreugebläse ausgerüstet worden waren, wurden nur Blechrohre verlegt. Den Transport der Spreu übernahm dann der Gebläsewind bis zur gewünschten Stelle.

Weete- un Haaberkaabe – Weizen- und Haferspreu wurden extra gesammelt weil man sie noch zusätzlich als Futter benötigte.

Haferspreu in einem kleinen Sack gestopft, war vorzüglich geeignet als Unterlage in Kinderbetten. Woor dat Bedde natt gemiggen – war das Bett naß gepinkelt, so wurde ein anderer Sack frisk mit Haaberkaabe stoppet - frisch mit Haferspreu gestopft und schon hatte man eine neue Kinderbett-Matratze.



Vom Korn zum Brot Teil 8

Es wurden in dem Teil 7 die Probleme im Zusammenhang mit dem „Dreschkasten“ angesprochen - insbesondere mit dem Stroh und der Spreu; hierzu gehört außerdem noch

allgemein - der Standort der Dreschmaschine.

Man muß wissen, daß man in den meisten Häusern auf dem Lande einen Raum hatte, wo man mit dem Flegel dreschen konnte. Selbst in den kleinen Häusern der sogenannten Ziggenbouern – Ziegenbauern gab es einen Raum, der im Grundriß relativ klein, aber besonders hoch war, damit man den Flegel „schwingen“ konnte. Meistens war dieser Raum in der Mitte des Hauses angeordnet und hatte einen Abwurfschacht vom „Balken“ = Dachboden. Bei diesen kleinen Häusern, die man auch Küffen nannte, wurde der Erntewagen vor das Haus gefahren und die Bunde mit der Plegge – Umlenkrolle und Balkenseil zum Erker-Lid = Klappe im Dachaufbau herein befördert.

Für solche kleinen Mengen Getreide, den Aufwand mit dem Föören un Upstellen – Fahren und Aufstellen der Dreschmaschine (und ggf. Lokomobil) zu haben, launde – lohnte sich nicht. Deshalb stellte man die gesamte Einrichtung an geeigneter Stelle auf, (wo die Brandgefahr nicht so groß war). Dort mußten dann in djer Arne dee kleenen Lüj – in der Ernte dee kleenen Lüj - die kleinen Leute (Kleinbauern) mit dem Erntewagen bijföören – beifahren. (so sagte man - siehe Foto)

Dieses Bild entstand bei einer Demonstrationsvorführung auf dem Maschinenplatz in 1994. Die Oldtimer-Schau wurde von Ludwig Sänger organisiert und der Schützenverein hat die Aktion unterstützt.

Links im Bild die Antriebsmaschine – Lanz-Bulldog, dann der Dreschkasten und das „bijgeforrte Föör - beigefahrene Fuder

War die Landwirtschaft schon etwas größer und die Leute hatten nun ein typisches diemelsächsisches Längsdielenhaus oder auch ein Querdielenhaus, so konnte die Dreschmaschine nur vor dem Haus aufgestellt werden, denn die Öffnung der Dielentore war in der Regel zu klein, um die Maschine dort hinein fahren zu können.

Es war ein besonderes Kunststück, den Dreschkasten vor den Häusern bei dem sehr hängigen Gelände in Rhoden, so aufzustellen, daß sie in Längs- und Querneigung in Wôôge – Waage stand. Ungerlächklösse und Bjollenstücke - Unterlegklötze und Bohlenstücke und zusätzliche Spannkijle - Spannkeile wurden unterbaut. Die Maschine selbst wurde mit ner Winge – Winde jeweils entsprechend angehoben. Das selbe „Theater“ hatte man dann noch mit der Presse, auch die mußte sauber ausgerichtet und im passenden Abstand zu dem Dreschkasten stehen, damit das Stroh aus dem Schüttelwerk sauber aufgenommen wurde und der Treibriemen von der Reemesschkijbe djer Trummelwälle – Riemenscheibe der Trommelwelle bis zur Riemenscheibe der Presse die richtige Spannung hatte.

Wenn die Maschine nun für djem House up djer Grôôd – vor dem Hause auf der Grad (so nannte man die meist abschüssige Fläche der Deelenzufahrt) fein in Wôôge stund – schön in Waage stand, mußte man Hilfsplattformen und Rutschen für die Bunde bauen.

Dreschkasten vor Rießenhaasens

(siehe Foto mit dem Dreschkasten vor dem Haus von meinem Großvater = Rießenhaasens Haus. Die besagte Rutsche ist dort gut zu erkennen. Damals wurde noch ohne Presse „maschint“ – das ausgedroschene Stroh mußte noch von Hand eingebunden werden und die Spreu wurde in großen Futterkörben weggetragen)

Man konnte die Bunde nicht einfach up de Meschkine schmijten – die Maschine werfen, denn die Inläägers – Einleger (meistens 2 Frauen) mußten die Bunde pakken, upschnijn un fein outenneen getokket van djer Meschkijne inteen lôôten – fassen, aufschneiden und fein auseinander geschüttelt von der Maschine einziehen lassen.

Mit der Möglichkeit, den Lanz-Bulldog als Antriebsquelle einzusetzen, wurde es dann auch üblich, daß die größeren Bauern im Felde Bansens – Garbenmieten machten. Sängers Lui, einer der damals drei Lohndrusch-Unternehmer in Rhoden tauch – zog dann mit seiner Ausrüstung von Bansen zu Bansen, um dort vor Ort das Korn auszudreschen. Das gedroschene Stroh wurde gleich wieder als Strau-Bansen - Strohmiete aufgeschichtet. Die vollen Kornsäcke wurden auf den Wagen geladen und anschließend nach Hause gefahren.

Die anderen beiden Lohndrusch-Unternehmer stellten ihre Maschinen anfangs am Schildweg, später dann up djem Meschkijnenplass up – auf dem Maschinenplatz auf. Dort wurden dann meistens die kleinen Leute bedient. Auch größere Bauern ließen dort ab und zu mal ein paar Föör – Fuder dreschen.

Voraussetzung für das Dreschen im Freien war natürlich gutes Wetter. Dann brummeden – brummten die Maschinen bis tief in die Nacht hinein. Jeder wollte drann kummen - dran kommen. Es gab dann oft Strijeriggen – Streitereien unter den Bauern. Besonders wenn eine Zeit vereinbart war und diese konnte nicht eingehalten werden, weil mehr Fuhren zum Dreschen angefahren wurden, als vorher angemeldet waren.

Die Bauern die eine Scheune mit einem großen Scheunentor hatten, waren nicht so direkt vom Wetter abhängig, denn der Dreschkasten wurde, wenn alles Getreide inneforrt woor - eingefahren war auf die Scheune gefahren.

Übrigens auf einer Scheune konnte die Dreschmaschine relativ einfach in Waage gesetzt werden. Auch die Presse ließ sich einfacher setten – setzen. Meistens geschah das den Abend vor dem „Meschkinen“ – wörtlich „Maschinen“ damit war der eigentliche Dreschtermin gemeint. Auch wurden oft noch zusätzliche Gleitstangen an die Presse angebaut. Auf diesen Stangen drückte dann die Presse die Strohbunde wieder eine Etage höher. Das ersparte einen Mann zum Hauchfjorken – Hochforken der Bunde. Oberhalb der Presse wurde dann noch eine sichere Plattform als Standfläche für den Mann angebracht, der die Bunde abnahm und zum Jöbberlid – Oberlid im Erker herein werfen mußte. Dort wurden sie dann mit den entsprechenden Leuten weiter transportiert und innebenset – eingebanst.



Dat Meschkijnen - das „Maschinen-dreschen“

Die Garben - Bunde wurden von 2 bis 3 Männern direkt aus dem Bansen oder aus dem Jöbberlid – Oberlid auf die Maschine geworfen - Dort waren, wie schon vor genannt, die Frauen, die die Bunde auf der Maschine inläägen - einlegen mußten.

Man durfte die Bunde nicht einfach up djen Inlääger djer Meschkine schmijten – den Einleger der Maschine werfen, denn die Inläägers – Einleger (meistens 2 Frauen) mußten die Bunde pakken, mit nem Mässer upschnijn un fein outenneen getokket van djer Meschkijne inteen lôôten – fassen, mit einem Messer aufschneiden und fein auseinander geschüttelt von der Maschine einziehen lassen

Es wurde immer darauf geachtet, das die Bunde abwechselnd mit dem Stoorten-Änge – Halmende eingelegt wurden. Achtete man nicht darauf, so kamen die Strohbunde in unterschiedlicher Breite aus der Presse. Damit waren sie dann auch nicht richtig fest gebunden, konnten seitlich von den Gleitstangen abrutschen, und fielen oft auch auseinander.

Das Korn selbst ließ man direkt in die Säcke laufen. War ein Sack voll, so hob man ihn auf den Sakkhääber – Sackheber, ließ ihn hauchgôôn - hochgehen, nahm ihn auf die Schulter und schleppte ihn bis auf die Kornbünne – Kornkammer. Je nach dem, wie viel gedroschen wurde, sagte man dee Rogge löppet gud orre schlächt – der Roggen läuft gut oder schlecht. Das konnte auch für jede andere Getreideart gelten. Zwei Mann mußten mindesten an de Säkke – an die Säcke, d. h. die mußten das gedroschene Korn in die Säcke laufen lassen und wegtragen.

Ein Mann mußte dann noch abgestellt werden, dee drümme rümme leep – der drum herum lief. Das war dann ein so ein Springer, der überall toopeek – zupackte, wo es haperte. Sei es an den Säcken, oder im Bansen, wenn die Bunde zum Schluß sehr hoch und weit bis auf die Maschine geforkt werden mußten. Derjenige mußte auch einspringen, wenn einer mal out djer Büchse moßte – aus der Hose mußte. (Auf das Kloo mußte; Schkijthous – Scheißhaus sagte man dann auch)

Der Maschinist, das war der Lohndrusch-Unternehmer, hatte dann noch ein besonders „Ohr“ dafür, wie die Maschine lief. Oft lagen die dann jöbbermöö – übermüdet irgendwo in der Ecke und schliefen, aber sobald ein falscher Ton von der Maschine kam waren sie hellewach, drohten, schimpften und griffen ein, wenn es sein mußte. Z. B. wenn die Kabe-Rohre verstoppet– Spreu-Gebläse-Rohre verstopft waren, oder die Stümpe – ausgedroschene Ähren zu hoch lagen; diese kamen seitlich an der Maschine über ein besonderes Sieb zum Vorschein.

Man stelle sich den Aufwand und Einsatz von Menschen und Zeit einmal vor, der damals nötig war, um Getreide auszudreschen. So etwas wäre nicht möglich gewesen, wenn man sich nicht gegenseitig geholfen hätte. Das war damals selbstverständlich. Keiner, der selbst etwas Land bewirtschaftete, konnte ohne die Hülpe - Hilfe der anderen tetächtekummen - zurechtkommen.

Weil das so war, konnte keiner ganz out der Rijge danzen – aus der Reihe tanzen und mit allen Leuten Streit anfangen. Spätestens beim Dreschen war man auf die Hilfe von Nachbarn und Bekannten angewiesen.



Vom Korn zum Brot Teil 9

Als Nachtrag zu dem Teil 8 noch ein Bild von einem Modell „Dreschkasten mit Lokomobil“. Der Antriebsriemen war im Verhältnis zur Wirklichkeit wesentlich länger. Dieses Bild entstand ebenfalls bei einer Demonstrationsvorführung auf dem Maschinenplatz in 1994.


Kooren lagern – Korn lagern

Die Lagermöglichkeiten in den alten Fachwerkhäusern waren nicht optimal. Wenn es gutes Arnewjedder – Erntewetter gewesen war, hatte man mit einigermaßen trockenem Getreide keine besonderen Probleme. War das Korn aber noch zu feucht, so mußte er van Tijd to Tijd rümme schküppet wäären – von Zeit zu Zeit umgeschaufelt werden. Bei gutem Wetter machte man Dürzuch – Durchzug up der Kôôrenbünne - Kornstube, d. h. Tür und Fenster wurden auf gemacht. Bei fuchten un nibbeligen Wjedder - feuchten und nebeligen Wetter mußten die Fester zu bleiben. Auch war es üblich das Korn mit einer Holzharke durchzuarbeiten. Machte man das nicht, so wurde das Korn warm und manchmal war es auch bijneen e bakken un schkimmelich – zusammen gebacken und schimmelig. Trocknungsanlagen gab es damals nicht, man hatte also keine andere Möglichkeit, den Feuchtigkeitsgehalt im Getreide zu reduzieren.

Feuchtes Korn ist wiederum die Voraussetzung dafür, daß der Kornkäfer, ein gefürchteter Schädling, gut leben konnte. Wenn der einmal im Hause war, hatte er immer eine Überlebenschance bis zum nächsten Jahr. In den Ritzen der Dillen un hinger djen Footlijsten – Dielen und hinter den Fußleisten waren immer noch genügend Körner die für das Überleben ausreichten.

Weitere Schädlinge, die auch von den damals geringen Ernteerträgen lebten, waren die Mäuse. Sie waren in allen Fachwerkhäusern zu finden und lebten meistens besonders geschützt und gern in den Lehm-Zwischendecken oder in sonstigen Hohlräumen der Fachwerkwände. Als natürliche Feinde waren da Katzen gut . Die mußten die Müjse kurt hallen - Mäuse kurz halten. Dazu mußten die Katzen aber in die Kornkammern können; also blieben die Türen auf.

So ein Kornhaufen war nun mal auch ein ideales Katzenklo: Kattenschkitt – Katzenschiß fand man immer im Korn. Kattenmijge – Katzenurin war natürlich auch im Getreide. Weitere Ausführungen will ich mir an dieser Stelle ersparen.



Kôôren indoon– Korn eintun

Das im Haus gelagerte Korn, insbesondere Roggen benötigte man in erster Linie für das Grundnahrungsmittel Brot. Wenn das Mehl beim Bäcker zur Neige ging, sagte der: „Gij morret abber balle môô widder wat indoon“ – „Ihr müßt aber bald mal wieder was eintun. Mit dem „Eintun“ war gemeint, Korn einsacken = indoon und es dem Müller zum Mahlen mitgeben.

Man ging mit Leinensäcken auf den Kornboden, nahm das Spind (Hohlmaß) und füllte es mit Roggen und schüttete den Inhalt in den Sack. (Fünf Spinde Roggen ergaben ca. einen Zentner) .Bei der Gelegenheit kam dann auch dee Kattenschitt – der Katzenschiß wieder zum Vorschein; der natürlich aussortiert wurde. Mouseküttel – Mauseküttel konnte man natürlich nicht aussortieren, die gingen einfach mit in die Mühle. Die hygienischen Verhältnisse waren nicht so besonders gut. (heute würde man das als „katastrophal“ bezeichnen)

Bevor die Waagen eingeführt wurden, war es üblich, Korn nur mit Hohlmaßen abzumessen. Die mir bekannten Maßeinheiten aus der Zeit waren:

Bikker – Becher = ca. 0,93 l;

Spind = ca. 13,97 l;

Schkippel – Scheffel = ca. 51,41 l;

Mütte = ca. 205,64 l)

(Die Ausdrücke „Geld scheffeln“ und „mültern“ sind sicherlich von den vorstehenden Begriffen abgeleitet)

Gewogen wurde erst später mit einer Dezimôôlwôôge – Dezimalwaage. Als Sackgewicht wurde immer 2 Pfund = 1 kg angenommen.

Dann kam jede Woche ein bis zwei mal der Müller mit seinem mit Planen überdachten Mühlenwagen, der von schweren Pferden gezogen wurde, um die ingedôônen Säkke Kôôren – eingetanen Säcke Korn abzuholen.

Bei dem nachstehenden Bild ist die Plane über dem Mühlenwagen nicht aufgespannt – offensichtlich war gutes Wetter.



Kôôren maalen – Korn mahlen

(Ein Blick in die Vergangenheit - ohne platte Ausdrücke)

Der Mensch nutzt Getreideprodukte als Nahrungsmittel seit etwa 10 000 Jahren. Körner wild wachsender Getreidearten wurden damals mit Mörsern zerkleinert

Getreide aller Art hat man schon in biblischen Zeiten zu dem Grundnahrungsmittel „Brot“ verarbeitet, denn:

• es wird im alten Testament in der Josefs-Geschichte berichtet, daß eine große Teuerung im Lande war und kein Brot und Getreide zu bekommen war. Nach der Zeittafel in der Bibel war das etwa vor 3250 Jahren.

• die ältesten Reibstein-Mühlen sind aus dem 3. Jahrtausend v. Chr. aus Ägypten bekannt.

• Handmühlen sind seit ca. 500 v. Chr. nachgewiesen.

• in Pompeji, der weltberühmten ausgegrabenen Ruinenstadt am Vesuv, hab ich selbst eine relativ große Handmühle gesehen.

Beschreibung aus der Erinnerung:

Sie war aus Tuffstein gefertigt, insgesamt etwa 1,60 m hoch, der untere feststehende Stein war rund gearbeitet hatte ca. einen Durchmesser von etwa 1.00 m und war auch ca. 1,00 m hoch. Der obere, zu drehende Mahlstein, ebenfalls rund, hatte in der Drehachse ein durchgehendes Loch (Korneinlauf), war nach unten konisch mit einem Durchmesser von etwa 50 cm und nach oben trichterförmig ausgearbeitet mit einem Durchmesser von ca. 80 cm. Beiderseits waren nicht durchgehende Löcher mit ca. 8 cm Durchmesser eingearbeitet, in die je eine Holzstange gesteckt wurde. Als Antrieb dienten dann mindestens zwei Mann, die jeweils die Stange angefaßt, im Kreis gehen mußten und damit den Mahlstein drehten und somit das Korn mahlten, das oben in den Steintrichter geschüttet wurde. Das Mehl oder besser Schrot kam in der Ebene an der Reibfläche nach außen und fiel auf einen Vorsprung vom unteren feststehenden Stein.

Der Untergang von Pompeji war am 24. August 79 nach Chr. Diese großen Handmühlen aber sicherlich schon in den Jahrhunderten vorher in Gebrauch waren.

Es heißt in der Bibel bei Matthäus 13, (33) „......... Das Himmelreich ist einem Sauerteig gleich, den ein Weib nahm und vermengte ihn unter drei Scheffel Mehl, bis es ganz durchsäuert ward.“; und weiter bei Matthäus 26, (26) „ ....... nahm er das Brot, dankte und brach´s ......“ Das war etwa vor 2000 Jahren.

Wie damals das Getreide abgemacht, die Ernte eingebracht, das Korn gewonnen und dann anschließend gemahlen wurde, kann man in den genauen Einzelheiten sicherlich nicht mehr nachvollziehen. Gewiß ist aber, daß man damals schon Mehl kannte und Sauerteig als Treibmittel zum Backen verwendet wurde.

Auch zur Zeit der Völkerwanderung, als die Menschen in unserer Gegend noch nicht seßhaft waren, benötigte man Nahrungsmittel. Weil Korn, einigermaßen trocken gelagert, wesentlich länger haltbar ist als das Zwischenprodukt Mehl oder das gebackene Brot, muß auch zu der Zeit die Zubereitung von Speisen jeweils kurzfristig erfolgt sein. Dazu gehört natürlich auch die Zerkleinerung von Körnern.

Es wäre ja mal interessant zu wissen, wie in den verschiedenen Zeitabschnitten das Korn aufgeschlossen und Mehl hergestellt wurde. Ob man das Korn vor dem Genuß nur quellen ließ, oder es auch mit einem Mörser zerkleinerte, oder von Hand betriebene Mühlen verwendet hat. Vielleicht weiß der ein oder andere Leser etwas genaueres über das Thema in Bezug auf unseren Raum.



Die Nutzung von Naturkräften

Die Windkraft wurde Zeit schon im 12 Jahrhundert technisch genutzt. Es gibt entsprechende Überlieferungen aus der Normandie und England über Bockwindmühlen.

Die ersten mit Wasserkraft betriebenen Mühlen sollen bei uns erst im 13. und 14. Jahrhundert aufgekommen sein

Neben den Getreidemühlen wurde die Wasserkraft natürlich dann sehr schnell auch für andere Zwecke genutzt, denn es gab Sägemühlen, Ölmühlen, Lohmühlen, Bohrmühlen, Hammermühlen, Walkmühlen, Papiermühlen, Pulvermühlen, Schneid- und Schlag- oder Pochmühlen.

Im Orpetal standen Mühlen fast aller vorgenannten Arten - im Zusammenhang mit der Verhüttung von Adorfer Eisenerz wäre das Stoff für dieses besondere Thema.

Die Obrigkeit hatte natürlich schnell erkannt, daß das Mühlengeschäft eine gute Einnahmequelle war. So waren die Mühlen meistens im Besitz der Grafen, Fürsten, Klöstern oder sonstigen Landesherrn, die die Mühlen selbst durch Beamte betrieben oder verpachteten. Daneben gab es noch Erbmühlen deren Besitzer nur für das Wasserrecht und den Grundbesitz Zins zu zahlen hatten.

Der Zins konnte oder mußte auch oft in Form von Mehl entrichtet werden, denn die Herrschaften wollten / mußten ja auch mit Nahrungsmitteln versorgt werden.

Damit die Einnahmequelle für den Landesherrn auch sicher war, wurden an die Mühlen oft besondere Rechte vergeben, die dann auch wiederum Pflichten zur Folge hatten, wie zum Beispiel



Bannmühlen

Wasser- und auch Windmühlen konnten als Bannmühlen ausgewiesen sein. Sie hatten sozusagen Gebietsschutz. Alle Dörfer bzw. Höfe in einem bestimmten Umkreis um die Mühle durften und mußten nur bei der bestimmten „Bannmühle“ ihr Korn mahlen lassen. Dieser Mahlzwang wurde dann etwas Mitte des 19. Jahrhunderts abgeschafft. Bis zu diesem Zeitpunkt waren die Einkünfte der jeweiligen Obrigkeiten von den Mühlen ziemlich sicher.

(So soll die Windmühle im Rhoder Holz auch eine Bannmühle gewesen sein)



Vom Korn zum Brot Teil 10

Windmüllen - Windmühlen

Windmühlen konnten bei uns nicht so effektiv eingesetzt werden, weil der Wind nicht glijkmäßich wäggede - gleichmäßig wehte. Allerdings ist aus den Flurnamen abzuleiten, daß in dieser Gegend auch Windmühlen gestanden haben müssen. Die Bezeichnungen „Am Mühlenberg im Rhoder Holz und „Auf der Bockemühle bei Landau sind noch stumme Zeugnisse aus vergangenen Zeiten. Sicherlich gibt es noch andere Orte, die Hinweise auf Windmühlen geben.

Man unterscheidet hauptsächlich zwei Arten von Windmühlen:

A) Bockmühlen:

Bockmühlen waren so konstruiert, daß man den gesamten Mühlenaufbau, der auf einem Bock montiert war, in djen Wind dräggen konnte - in den Wind drehen konnte.

Ein langer ausladender Baum, der mit dem Mühlenaufbau verbunden war, konnte jeweils in der günstigsten Stellung am Boden verankert werden.

Nachstehend noch ein Bild von der letzten erhaltenen Bockwindmühle am Harzrand in Dranstedt bei Wernigerode. Der Bock unter der Mühle und der Baum zur Arretierung sind deutlich zu erkennen.


B) Turmwindmühlen

Turmwindmühlen hatten einen feststehenden Unterbau. War dieser in massiver Bauweise erstellt, so war er im Grundriß meistens achteckig oder rund und in der Ansicht oft glockenförmig bzw. konisch in Holland und in Norddeutschland noch oft zu sehen. (meistens aber nur noch als Ruinen)

War der Unterbau eine Holzkonstruktion, so verjüngte sich die ganze Konstruktion nach oben hin gleichmäßig. Typisches Kennzeichen einer Turmwindmühle ist der drehbare Turmaufsatz. Hier wird nur der Turmaufsatz mit den Windflügeln „in den Wind gedreht Oft sieht man bei den alten Windmühlen noch ein kleineres Windrad mit der Achse rechtwinkelig zur Achse der großen Windflügel. Mit diesem kleinen Windrad wurde die Energie zur Drehung des Turmes gewonnen. Nähere Einzelheiten zu den Windmühlen sind mir leider nicht bekannt.


Waatermüllen - Wassermühlen

Eine relativ sichere Antriebsenergie war in dieser Gegend die Wasserkraft. Folgende Mühlen sind mir in der näheren Umgebung genannt worden:

Ginselmühle soll unterhalb der Quastquelle gestanden haben.

Steinmühle an der Lauke mit dem ehemaligen Wehrturm ist jedem bekannt,

Huxmühle an der Lauke, etwas unterhalb,

Trotzmühle - an der Lauke,

Knuttenmühle an der Lauke

Kiebitzmühle am Kälberbach

Ravensmühle - am Kälberbach

Die 16 Mühlen, die im Orpetal ihren Standort hatten, sind hier nicht aufgeführt.



Allgemeines zur Technik der mit Wasserkraft betriebenen Mühlen

Auszug aus dem Kalender für den „Practischen Maschinen-Constructeur unter Mitwirkung bewährter Ingenieure herausgegeben von Wilhelm Heinrich Uhland, Ingenieur in Leipzig Zweiter Jahrgang 1876 Dort ist unter „VI. Wasserräder folgender Text verzeichnet, Zitat:

„Die Wirkungsweise des Wassers auf die Räder geschieht entweder durch Stoss, durch Stoss und Druck, oder allein durch die lebendige Kraft (eingefügte Formel) des Wassers ohne Stoss.

Je nach dem Wasserdargebot, den Gefälleverhältnissen waren die Mühlen angelegt bzw. konstruiert. Man unterscheidet nach der Konstruktion die Wasserräder folgendermaßen:

    1.1.1 Unterschlächtige Wasserräder

wurden in kleinen Flüssen mit ausreichender und möglichst konstanter Wasserführung eingebaut. Die Fließgeschwindigkeit mußte auch groß genug sein. Das Mühlrad war verhältnismäßig breit gebaut und hatte nur Eintauch-Bretter oder -Schaufeln. Diese Schaufeln wurden von dem Fluß des Wassers „mitgenommen und es entstand so die erforderliche mechanische Energie in Form der Drehbewegung. Man nutzt bei diesen unterschlächtigen Wasserrädern fast nur die kinetischen Energie = Bewegungsenergie des Wassers. Ein besonderer Mühlengraben war, je nach den örtlichen Verhältnissen erforderlich. Meistens wurde ein kurzer Mühlengraben mit Wehr angelegt, in dem an einer Stelle das Flußbett etwas eingeengt und das Sohlgefälle künstlich etwas größer angelegt war. Damit erhöhte sich die Fließgeschwindigkeit des Wassers an der Eintauchstelle des unterschlächtigen Wasserrades. Die Energieausbeute war durch diese Maßnahmen besser als im „normal fließenden Wasser.

    1.1.2 Mittelschlächtige Wasserräder (auch rückenschlächtig genannt)

kamen i.d.R. dort zu Einsatz, wo nicht mehr so viel Wasser zur Verfügung stand, daß damit eine unterschlächtige Mühle betrieben werden konnte. Man nutzt für den Antrieb des Mühlrades die kinetische Energie und etwa die halbe Fallhöhe des Wassers. Weil das Wasser ca. auf der Mitte des Mühlrad-Durchmessers auf die seitlich geschlossenen Schaufelkammern des Mühlrades geleitet wurde, nannte man sie mittelschlächtigen Mühlen.

Nun war es die Kunst beim Bau einer Mühle, diese erforderliche Fallhöhe es Wassers, durch das Anlegen des Mühlengrabens zu gewinnen. Weil man damals keine präzisen Meßgeräte hatte, war es gar nicht so einfach, den Punkt in der Talaue zu bestimmen, wo man ein Wehr anlegen mußte. Das Wasser wurde von dort in einem Mühlengraben an die Mühle geleitet wo dann die Fallhöhe des Wassers zur Energiegewinnung ausgenutzt werden konnte.

Ein Wehr war (ist) ein Bauwerk, das es ermöglicht eine kontinuierliche Wassermenge von dem Bachwasser in einen von Menschenhand angelegten Graben abzuleiten.

Dieser Mühlengraben war so angelegt, daß er weniger Gefälle hatte, als das Bachbett in der Talsohle. Das ging nur, wenn man den Mühlengraben so am Hang der Talaue führte, daß man bei minimalen Gefälle die erforderliche Fallhöhe am Mühlrad erreicht wurde.

Bei dem mittelschlächtigen Wasserrad mußte durch die Differenz im Gefälle von Bachbett zu Mühlgraben zumindest die halbe Höhe des Mühlraddurchmessers als Fallhöhe = Arbeitshöhe des Wassers gewonnen werden.

    1.1.3 Oberschlächtige Mühlen

legte man i.d.R. dort an, wo wenig Wasser im Bach vorhanden war. Dann war es erforderlich neben der kinetischen Energie des Wassers durch Stoß den gesamten Höhenunterschied des Mühlrades als Antriebsgewicht des Wassers zu nutzen. Bei einer oberschlächtigen Mühle wird das Wasser über das Mühlrad hinweg auf die ebenfalls seitlich geschlossenen Schaufeln geleitet. Die Drehrichtung ist dann entgegengesetzt, wie bei den unter- und mittelschlächtigen Wasserrädern

Einen Mühlengraben mit dem entsprechenden Wehr mußte man, wie vor beschrieben, ebenfalls anlegen. Manchmal hatte man einen kleinen Vorteil bezüglich der Länge des Mühlengrabens, denn die Bäche, die wenig Wasser führen, haben in der Regel ein etwas größeres Gefälle in der Talaue. So war es möglich, den erforderlichen Höhenunterschied beim Mühlrad auf einer relativ kurzen Strecke zu erreichen.


Mühlenteiche

War das Wasserdargebot, besonders in Trockenzeiten, so gering, daß es als Antriebsenergie nicht mehr ausreichte, so mußte man das wenige Wasser sammeln. Dazu wurden die sogenannten Mühlenteiche angelegt. Hatte sich genug Wasser angesammelt, so zog man das Schkütt den Schieber auf und konnte so lange mahlen, bis der Teich leer gelaufen war. (ein Beispiel ist der Mühlenteich bei der Schmillinghäuser Mühle)



Vom Korn zum Brot Teil 11

Allgemeines zur Antriebstechnik von Wind- oder Wassermühlen

Der Kraftfluß mußte so angelegt werden, daß er von der horizontal liegenden Welle des Wasser- oder Windrades auf die senkrecht stehende Welle des Mahlwerks mit höherer Drehzahl übertragen wurde.

Bei den Windenergie-Nutzung hatte man sicherlich im Laufe der Zeit die Leistungsmerkmale der Windräder herausgefunden, die in windreichen Gegenden annähernd überall gleich waren. Bei den Wassermühlen hing die Energie-Nutzung jedoch viel vom jeweiligen Standort mit den besonderen spezifischen Verhältnissen ab.

Die gesamte Antriebstechnik konnte man nicht kaufen und mußte von den Mühlenbauern für die jeweilige Mühle selbst berechnet und hergestellt werden

Die Wassermenge, das für die Energiegewinnung nutzbare Gefälle, der Mühlrad-Durchmesser, die Drehgeschwindigkeiten von Wasserrad und Mahlwerk, alles mußte gut auf einander abgestimmt sein. Und dann erst das handwerkliche Geschick, das erforderlich war um so eine komplette Mühle zu bauen. Nur die wesentlichsten Teile, wie Wellen und kleine Zahnräder ließ man aus Eisen bzw. Guß anfertigen. Selbst wenn man die Möglichkeit gehabt hätte, alle Zahn- oder Kammräder aus Eisen oder Guß anfertigen zu lassen, wäre ein solches, offenes Getriebe mit nicht dauerhaft gelaufen, denn die eisernen Zahnräder hätten sich gegenseitig „aufgefressen also zerstört. So war man gezwungen, große Kammräder selbst aus Holz anzufertigen. Diese Kammen mußten paßgenau und fest und im gleichen Abstand sitzen, damit sie der Dauerbelastung stand hielten. Zusätzlich wurde die Energie für Lastenaufzüge und Sieb- und Fördereinrichtungen durch besondere technische Einrichtungen von der Energiequelle Wasser- oder Windrad abgezweigt.

Alles in allem Meisterleistungen für die damalige Zeit. Um eine Vorstellung von der damaligen Antriebstechnik zu bekommen siehe das nachstehende Bild. Ganz deutlich sind die aus Holz gefertigten „Kammen des großen Antriebsrades zu erkennen, Abweichend von der üblichen Bauart, ist das kleine Antriebsrad vom Mahlwerk auch aus Holz gefertigt.



Mahlwerke der Mühlen

Die älteren Mühlen hatten, soweit mir bekannt ist, alle Mühlsteine als Mahlwerk. Diese Mühlsteine wurden aus besonders harten quarzhaltigen Natursteinen hergestellt. Der runde, untere Stein war in der Mahlebene besonders behauen. Es mußten Rillen, die vom Mittelpunkt nach in einem bestimmten Winkel außen verliefen, eingehauen werden. Diese Rillen mußten dann noch in, bzw. gegen die Drehrichtung leicht schräg anlaufen. Dieser untere Stein war fest montiert, hatte aber in der Mitte ebenfalls ein Loch durch das die Antriebswelle von unten für den oberen Stein ging.

Der obere Stein, der sogenannte Läufer, war in der Lauffläche ebenso wie vor beschrieben bearbeitet, jedoch waren die Rillen so eingearbeitet, daß sie sich zu dem fest montierten unteren Stein in der Mahlwirkung ergänzten. Zusätzlich war in dem Zentrum vom oberen Stein ein durchgehendes Loch eingearbeitet, damit das Mahlgut von oben einlaufen konnte. Der Läufer wurde durch die vom Wasser- oder Windrad gewonnene mechanische Energie in Drehbewegung versetzt.

Die Mahlwerke wurden im Laufe der Zeit immer weiter verbessert. Heute sind fast nur noch Walzenmühlen in Betrieb; Walzenstuhl wird so eine Mahleinrichtung auch genannt. So haben sich immer mehr die Walzenmühlen durchgesetzt. Im Prinzip laufen da in geringem Abstand zwei geriffelte Walzen mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten gegeneinander. Das Mahlgut wird dadurch nicht nur gequetscht, sondern „auseinander gezogen. Es werden im Arbeitsgang mehrere Walzenstöcke mit immer engerem Walzenabstand hintereinander angeordnet.

Bei diesen moderneren Walzenmühlen wird das Mahlgut bis zu 12 mal in den Mahlgang gegeben um das Korn entsprechend auszumahlen und die einzelnen Mehltypen zu gewinnen.

Auch diese Walzenmühlen wurden und werden z. T. noch mit Wasserkraft betrieben



Die Arbeitsgänge - Korn mahlen

Anmerkung

Es gibt ein Sprichwort das heißt „Wee te eeste kümmet, mahlt te eeste wer zuerst kommt, mahlt zuerst Das deutet darauf hin,

    daß früher die Bauern ihr Korn immer selbst zur Mühle brachten und dort mahlen ließen und das Mjell un de Kliggen Mehl und die Kleien sofort wieder mit nach Hause nahmen,
    es bei den Müllern oft zu Streitereien gekommen sein muß, wer und in welcher Reihenfolge einer beim Mahlen dran kam.

Daraus ergab sich dann der vor genannte Grundsatz und es konnte sich keiner Beschweren.

Wilhelm Busch berichtet in seiner Bildergeschichte „Der Bauer und der Windmüller wie ein Bauer mit seinem Esel und einem Sack Korn bei der Mühle angekommen ist. Auch ein Hinweis darauf, daß die Bauern nach Bedarf ihr Korn selbst zur Mühle brachten und es mahlen ließen.

Nach dem 2. Weltkrieg war es dann schon etwas rationeller, denn der Müller holte das Korn von den Bauern selbst und brachte es dann zum Bäcker.

Vorbehandlung

Das zu mahlende Korn mußte in der Mühle aufbereitet werden, damit ein gutes Mehl erzeugt werden konnte. Folgende Vorbehandlungen des Mahlgutes waren erforderlich:

    mögliche Metallteile durch Magneten entfernen
    Staub und leichte Strohreste durch Wind ausblasen
    restliche Unkrautsamen durch eine Siebtrommel aussieben
    die Aleorenschicht = die obere Haut des Korns (Frucht- und Samenschale) und den Keimling entfernen.


Diese Aufbereitung konnte in einzelnen Maschinen oder auch in einer Kombi-Maschine erfolgen. Auch die besagten Mauseküttel werden bei diesen Arbeitsgängen durch Wind oder Sieben aus dem Korn entfernt.

Ganz wichtig ist es, den Keimling vor dem Mahlen zu entfernen, denn der ist ölhaltig und dieser Ölanteil im Mehl würde es später bei der Lagerung ranzig werden lassen. Bei diesem Arbeitsgang entsteht die sogenannte Schälkleie. Weizenkeimöl müßte dem nach aus diesen Schälkleien hergestellt werden.



Mahlvorgang

Das so vorbehandelte Korn kommt dann in den Mahlgang. Beim ersten Durchgang entsteht Schrot. Dieses Schrot besteht aus Mehl, Grieß und Kleie. Dieses Gemisch wird in einem Sechskant-Siebzylinder (Siebtrommel heute Plansichter genannt) gesiebt. Der weiße Mehlanteil wird ausgesondert, Grieß und Schrotanteile kommen abermals in den Mahlgang. Der Siebvorgang und der anschließende Mahlgang wiederholen sich so oft bis das Korn genügend ausgemahlen ist. Bei jedem Mahlgang wird das Mehl etwas grauer, weil durch jeden weiteren Mahlvorgang immer mehr Kliggenandeile - Kleienanteie ins Mehl geraten. Das was zum Schluß übrig bleibt sind dann die Kliggen Kleie.

Früher hat man das Mehl auch durch einen feinen Sieb-Beutel gesiebt. Was dann in dem Beutel blieb, war das gröbere Beutelmehl. Ob sich das mit dem mir genannten Ächtermjell Achtermehl deckt habe ich noch nicht herausfinden können.

Weizen wird nur bis zu etwa 60 % Mehlanteil ausgemahlen. Grießmehl wird beim ersten Weizen-Mahlgang abgezweigt.

Roggen wird etwa mit 70 bis 75 % Mehlanteil ausgemahlen. Etwa 20 % sind Kleie und bis zu 5 % sind Verlust.

Um die verschiednen Mehltypen immer in der gleichen Qualität liefern zu können, werden diese, aus den verschiednen Mahlgängen stammenden Mehlsorten so gemischt, das es der Norm entspricht.

Wie alles bei uns, ist die Typenbezeichnung von Mehl genormt und entspricht gewissen Qualitätsansprüchen. Je höher die Typenzahl ist desto mehr ist das Mehl ausgemahlen und hat entsprechend mehr Kleienanteile.

Auch beim Roggen entsteht beim ersten Mahlgang Grießmehl, das aber nicht benötigt und so bei den folgenden Mahlgängen zu Mehl verarbeitet wird.


Mehlarten

Das Mehl wird heute in Klassen mit besonderen Bezeichnungen eingeteilt .

Früher hatte man nur drei Sorten Mehl:

1. Das ganz gewöhnliche, normale zum Backen gut geeignete Mehl.

2. De twidde Sorte Mjell, dat Ächtermjell van Weete gemaalen die zweite Sorte Mehl, das Achtermehl von Weizen gemahlen,
(Gern würde ich erfahren, ob das vor genannte Beutelmehl mit dem Ächtermehl identisch ist; für eine entsprechende Information wäre ich dankbar)

3. Outwassmjell Auswuchsmehl

Nach den Beschreibungen im Arbeitskreis war das Ächtermjell eine zweite Sorte Mehl. Evtl. läßt sich das norddeutsche Wort „achtern = hinten daraus ableiten; also Mehl was hinterher = achtern gewonnen wurde, Das Ächtermjell Achtermehl hatte demnach viel Kleieanteile und war in den Augen der damaligen Bevölkerung nicht so gut. Heute weiß man es besser, denn unsere Körner- oder Vollkornbrote bestehen zum großen Teil aus Kleien, Schrot- und Körnern.



Vom Korn zum Brot Teil 12

Zur Ergänzung der vorigen Folgen nachstehend ein Bild von einem oberschlächtigen Mühlrad


Mültern

Wenn der Bauer Korn mahlen ließ und keinen Mahllohn bezahlen wollte oder konnte, behielt der Müller soviel Mehl zurück, daß er von dem Verkauf des Mehls seine Kosten bestreiten konnte und unter anderem auch die Zinsbelastung an die Obrigkeit zu zahlen war. Man kann sich lebhaft vorstellen, daß das in früheren Zeiten häufig zu Streitereien kam. Insbesondere, weil nicht nach Gewicht sondern nach Hohlmaßen abgerechnet wurde. Eine objektive Kontrolle war praktisch nicht möglich. So standen die Müller bei den Bauern immer in Verdacht toovill e mültert te habbene zuviel Mehl für sich abgezweigt zu haben ohne daß man das nachweisen konnte

Ein Beweis dieser gespannten Verhältnisse zwischen den Bauern und den Müllern belegt folgende überlieferte Geschichte, die mir von Hermann Böhne, Bruchmühle, - als gelernter Müller erzählt wurde.


Eine Mültergeschichte

Ein Bauer hatte einen Müller in Verdacht, daß er immer zuviel vom Mehl abzweigte. Er sagte das dem Müller auf den Kopf zu. Dieser bestritt das natürlich und sagte zu dem Bauern, er solle doch kommen und selbst sehen, was von seinem Sack Korn an Mehl aus der Mühle heraus käme.

Der Müller hatte nun mit seiner Frau abgesprochen, sie solle immer eine Mehlschaufel Mehl aus dem Sack des Bauern entnehmen, wenn er riefe „pakk too - faß zu, denn in diesem Augenblick wäre der Bauer mit Sicherheit abgelenkt.

Als nun der mißtrauische Bauer mit seinem Korn in der Mühle ankam, schütten sie es gemeinsam in den Trichter. Dann gingen sie zusammen an den Mehlauslauf. Der Mahlvorgang dauert nun eine Weile; da sagt der Müller zu dem Bauern:

„Dou, gleibeste dat usse Hund Fiske fängget - glaubst du daß unser Hund Fische fängt?

Bauer: Dat gleibe ik dij ni - das glaube ich dir nicht!

Müller: Datt kann ik dij bewijsen - das kann ich dir beweisen, ik schmijte djen Hund in djen Müllendijk und roope < pakk too > - ich werfe den Hund in den Mühlenteich und rufe < faß zu >

Dann kümmet de Hund widder out djem Waater un jett n Fisk e fangen - dann kommt der Hund wieder aus dem Wasser und hat einen Fisch gefangen.

Bauer: Dat will ik seen. - Das will ich sehen. Müller: Ne Augenblikk, ik roope mijne Frugge, de mott so lange upp de Mülle passen. Einen Augenblick, ich rufe meine Frau, die muß so lange auf die Mühle aufpassen.
Der Müller sagt seiner Frau Bescheid und lockt dann seinen Hund herbei, faßt ihn, wirft ihn in den Mühlenteich und ruft pakk too - faß zu. Der Hund kommt natürlich ohne Fisch aus dem Wasser. In dem Moment hat nun die Müllersfrau eine Schaufel Mehl aus dem Mehlsack des Bauern entnommen. Der Bauer sah ja gespannt, ob der Hund wirklich mit einem Fisch aus dem Wasser kam.

Müller: Dat verstôôe ik ni, gistern kamm de Hund nau mit nem Fisk out djem Waater. - Das verstehe ich nicht gestern kam der Hund noch mit einem Fisch aus dem Wasser.

Bauer: Dou kanns mij vill vertellen - du kannst mir viel erzählen.

Müller: Djoch, dou kanns et mij gleiben, kumm wij preweert dat nau môô - doch du kannst es mir glauben, komm wir probieren das noch einmal.

Der Müller ruft noch mehrmals seinen Hund, wirft ihn ins Wasser und ruft jedesmal, pakk too faß zu. Nach geraumer Zeit ruft dann die Müllersfrau: Mann höör uppe, et is balle nix maa im Sakke - Mann hör auf, es ist bald nichts mehr im Sack.

Es gab auch etwas natürlichen Schwund beim Mahlen, aber dieser Müller hatte es wirklich überzogen. Es gab aber auch, wie überall solche und solche Müller.



Gefährdung der Mühlen

Die Mühlen als Bauwerke waren immer besonders gefährdet denn, Wassermühlen stehen naturgemäß an oder in Talauen. Deshalb ist manche Mühle durch ein starkes Hochwasser zerstört worden.

Mehlstaub ist explosiv und manchmal genügte ein kleiner Funke oder ein offenes Licht um eine Staubexplosion auszulösen und die ganze Mühle in Brand zu setzen. (Damals gab es keinen elektrischen Strom und später gab es zuerst keine explosionsgeschützten Armaturen für die Elektroinstallation)

Bei den damaligen Löschmöglichkeiten war eine Mühle dann nicht mehr zu retten und brannte vollständig ab, auch wenn genügend Wasser an Ort und Stelle vorhanden war.

So ist so manche Mühle im Laufe der Zeit für immer verschwunden. Oft geben nur noch Flurbezeichnungen oder Reste von Ruinen bzw. noch erkennbare Mühlengräben einen Hinweis auf einen ehemaligen Mühlenstandort.



Mühlen als Kulturgut

Die Müller und die Mühlen waren und sind ein ganz wichtiges Glied in der Herstellung von Nahrungsmitteln. So war Müller ein Lehrberuf, der eine ganze Menge an Fachwissen erforderte. Ebenso mußte ein Müller bei der damaligen Technik eine Menge an Erfahrung sammeln, bis er so eine Mühle richtig im Gripp Griff hatte und die gewünschte Qualität an Mehl erzeugt werden konnte. Im Bewußtsein der Bevölkerung waren Müller und Mühlen hoch angesehen, denn jeder wußte, daß die Mehlherstellung lebenswichtig war. Das wird besonders in dem Lied "Es klappert die Mühle am rauschenden Bach" zum Ausdruck gebracht, denn dort heißt es weiter:

„bei Tag und bei Nacht ist der Müller stets wach,
er mahlet das Korn zu dem kräftigen Brot,
und haben wir dieses so hat´s keine Not

Aber auch in anderen Volksliedern wird die Mühle besungen, wie z. B.
„Dort unten in der Mühle, ......
„In einem kühlen Grunde, .....
„Es steht eine Mühle im schwarzwälder Tal, ......
„Das Wandern ist des Müllers Lust, ........

Auch in der einschlägigen Literatur sind die Mühlen oft erwähnt.



Transport des Mehls zum Verbraucher

Als jeder Bauer sein Korn selbst zur Mühle brachte, nahm er auch gleich Mjell un Kliggen - Mehl und Kleie wieder mit nach Hause. Natürlich konnte der Bauer nicht auf das Mahlen seines eigenen Getreides warten, er bekam dann jeweils die entsprechende Menge aus dem Bestand des Müllers zurück.

Später brachte der Müller das Mehl auf dem gleichen Wege bei dem das Korn von den einzelnen Höfen abgeholt wurde, wieder mit in die Dörfer. In der Regel kam der Müller jede Woche ein bis zwei mal mit seinem mit Planen überdachten Mühlenwagen um das Mehl zu bringen und Korn zu holen. Der Mühlenwagen wurde von besonders schweren und kräftigen Pferden gezogen.

Das geschah immer solange noch in den einzelnen Haushalten Teig angesetzt wurde, der dann meistens in einem kleinen Gemeinschafts-Backhaus gebacken wurde.

In Rhoden hatten sich aber schon früh die kleinen Bäckereien durchgesetzt. Nach 1945 waren hier noch 7 Bäckereien in Betrieb. Zu der Zeit brachten die Müller das Mehl der Kunden zu den jeweiligen Bäckereien bei dem die einzelnen Familien backen ließen.

Das folgende Bild zeigt einen Mühlenwagen mit Plane.



Vom Korn zum Brot Teil 13

Brood bakken - Brot backen

Bevor sich das Bäckerhandwerk und die Bäckereien auf dem Lande durchsetzten konnten, standen in allen Dörfern die kleinen Dorfbackhäuser. Jede Familie machte ihren Deech - Teig selbst. Gebacken wurde an einem bestimmten Wochentag gemeinsam. Im Turnus mußte jede Familie einmal den Backofen anhitten - anheizen und auch gleich zuerst backen.
Hinweis von meiner Tante: Das wurde nicht so gern gemacht, denn das zuerst gebackene Brot wurde nicht so schön, weil der Backofen meistens zu heiß war.


Das Bakkhous - das Backhaus

Das Backhaus war ein relativ kleines Gebäude in dem der Backofen mit Schornstein und ein kleiner Vorraum untergebracht war. Der Ofen selbst war mit Schamottsteinen ausgemauert und hatte eine sogenannte Brustfüjerunge Brustfeuerung mit einer eisernen Klappe.

Das Füjer Feuer wurde direkt im Backraum entfacht. Zum anhitten nahm man Rijsere - Reiser und zum bööten nahm man Bakksplitten größere Holzstücke, die extra für das Backen hergestellt wurden. Die Hitte - Hitze übertrug sich natürlich auf die Schamottstein-Ausmauerung. Die gespeicherte Hitze wurde dann zum Backen benötigt.

Das ging aber nur, wenn man das gesamte Feuer mit der Asche aus dem Feuerraum der auch Backraum war, herausholte. Dazu nahm man eine Lote und zog die feurigen Kohlen einschließlich Asche wieder nach vorn zur Klappe heraus.
Im Schornstein war eine Eisenklappe; sie blieb beim Bööten - Heizen offen.

Sodann ging man mit dem natten Jobbenhuddel - nassen Lappen (meistens ein Jutesack) an einer Stange, in den Feuerraum und machte die Backfläche einigermaßen sauber.

Die richtige Backtemperatur konnte man nicht an einem Thermometer ablesen; aber man wußte sie trotzdem zu prüfen. Man legte ein Weeteôôr Weizenähre auf den Ofenschieber (Schküttel), und durchfuhr den Ofen damit in drei Runden von ca. je einer Sekunde. War dann die Ähre goldbraun, so stimmte die richtige Backtemperatur. War die Ähre verbrannt, mußte man mit dem Einschieben warten; war die Ähre noch zu hell, so mußten man nachheizen. Dann wurde die Klappe im Kamin geschossen, damit die Hitze im Ofen blieb.

Danach konnten dann die vorgeformten Brote mit einem Schküttel - spezieller Schieber inneschkobben - eingeschoben werden. Der Schieber bestand aus einem Eschkenstill un eenem Blatt out Böökenholt - Eschenstiel und einer Fläche aus Buchenholz, die von den örtlichen Schreinern angefertigt wurden. Die Backzeit beträgt etwa zwei Stunden bei guter Hitze.

Zwischendurch mußten die halbgaaren - halbgaren Brote mit Wasser überpinselt werden, das ergibt dann eine schöne glänzende Brotkjoste - Brotkruste. Waren die Brote dann nach etwa zwei Stunden gudd - gut (fertig gebacken), wurden sie mit dem Schieber wieder aus dem Backofen heraus geholt.

Um die Hitze des Backofens möglichst gut auszunutzen, wurde nach dem Brot noch Gestkooken - Hefekuchen und zur Weihnachtszeit Plätzken - Plätzchen gebacken.

Die Restwärme wurde dann, je nach Jahreszeit, noch zum drüjgen - zum Trocknen von Appelschnitzen - Apfelschnitzen oder Zwätzgen - Zwetschgen genutzt. Das Dörrgut wurde auf Hurden - Lattenroste gestellt und dann auf dem Backofen getrocknet.
(Auch war es üblich den Flachs vor der Brääke - vor dem Brechen mit der Restwärme zu trocknen, damit sich die Schkibbe leichter löste.)

Gebacken wurde höchstens jede Woche einmal oder wenn das Brot länger reichte in noch größeren Abständen. Natürlich wurde das Brot auch so lange verwaart - aufbewahrt bis es alle aufgegessen war. Die Brote lagen dann so lange in äärenen Pötten - irdenen Töpfen, die mit einem Lijnendook - Leinentuch abgedecket waren.

Das nachstehende Bild zeigt das Backhaus in Usseln



Souerdeech - Sauerteig

Im Sauerteig findet laufend ein Gärprozeß statt. Dieser Prozeß erfordert für den Sauerteig in gewissen Abständen laufend „neue Nahrung, d.h. man muß den Sauerteig in gewissen Zeitabständen auffrischen oder vermehren. Ließe man den Sauerteig z.B. über das Wochenende stehen, so würde die im Teig vorhandene bzw. entstandene Milchsäure in Essigsäure "umschlagen" und somit unbrauchbar werden. Der Sauerteig muß also laufend aufgefrischt werden, damit er für das "Süjern" und somit als Treibmittel brauchbar bleibt.


Brotdeech maaken - Brotteig machen

An dem Abend vor dem Backtag mußte süjert - gesäuert werden. Dazu holte man vom Nachbarn oder später vom Bäcker Souerdeech - Sauerteig in einem Holtnapp - Holznapf. Das Roggenmjell - Roggenmehl war schon vorher in dem Süjertroch warm e stallt - Sauertrog warm gestellt. Dann wurde der Sauerteig in einer Ecke vom Trog in eine Mehlkule gelegt, etwas Wasser dazu gegeben und mit einem Teil des Mehls vermengt. Am nächsten Morgen wurde dann noch weiter Wasser und Salz zugegeben und mit dem restlichen Mehl vermengt und fest von Hand e knään - geknetet


Brode upmaaken - Brote formen

Dann wurde der Teig so geteilt, daß es jeweils für ein Brot genug war Diese Teigteile wurden dann wieder geknetet und zu Brotlaiben geformt. Uppmaaken - aufmachen nannte man das. In diese uppgemachten - fertig geformten Brotlaibe wurden dann noch drei Kreuze eingeschnitten, damit de Häxen ni dran gingen - die Hexen nicht daran gingen. Aberglaube spöökede - spukte zu der Zeit immer noch in vielen Köpfen herum. Später hat sich dann dieser Brauch zu einer Kennzeichnung der Brote von den einzelnen Familien entwickelt. So konnte man die fertig gebackenen Brote der jeweiligen Familie gut auseinander halten.

Als Bäckereien dann in Mode kamen, wurde das Formen der Brotlaibe und das eigentliche Backen dort erledigt. Die Hausfrauen machten den Teig und die Männer mußten ihn dann im Bakke- orre Süjertroch - Back- oder Sauertrog zum Bäcker schlippen - tragen.

Mit der Zeit übernahmen die Bäckereien das Brotbacken immer mehr in handwerklicher Produktion. Da war es wichtig, daß die Brote immer das gleiche Gewicht hatten. Deshalb mußte der Teig jeweils nach dem Afdeelen ne wiggen wäären - Abteilen gewogen werden. Erst dann konnten sie uppemacht wäären - aufgemacht werden. Damals waren nur Säß-Pünder - Sechs-Pfünder Brote üblich.

Diese Brotlaibe mußten dann noch in der warmen Bakkstjobbe - Backstube eine gewisse Zeit gôôn - gehen, d.h. der im Teig vermengte Sauerteig mußte seine Wirkung entfalten können. Es bilden sich die vielen kleinen Bläschen im Teig, die das Brot dann beim Backvorgang schön locker werden lassen. Zwischendurch mußten Die Brotlaibe immer von Zeit zu Zeit mit Wasser eingepinselt werden. Beim Backen wurden die Brote dann einmal kurzzeitig mit Wasserdampf behandelt; schwaamen - schwaden nannte man das. Wenn die gebackenen Brote dann aus dem Ofen herausgeholt wurden, mußten sie noch einmal mit Wasser eingepinselt werden, das ergab dann ein schöne glänzende Kjoste - Kruste.


Bäkkerigge - Bäckerei

Es hat sich doch wohl im Laufe der Zeit herausgestellt, daß das Inbööten düjerer ortet Bakken kümmet - das Einheizen teurer als das Backen kommt, wenn jeweils nur kleine Mengen an Brot in den einzelnen Familien gebacken wurde. Eine Bäckerei konnte das auch damals schon wesentlich rationeller machen. Als die meisten Familien auf dem Lande noch ihr Korn selbst anbauten und mahlen ließen, bekam die Bäckerei neben dem gelieferten Mehl nur noch den Bakkelaun - Backlohn. Um da eine gegenseitige Kontrolle zu haben, hatte jede Familie ein Brodbook - Brotbuch. Ging man zum Bäcker und holte ein Brot, so mußte man das Brotbuch dabei haben. Dort schrieb der Bäcker das Datum und das Gewicht des Brotes ein, das an dem jeweiligen Tag geholt wurde. Zusätzlich führte der Bäcker dann noch eine Tagesliste, in der alle ausgehändigten Brote an die Familien eingetragen wurden.

Ein- bis zweimal jährlich ging man dann mit dem Brotbuch zum Bäcker und rechnete aufgrund der Tageslisten und dem Brotbuch den Backelohn ab; dieser mußte dann in bar bezahlt werden. In manchen Familien war es üblich, daß der Bäcker mülterde. Dann wurde auch der Bakkelaun - Backlohn in Mehl umgerechnet.

Die moderneren, mit Festbrennstoffen befeuerten Backöfen hatten eine besondere Einrichtung für das Bedampfen der Brote. Bei den einfachen Dorfbackhäusern schüttete man einfach ein Littermôôt Waater - Litermaß Wasser auf die heißen Steine im Ofen und hatte damit die gleiche Wirkung.

Jeder Bäcker hatte sich im Laufe der Zeit für seine Brotherstellung ein ganz besonderes Rezept erarbeitet. Man nahm Mehl nur von bestimmten Mühlen, mischte dieses und gab auch noch einen kleinen Teil Weizenmehl hinzu, denn die Lüj Leuten wollten Brot was nicht so schrôô wor. In dem Ausdruck steckt das Wort Schrot. Damit ist vielleicht am besten erklärt was mit schrôô gemeint war.



Vom Korn zum Brot Teil 14 (Schluß)

Gesterbrot

Etliche Bäcker machten nur Gesterbrot. Bei dieser Brotsorte werden die Brotlaibe während dem "Gehen" kurzzeitig auf den hölternen Bakkebreddern - hölzernen Backbrettern in den heißen Ofen geschoben. Dazu wurden die Backbretter angefeuchtet, denn sie fingen in dem heißen Ofen sofort Feuer und verkohlten. Auch wenn die Bretter mit den Gesterbroten wieder aus dem Ofen gezogen wurden mußten sie wieder angefeuchtet werden. Brandstellen im Brett hatte es trotz Anfeuchten gegeben. Nachdem die Brote dann gegangen waren wurden sie zum eigentlichen Backen in den Ofen geschoben. Wenn sie dann fertig waren, hatten die Gesterbrote die typischen Brandstellen in der Kruste.


Schikffkooken

Reste von dem Brotteig, die nicht mehr ein volles Brot ergaben, wurden zu kleinen Fladen geformt und gebacken. Schkiffkooken nannte man diese besondere Art von Brot. Diese wurden dann noch warm gegessen. Später, als man noch zusätzlich ein paar Streußeln auf diese Schiffkooken gestreut wurden, hatte man etwas ganz besondere Leckerei. Heute wären es Teilchen, damals allerdings aus Brotteig hergestellt.


Ächterkooken

Ächterkooken war so ne Ôôrt Stouten - Weißbrot; er wurde aus dem Weete-Ächtermjell mit Gest - Weizen-Achtermehl mit Hefe nur in den Familien selbst gemacht. Die Form der Ächterkuchen war etwa wie unser heutiges Weißbrot, jedoch nur grauer weil mehr Kleienanteile im Mehl waren. Der Ächterkuchen soll sehr gut geschmeckt haben, man nahm ihn mit uppet Land und att ne middachs mit Schelee - auf das Feld und aß ihn mittags mit Gelee.


Mikken sind wohl flache Brote. Der Ausdruck ist im Arbeitskreis gefallen. Wer weiß etwas genaueres darüber??


Kommißbrot

Noch vor und im 2. Weltkrieg wurden auch kleinere Bäckereien verpflichtet Kommißbrot zu backen. Der Teig dafür wurde nach einem Einheitsrezept hergestellt. Die Brote selbst erhielten ihre Gestalt durch Holz-Kastefformen. Wenn der Teig der Brote nun in den Holtkästen ne gôôn woor - Holzkasten gegangen war, wurden sie dicht an dicht in den Ofen geschoben. Damit sie nicht zu einem großen Brot zusammen backen konnten, wurde als Trennmittel Bollmehl = Holzschliff von Buchenholz verwandt.


Appelbrot - Apfelbrot

Früher war es im Herbst oft üblich einen entkernten Apfel in einem Rest Brotteig einzubacken. Das war eine besondere Delikatesse und wurde besonders von Kindern gern gegessen.


Outwass-Brot Auswuschs-Brot

Wenn in feuchten Jahren das Korn in den Roggenhaufen ausgewachsen war, konnte der Bäcker sich die größte Mühe geben, mit Auswuchs-Mehl konnte man kein gutes Brot backen. Durch den Keimprozeß der Körner im Roggenhaufen war kein Kleber mehr im Mehl, Der Sauerteig als Treibmittel wirkte nicht mehr und das Brot lief beim Backen auseinander und war affebakken - abgebacken. Damit wurde ein Brot beschrieben, das unten noch eine dicke, nicht gegangene Teigschicht und darüber einen größeren Hohlraum bis zur Kruste hatte. Dôô is de Bäkker dürekroppen - da ist der Bäcker durchgekrochen, sagten wir dann als Kinder. Schkliff hieß diese untere noch teigartige Schicht. Wenn man dann ein Brot holte, brauchte man es nur leicht einzudrücken und merkte dann sofort, ob dat Brot affebakken woor - abgebacken war.

Man versuchte dann Mehl zu mischen, aber man mußte das nehmen was in dem Jahr gewachsen war. Die heutigen Möglichkeiten, über größere Entfernungen ein anderes Mehl herbeizuschaffen, waren einfach nicht gegeben. Wenn es ganz schlimm kam, wurden von dem Auswuschs-Mehl nur Kastenbroode - Kastenbrote gebacken. In der Kastenform blieb der Teig zusammen und konnte nicht auseinander fließen.



Die Geschichte vam Schküttelplätt im Brot

Eine Geschichte, die sich im Krug zugetragen hat, wurde mir von Karl Sinemus erzählt. Dieser hat sie von seinem Vater gehört und da ist folgendes passiert.

Im heutigen Gasthaus „Zum Krug war neben der Gastwirtschaft im 19. Jahrhundert ein Backofen. Zu der Zeit lebten unter anderem 3 Brüder im Krug, die alle das Bäckerhandwerk erlernt hatten. Diese drei Brüder wollten Brot backen und wie üblich mußte am Abend vorher süjert werden. Nun war in dem unteren Brett vom Süjertroch - Sauertrog ein Astloch und durch dieses Loch war das Wasser vom Süjern weggelaufen. Was war zu tun? Kurzer Hand wurde ein Schküttelplätt - Schüsseltuch zusammen gedreht und in das Astloch gesteckt. Das Brot mußte ja schließlich am nächsten Morgen gebacken werden.

Nun muß es wohl im Krug an dem Abend lustig zugegangen sein, oder ob man das weggelaufene Süjerwaater zum Anlaß genommen hat, einen und auch mehrere zu trinken. Jedenfalls müssen die Drei nicht mehr "ganz allein gewesen sein". Zu vorgerückter Stunde in der Frühe konnte man den angesetzten Sauerteig nicht verderben lassen. Also ging es ans Werk. Der Teig wurde geknetet und die Brote wurden uppemacht und zur richten Zeit auch ordnungsgemäß gebacken. Nur, als nach ein zwei Tagen die Mutter ein Brot anschneiden wollte, sagte sie: dunderwjeder dat Brot lätt sik ge jöbberhaupt nie schnijn - donnerwetter das Brot läßt sich ja überhaupt nicht scheiden. Als man dann der Sache auf den Grund ging, stellte man fest, daß das Schküttelplätt - Schüsseltuch, mit dem man das Astloch abgedichtet hatte, mit in einem Brot eingebacken war.

Wenn man sich das vorstellt - ein nicht so appetitlicher Gedanke. Ob es nun Schkenge - Schimpfe gab oder ob man gelacht und noch einen darauf getrunken hat ist nicht überliefert.



Schlußbemerkung

Bakken un bruggen gerött ni jümmer - backen und brauen gerät nicht immer; und
Bôô n Bruggehous stäjt, brouket kinn Bakkhous stôôn - wo ein Brauhaus steht, braucht kein Backhaus zu stehen,

sind Redensarten, die oft mehr oder weniger scherzhaft zitiert werden. Aber wenn man sich einmal überlegt, wieviel Arbeit in so einem Stück Brot steckt, tut es mir in der Seele weh, wenn man sieht, wie achtlos das Brot manchmal weggeworfen wird. Sei es, daß das Brot zu alt geworden ist oder man einfach übersättigt ist. Die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg, die mir noch gut in Erinnerung ist, war eine ganz arme Zeit. Hunger war für viele Familien an der Tagesordnung, man hatte nicht das nötigste zum Essen.

Hunger trieb auch viele Menschen aus den Städten auf das Land. Entweder zu Verwandten oder man kam als „Hamsterer. „De Hamsters sij ge so outgeschmachtet - die Hamsterer sind ja so ausgehungert hieß es dann auf Platt. Das waren Leute, die einfach nur Hunger hatten. Sie gingen auf die Bauernhöfe und tauschten ihre letzten Wertgegenstände gegen ein Stück Brot. Ich kann mich noch gut erinnern, wie dankbar diese Leute waren, wenn sie mal ein Stück Brot ümmesüß - umsonst bekamen. (umsonst war ohne Gegenwert) Heute bei uns einfach nicht mehr vorstellbar ?? !!

Wohl dem der auf dem Lande wohnte und ein Stück Garten oder ein Stück Land bewirtschaften konnte, damit sich die Familie zum Teil selbst versorgen konnte und nicht zu hungern brauchte. Auch wer dann nach der damaligen Währungsreform in 1948 ein Arbeitsstelle hatte, verdiente anfangs so wenig, daß er darauf angewiesen war, eine zusätzliche Verdienstmöglichkeit zu haben. Alle Familien, die auf dem Lande lebten, ob Arbeiter, Angestellter, Beamter oder selbständige Handwerker, betrieben neben ihrem Beruf noch eine kleine Landwirtschaft. Die Versorgung mit Nahrungsmitteln war zu der Zeit sehr teuer, denn über 50 % des Verdienstes mußte für de Fretterigge - die Fresserei, also für das Essen aufgewendet werden.

Hoffen wir alle, daß wir immer genügend Brot zu essen bekommen können und achten wir es gebührend, denn es ist auf dieser Erde nicht selbstverständlich, daß man sich satt essen kann.

Sind wir alle dankbar dafür ?? !!

Hier bekommen wir - Gott sei Dank - genügend Brot in sehr guter Qualität und vielfältigen Sorten, wie das nachstehende Bild zeigt.




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