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Der Maurer - de Mujeker (Teil 3)

Neben den Steinen benötigt man zum Mauern genügend Sand, um den Mörtel auf der Baustelle selbst herstellen zu können. (Fertigmörtel gab es noch nicht.) Deshalb ist nachstehend auch das Sandgewinnen beschrieben.

Wurden nur geringe Mengen Sand benötigt, so holte man sich oft Schwemmsand aus den unbefestigten Feldwegen. Es gab in Rhoden im Bereich des Buntsandsteines immer Stellen, wo sich nach einem größeren Regen oder nach einem Unwetter Sand anschwemmte, den man dann auch zum Mauern verwenden konnte. Diese Quelle war nicht so ergiebig, deshalb wurden immer Sandbrükke - Sandbrücke in der Nähe erschlossen. So nutze man den etwas weicheren Sandstein auf dem zweiten Hohen Stein. Als wir noch in der Lehre waren, und wenn nicht soviel zu tun war, schickte uns unser Meister Emil Gräbe in den Sandbruch um Sand zu gewinnen. Eine Sandmühle war zu der Zeit noch nicht installiert und unsere Arbeitskraft war billig. So soll hier auch kurz beschrieben werden, wie im wahrsten Sinne des Wortes, damals noch "steinzeitlich" Sand gewonnen wurde.

Eine Wand war im Bruch schon vorhanden. Wahrscheinlich hatten die Rhoder schon in früherer Zeit, jeder Bauherr nach Bedarf, Sand laus e macht - Sand los gemacht. Der anstehende Fels war relativ weich und eignete sich gut zur Sandgewinnung, er mußte nur kleen e macht - klein gemacht werden. Wie immer und in allen Brüchen muß die oberste Schicht Afroum - Abraum - weggeräumt werden. Also wurde etwa in 2 m Breite auf Länge der Felswand der obere Boden mit Wurzeln bis auf den Felsen zur Sije schüppet - zur Seite geschaufelt. Sodann mußten Sprenglöcher etwa 1,50 m von der Felskante van Hand - von Hand - in den Fels e böört - gebohrt werden. Dazu benutze man einen Handböörel - Handbohrer. Dieser bestand aus einer ca. 3,50 m langen Eisen-/Stahlstange von ca. 30 mm Durchmesser. An deren beiden Enden war eine Schnije an e schmiddet - Schneide angeschmiedet. Die Schneide war halbrund und hatte ein en Durchmesser von ca. 50 mm. Sie wurde in den örtlichen Schmitten - Schmieden - outetjoggen un e härtet - ausgezogen und gehärtet.

Das eigentliche Bohren ging folgendermaßen: Zu zweit hob man die Eisenstange mit den Bohrschneiden an und ließ sie fallen, und das immer wieder und wieder. Der Bohrer mußte zu Beginn natürlich immer auf eine Stelle fallen. Später ergab das Bohrloch selbst die Führung. Nach jedem Fall mußte der Bohrer ein wenig gedreht werden, sonst fratt he sik dunne - fraß er sich fest.

Das anfallende Bohrmaterial mußte man aus dem Loch rout langen - heraus holen. Dazu wurde ein wjännich Waater - wenig Wasser in das Bohrloch geschüttet. Die Fallschläge des Bohrers lösten immer ein bißchen Sand, Das Gemisch aus Sand und Wasser wurde mit der Zeit immer dicker bis es zuletzt boutterde un stijbe Mudde - butterte und steife Masse = Bohrschlämme - war. Diese wurde nun mit einem Lippel - Löffel aus dem Bohrloch herausgezogen. Der Löffel war eine ca. 3,50 m lange, Eisenstange von ca. 10 mm Durchmesser. An deren einem Ende war ein kleiner Löffel von ca. 25 mm Durchmesser angeschmiedet, der rechwinklig zur Stange einseitig abstand. Mit diesem beschriebenen Löffel fuhr man nun in das Bohrloch, drückte ihn in die steife Masse, drehte ihn, und hob so die Bohrschlämme aus dem Bohrloch heraus. War das Loch nun vollständig gesäubert, schüttete man wieder etwas Wasser hin ein und das Bohren ging, wie oben beschrieben, weiter, bis sich wieder steife Bohrschlämme gebildet hatten. Dieser Vorgang wurde so lange wiederholt, bis man 2,50 bis 3,00 m tiefe Bohrlöcher in den Fels getrieben hatte. War ein Loch fertig gebohrt, so mußten noch 2, 3 und 4 weitete Löcher gleicher Tiefe gebohrt werden. Das Bohren dauerte oft eine ganze Woche lang - immer dasselbe stupide Arbeiten. Da kann man sich vorstellen, daß die Arme lahm wurden. Waren diese Bohrlöcher n un fertig, konnte gesprengt werden. Hätte man die Sprenglöc

Hatte man nun eine größere Menge losgesprengten Sandstein unten vor der Wand liegen, ging es daran, die noch vorhandenen Sandsteine mit dem dicken Hammer kaputtzuschlagen und den Sand dann dür te schmijtene - durchzuwerfen. Es wurde eine Stelle einigermaßen freigekratzt und damit von Wurzeln, kleinen Steinen und dergl. gereinigt. Dann stellte man das Sandsiff - Sandsieb auf. Das Sandsieb war ein Rahmen aus Holz oder Metall, in de n ein Sieb geeigneter Maschenweite gespannt war. Unten am Boden war der Rahmen breiter, damit die Knoppen - (kleine Sandsteine bis ca. 50 mm Durchmesser), von dem Sand, der hinter dem Sieb lag, getrennt waren.

Mit der Schküppe - Schaufel wurde dann der zerkleinerte Sandstein an dem Sieb - möglichst gut verteilt - hinaufgeworfen. Sand fiel durch das Sieb, die Knoppen - Sandsteinchen rollten auf dem Sieb hinunter und sammelten sich so davor. Mit der Schküppe - Schaufel schlug man die dann nochmals klein und warf sie wieder an dem Sieb hoch. Wenn man eine ausreichende Menge Sand düreschmitten - durchgeworfen hatte, mußte man das Sieb vorstellen oder den Sand hinter dem Sieb terügge schküppen - zurückschaufeln. Das war erforderlich, damit Platz für den nigge dürteschmijtenen - neu durchzuwerfenden Sand geschaffen wurde.

War dann mal eine größerer Vorrat vorhanden, so kam dann auch ab und zu ein LKW und wollte Sand holen. Zwar waren die LKWs damals nicht so groß wie heute, aber ca. 3 bis 3,5 cbm wurden auch geladen. Radlader oder Laderaupen gab es damals noch nicht, also mußten diese Mengen auch immer wieder von Hand aufgeladen werden. Der Sand ließ sich zwar gut schküppen - schaufeln, aber die Ladefläche war auch damals schon ve rdammt hauch - hoch. Zu Beginn des Ladevorgangs klappte man die Bordwänge raffe - Bordwände runter, dafür mußte man den Sand aber soweit wie möglich auf die andere Seite vom LKW werfen. Zum Schluß, wenn die Bordwände hochgeklappt waren, mußte man den Sand noch höher werfen.

Weil der Stundenlohn eines LKWs auch damals schon int Gäld - ins Geld ging, war es üblich, daß die LKW-Fahrer de Schküppe in de Hand nammen un mit uplaaden hulpen - die Schaufel in die Hand nahmen und aufladen halfen. War dann endlich so ein kleiner LKW vollgeladen, waren alle naß geschwitzt. Arbeitsmethoden, die heute undenkbar sind.

Der Maurer - de Müjerker (Teil 5)

Nachstehend ein weiterer Beitrag im Zusammenhang mit der Arbeit des Maurers.

Winkel schloon - Winkel schlagen:

Bevor man mit dem Outhäben - Ausheben der Baugrube beginnen konnte, moßte de Winkel e schlagen wäären - mußte der Winkel geschlagen werden. Die Mauer hatten damals keine weiteren Meßgeräte wie z. B. Nivelliergerät mit Teilkreis, Theodolit oder gar ein Reduktionstachymeter; sie waren auf einfachere Hilfsmittel wie Tollstokk - Zollstock, Bandmoot - Bandmaß, fijv-Meter-Mjettlatte - fünf-Meter-Meß ;latte und Schloukwooge angewissen - Schlauchwaage angewiesen.

Der Lehrmeister war in der Regel selbst mit dabei, wenn de Bau affestjekken - abgesteckt wurde.

Die Bauflucht zu bestimmen, war noch ganz einfach. Dat fürgegitte Moot - das vorgegebene Maß wurde von der Strootengrenze affesatt- Straßengrenze abgesetzt, d. h. eine Parallele zur Straßengrenze abgesteckt. War das Baugelände relativ eben und waren nur Fundamente ohne Keller zu erstellen, so konnte ggf. sofort das Schnoorgerüst e schlagen wäären - Schnurgerüst geschlagen werden. War das Gelände st& auml;rker geneigt und war ein Keller geplant, so wurde die Baugrube nur grob - mit der Zugabe eines ausreichenden Arbeitsraumes - abgesteckt. Die älteren Maurer wußten meist nichts von dem Lehrsatz des Pythagoras, aber sie wußten, daß 3 und 4 Meter auf der jeweiligen Kathete gemessen, einen rechten Winkel ergab, wenn in der Hypotenuse das Maß genau 5 Meter ergab. Nach dieser Methode wurde dann zuerst an einer Seite ein rechter Winkel zur Bauflucht angelegt. Sodann mußte de Housbredde - die Hausbreite gemessen und abbestjekken wäären - abgesteckt werden. Hatte man nun die Länge des Hauses hinten auch noch genau gemessen, so sollte der Bau eigentlich im Winkel sein. Umme dat to kontrolleerene wooren sickkerhäjtshallber nau mo jöbber Ekks no e mjetten. Um das zu kontrollieren, wurden sicherheitshalber noch die Diagonalen nachgemessen. Wenn genau gemessen worden war, mußte die Länge der Diagonalen gleich sein, wänn me sikker sijn woll, da t de Bau im Winkel woor - wenn man sicher sein wollte, daß alle Ecken im rechte

Baugrube ausheben:

Für die Erledigung der Erdarbeiten gab früher keine Radlader, Planier- oder Laderaupen, Bagger oder sonstige motorgetriebene Arbeitsmaschinen. Üblich war überall die erforderlichen Erdbewegungen in Handarbeit zu erledigen. Während meiner Lehrzeit von 1953 bis 1956 mußten wir als Lehrlinge noch etliche Baugruben in wochenlanger Knochenarbeit vollständig ausheben. Dazu wurden nur wir Lehrlinge als billige Arbeitskr&au ml;fte eingesetzt.

Unsere Arbeitsgeräte waren:

Schküppe - Schaufel

Spaaten - Spaten

Krüjtzhakke - Kreuzhacke

Platthakke - Rodehacke

Schkoubekoore - Schiebekarre

Strikkere - Stricke

Gerüstbreddere - Gerüstbretter

Wie wurde gearbeitet?

Zuerst wurde de Motterbjodden abbestjekken - Mutterboden abgestochen in die Schiebekarre geladen und auf einen besonderen Haufen gefahren. Zuerst ging das noch relativ einfach, denn der Mutterboden ließ sich mit dem Spaten leicht lösen und aufladen. Je nach Hängigkeit des Geländes waren die Transportwege anfangs noch einigermaßen eben. War der Mutterboden abgetragen, so war das Lösen des Bodens schon nicht mehr so einfa ch. Den Spaten konnte man meistens schon nicht mehr benutzen, die schwere Rodehacke war dann das geeignete Werkzeug um den Boden los zu machen, damit man ihn aufladen konnte. Kam man in tiefere Bodenschichten, so stand oft auch sehr fester toniger Mergelboden an, der dann nur noch mit der Kreuzhacke zu lösen war. Wurde leichter oder gar schwerer Fels angetroffen, hatte man in früherer Zeit nur die Möglichkeit mit der Bikke - Pickel in sehr mühevoller Arbeit das feste Gestein abzutragen. Nur bedingt hatte man die Möglichkeit, durch Sprengungen den Fels zu lockern, denn meistens waren die Baugruben innerhalb von bebauten Ortslagen. Da wäre dann de Schaan grötter ols de Profit - der Schaden größer als der Profit gewesen. (Bei der Sandgewinnung wurden die Sprengarbeiten bereits beschrieben) Wenn man in älteren Häusern in den Keller kommt sieht man oft, daß die Wände nicht gemauert sind, sondern daß blanker Fels sichtbar ist. Das eigentliche Keller-Mauerwerk aus Bruchsteinen setzt dann erst

Nun wieder zurück zu den eigentlichen Ausschachtungsarbeiten: Mit der Zeit mußte für den Transport immer mehr an Höhe überwunden werden, um den Boden aus der Baugrube heraus zu schaffen. Die Grube wurde immer tiefer und die Erdhaufen um die Baugrube herum immer höher. Es gab nur die Schiebekarre als Hilfsmittel. Anfangs waren es nur die hölzernen Karren mit einem eisenbereiften Holzrad, die sich sehr schwer balancie ren und schieben ließen. Die neuere Form der Schiebekarren aus Stahl und Blech, mit dem tiefer liegendem Gewichts-Schwerpunkt und der Luftbereifung, waren eine wesentliche Erleichterung. Damit man einigermaßen leicht fahren konnte, wurden Gerüstbretter als Fahrwege gelegt, auf denen dann das Schiebekarrenrad entlang geschoben wurde. Auch reichte die Kraft von einem Menschen nicht aus um mit einer beladenen Schiebekarre solche Höhen zu überwinden. Dann wurde ein Strick vorn an der Karre befestigt und an das freie Ende des Strickes ein passendes Querholz gebunden.

Mit dieser Zugvorrichtung für den zweiten Mann, ging man dann den ganzen Tag im Eenspänner- Einspänner. Damit man nicht immer ein und dieselbe Arbeit machen mußte, wechselte man sich mit den Kumpels ab. Die Häuser, die damals gebaut wurden, waren im Grundriß zwar nicht ganz so groß, wie die heute üblichen Neubauten. Aber weil in der Regel kein Boden weggefahren wurde, waren es zum Schluß ganz ansehnlich e Berge an aufgeschütteten Boden auf der Baustelle.

War man dann endlich, nach Monaten langer und schwerer Arbeit soweit, daß die erforderliche Aushubtiefe erreicht war, so mußte das Schnoorgerüst e schlagen wäären - Schnurgerüst in der Baugrube geschlagen werden. Um für den Bau eine Maßebene in der Horizontalen zu bekommen, wurde mit der Schloukwoage - Schlauchwaage eene Högge an jeden Ekkpool vam Schnoorgerüst eine Höhe an jeden Eckpfahl vom Schnurgerüst gemacht. Die Bretter vom Schnurgerüst wurden dann mit Hilfe der Waaterwooge - Wasserwaage ebenfalls waagrecht angenagelt.

Sodann mußte der Bau, wie oben bereits beschrieben, wieder genau "abgewinkelt" werden. Waren nun die Schnüre auf den Außenkanten der Umfassungswände in der richtigen Lage arretiert, so wurden sie nochmals um den Fundament-Überstand nach außen verschoben. Damit hatte man nun die Voraussetzungen um die Fundamentgräben ausheben zu können. Die Lage der inneren Fundamente für die dräägenden Wän ge - tragenden Wände wurden auf die gleiche Weise markiert.Je nach dem, welche Bodenart anstand, wurden die Fundamentgräben unterschiedlich tief ausgehoben. War die Höhe des Kellerfußbodens zum Beispiel an der Talseite eines hängigen Grundstücks mit dem Außengelände auf einer Höhe, so mußte das Fundament hier mindestens frostfrei gegründet werden. Frostfrei gründen bedeutete mindestens 80 cm tiefe Fundamentgräben. Ganz früher waren die Abwässer aus den Häusern kein Thema bei der Baugrube, denn man ließ das Küchenwasser einfach in die Gjotte - Gosse laufen. Später, zu meiner Zeit wurden die Grundleitungen bereits mit in der Baugrube verlegt. Das bedeutete wieder zusätzliche Handarbeit um die erforderlichen Gräben mit dem entsprechenden Gefälle auszuheben. Man verwendete damals ausschließlich glasierte Tonrohre. Vorgefertigte Dichtungen gab es damals noch nicht. Die Muffen wurden mehr schlecht als recht mit Teerstricken und Muffenkitt oder einfach mit Mörtel eingedichtet.

Wer möchte heute noch so, wie vor beschrieben arbeiten??

Der Maurer - de Müjerker (Teil 8)

Fortsetzung zur Maurerarbeit mit Bruchsteinen

Sandsteine sind von der Entstehung ein Sedimentgestein = Absetzgestein. Die Substanz, also der Sand des Gesteins ist somit schichtweise in den Jahrmillionen unseres Erdzeitalters angeschwemmt und hat sich dann wieder über sehr lange Zeiträume unter hohem Druck verfestigt.

Weil die Bruchsteine nur senkrecht zu ihrer natürlichen Lage die hohen Druckbelastungen dauerhaft übernehmen und ableiten können, sollen sie grundsätzlich so im Mauerwerk versetzt werden, wie sie "gewachsen" sind. D. h. der Maurer muß an der Schichtung erkennen wie die Steine in ihrer ursprünglichen Lage gelegen haben. Bei manchen Steinen sieht man das sehr deutlich, weil die Schichtung durch unterschiedliche Einfär bungen markiert ist; bei anderen ist eine Schichtung kaum zu erkennen, weil keine Farbunterschiede sichtbar sind. Werden die Steine nicht entsprechend dieser (natürlichen) Lage im Mauerwerk versetzt, so können sie unter hohem Druck platzen. Ein weiteres Manko ist, daß die Steine dann auch im Mauerwerk schneller verwittern. Wenn sie z. B. mit der natürlichen Schichtung parallel zu Ansichtsfläche eingebaut sind, werden die Schichten durch Feuchtigkeits- und Frosteinwirkung nach au&sz lig;en abgesprengt. (Man sollte mal darauf achten, wie bei einem mit Bruchsteinen gemauerten Bogen die Schichtung der Bogensteine verläuft)

Zur eigentlichen Maurerarbeit mit Bruchsteinen:

Die Haus- Tür und Fensterecken wurden in der Senkrechten bei Bruchsteinmauerwerk in der Regel nur nach dem Laut- Lot = Schnurlot ausgerichtet. Die Längsausrichtung des Mauerwerks ergab sich durch eine Längsschnur von Ecke zu Ecke. Es durtte z. B. nicht passieren, daß ein Stein im Schnoor satt - im Schnur saß und durch diesen nach außen gedrückt wurde. De Schnoor moßte jümmer Schwanunge habben - die Schn ur mußte immer (auf der ganzen Länge der Mauer) frei sein. Wurde an einer Stelle durch einen neugesetzten Stein die Schnur nach außen gedrückt, so hadde me ganz fix ne Ballich in djer Müjere - hatte man ganz schnell einen Bauch in der Mauer.

Die Steine mußten satt in Speis sitten - vollflächig im Mörtelbett sitzen un de Stautfoogen moßten auk vulleschmitten wären - vollgeworfen werden.

Eine Bezugs-Meßebene in der Woogerächten - Waagerechten machte man sich mit der Schloukwooge - Schlauchwage.

Auch war es zu der damaligen Zeit üblich, daß zwei Schichten Teerpappe (eigentlich Bitumenpappe) eingebaut wurden. Die erste Schicht wurde dicht über dem Kellerfußboden und die zweite Schicht wurde meistens in Höhe der Kellerfenster-Stürze eingebaut. Das bedeutete, daß die Schichthöhen der Bruchsteine jeweils unterhalb dieser Sperrschicht so angepaßt sein mußten, datt me outglijken konnte - da&szl ig; man ausgleichen konnte. Das Ausleichen war erforderlich, damit die Teerpappe in einer Ebene über alle Außen- und Innenwände durchgehend verlegt werden konnte. Das ist bei den Bruchsteinen gar nicht so einfach, denn die Steine mußten selbst in der erforderlichen bzw. möglichen Höhe ausgesucht, evtl. geteilt und passend bearbeitet werden.

Mußten Steine in Richtung der Schichtung geteilt werden, so nannte man das kleiben - spalten. Gezielte Schläge mit dem Brükksteeenhaamer- Beruchsteinhammer konnten einen größeren Stein spalten.

Mußten aber größere Steine senkrecht zur Schichtung geteilt werden, so mußte man sie steiten - stoßen. Wie das ging, ist in allen Einzelheiten unter dem Teil "Steine brechen" bereits beschrieben worden.

Bauhelfer:

Bei den gesamten Bauarbeiten mußten immer genügend Handelänger- Handelanger auf der Baustelle sein. Auch war es immer selbstverständlich, daß der Bauherr mit der gesamten Familie mitgeholfen hat. Wenn der Bauherr selbst Zugtiere hatte so mußten Bruchsteine und Sand heran gefahren werden. War Material genug auf der Baustelle, so machte der Bauherr Mörtel an, fuhr oder trug ihn in die Speisfäätere - Mö ;rtelfässer, schaffte Steine an Ort und Stelle bzw. auf das Gerüst. Was das für eine Knochenarbeit war, kann man sich unter den heutigen Bedingungen mit den modernen Hilfsmitteln am Bau nicht mehr vorstellen. Die damaligen Hilfsmittel, wie Keile, Hebel, Rollen, schiefe Ebenen und Winden mußten sämtlich mit Muskelkraft bewegt werden, um so nen Bunken - einen großen Stein von der Stelle zu bewegen.

Auch der Mörteltransport ging nur mit Muskelkraft. In der Horizontalen bei relativ geringen Höhenunterschieden mit der Schkoubekoore - Schiebekarre. Da konnte man den Speis - Mörtel ggf. mit der Schküppe - Schaufel in die Fäätere schloon - Fässer schlagen. Ging es aber up datt eeste Stokkwjerk- auf das erste Stockwerk, mußten die Handelanger und sehr oft auch wir Lehrlinge, den Mörtel mit dem Vuggel - Voge l = Mörteltaggefäß hauch schlippen - hoch schleppen. Den Vogel setzte man auf den Vuggelbokk, schküppede djen Speis mit djem richtigen Schwunge doorin - Vogelbock schaufelte den Mörtel mit dem richtigen Schwung darein. Dann namme djen Vuggel up n Ast- nahm man den Vogel auf den Ast (mit Ast war die Schulter gemeint) und ab ging es de Leddere rupp - die Leiter rauf. Anfangs habe ich mich immer gewundert, warum die Sprossen bei den Müjerkerleddern - Maurerleitern so engge - eng angenagelt waren. Als ich dann ein paar mal den Speisvogel hoch getragen hatte, wußte ich den Grund. Man kann mit dem Gewicht von 100 bis 150 Pund - Pfund (entspricht 50 bis 75 kg) eine Leiter mit normalem Sprossenabstand nicht hochkommen, da reicht die Kraft der Beinmuskeln nicht.

Anfangs waren die Speisvögel nur aus Stahlblech. Vielleicht kann man sich vorstellen wie das auf der Dräägeschullere - Trageschulter bei dem Gewicht gedrückt und wehgetan hat. Etwas später kamen dann die ersten Speisvögel aus Kunststoff auf; weil sie sich unter dem Gewicht etwas verformten, verursachten sie nicht ganz so große Schmerzen. Die Last war aber immer noch zu schleppen.

Bei jungen Menschen, (wie wir damals mit 14 Jahren in die Lehre kamen) blieb das natürlich nicht ohne Folgen, den bei mir hat sich unter dieser einseitigen Belastung das Knochengerüst etwas verformt. Hängeschulter und ungleich lange Arme sind die Überbleibsel aus meiner Zeit als Maurer. Gott sei Dank habe ich bisher keine weiteren Beschwerden gehabt, die aus der außergewöhnlichen Belastung in jungen Jahren herrühren könnten.

Wir als Lehrlinge mußten immer Speis anmachen und mithelfen, daß morgens zuerst einmal die Mörtelfässer gefüllt wurden. War das geschehen, so durtten wir uns auch mal mit in die Rijge - Reihe stellen um mal ein paar Steine zu setzen. Zu bedauern waren aber die Handelänger Handelanger (heute würde man Bauhelfer sagen), denn die bekamen immer Druck von den Maurern. So wurde jümmer e bölket "Speis" - immer g erufen "Mörtel".

Je nach dem wieviel Maurer auf der Baustelle waren und ob der Bauherr selbst mit geholfen hat, konnten die Bauhelfer es nicht schaffen, alle rechtzeitig mit Speis un Steenen - Mörtel und Steinen zu versorgen. Wir, die Lehrlinge waren die jüngsten auf der Baustelle und mußten dann immer inspringen - einspringen = den Handelangern helfen.

Zum Schluß des Teils "Bruchsteinarbeiten" möchte ich auf ein paar Gebäude hinweisen, die in der damaligen Zeit entstanden sind. Die einmalige Schönheit von handwerklich gut ausgeführten Bruchstein-Mauerwerk repräsentieren für meine Begriffe folgende Gebäude besonders eindrucksvoll:

- Das Kellergeschoß vom Rhoder Gemeinschaftshaus mit dem bossierten Schichtenmauerwerk. Eine solche Ansicht mit den leichten Farbabstufungen des natürlichen Materials und den unregelmäßigen Schichten ist wohltuend für das Auge. Alle Bruchstein-lmitate die zur Zeit angeboten und auch verarbeitet werden sehen dagegen trist aus.

- Bereich des Eingangs und der Kellerfenster vom Rhoder Grünewaldheim, Hier war es damals die Aufgabe das neue Mauerwerk dem alten, vorhandenen Mauerwerk möglichst gut anzupassen. Die Herstellung der Steine wurde in Auftrag gegeben; sie wurden damals von dem Steinmetzbetrieb Wölbring, Wrexen vorgefertigt. Wir, von der ehemaligen Firma Gräbe, haben die Steine dann nac h Zeichnung eingebaut.

- Ein weiteres, besonders schönes Beispiel ist das Sockelmauerwerk vom damaligen Neubau der Familie Jäkel in Wrexen an der Ecke Steinberg/Steinweg. Die geschnittenen und in der Ansicht teils bossierten und teils scharrierten Steine wurden von der Firma des Bauherrn fertig bearbeitet ghliefert. Ebenso die im Erdgeschoß eingebauten Fenster- und Türgewände sowie d ie Steine der Eck-Lisenen. Die Firma Jäkel betreibt bis heute noch einen Steinbruch und beschäftigt Steinmetze. Nicht nur das Kellermauerwerk, sondern der ganze Bau ist heute noch etwas besonderes und sollte damals sicherlich auch als Musterbau für weitere Bauherrn dienen.

Andere Beispiele gibt es noch sicherlich noch genügend. Man muß sie sich nur bewußt ansehen, um zu erkennen wie schön doch eigentlich eine Bruchsteinmauer ist. Auch wenn nach unseren heutigen Maßstäben mal nicht so akkurat und sauber gearbeitet wurde, haben solche alten Maueren und Gebäude etwas, was ein neueres Gebäude mit modernen Baustoffen errichtet, nicht hat und nie haben wird. Seien es nun einfache, gr ün bemooste Stützmauern oder auch größere historische Bauwerke wie unsere Kirchen und Schlösser.

Weil ich selbst nur ein ganz klein wenig mit Bruchsteinen gearbeitet habe, bestaune ich solche Bauten immer mit großer Bewunderung und einer Hochachtung vor den ehemaligen Baumeistern mit den vielen namenlosen Arbeitern, die solche Bauwerke mit den damaligen einfachen Hilfsmitteln errichtet haben.

Der Maurer - de Müjerker (Teil 9)

Nachstehend eine weitere Folge von der Maurerarbeit!

Kellerdecke herstellen:

War nun mit viel Mühe de Keller rout - der Keller raus = (das Kellermauerwerk fertig) so mußte eine Decke hergestellt werden. Der äußere Ring war mit Bruchsteinen, oft auch mit Bakksteenen - Ziegeisteinen um Dekkenstärke - Deckendicke höher gemauert. Die restliche Wandbreite diente dann als Auflage für die Schkinnen - Schienen = I - Profil-Eisenträger. Diese wurden dann im erforderlichen und gleichm&au ml;ßigen Abstand und möglichst genau, up glijke Högge - auf gleiche Höhe verlegt. War das geschehen, so begann man die Kappen inteschaalene - einzuschalen. Dazu hatte der Bauunternehmer in sich verschiebbare Bögen aus Stahl, die man auseinander ziehen konnte und so auf den Trägerabstand einzustellen waren. Diese Bögen hatten dann noch zusätzlich auf jeder Seite Winkelklauen, die dann am unteren Steg der Träger eingehakt und dunne kijlt - fest gekeilt = mit Keil en arretiert wurden.

Dann legte man Schalbretter, (oft aber auch Schwarten) mit etwas Abstand auf diese Bögen und hatte damit das Lehr- oder Schalgerüst für die Kappen hergestellt. Für die Ausmauerung der Kappengewölbe wurden meist Schwemmsteine verwendet. Bei etwas besserer Bauweise nahm man auch Ziegelsteine. Mit besondere guten Zementspeis - Zementmörtel ging es dann daran die eingeschalten Felder zwischen den Trägern auszumauern. W&o uml;lben nannte man das. Die Steine der ersten Schicht entlang der Träger mußten so zurecht gehauen werden, daß die nächste Schicht in der Wölbung sauber anschlouten - anschließen konnte. Man arbeitete von beiden Seiten auf die Mitte des Feldes zu. Beim Wölben mußte man den Steinen eensijoch un für Kopps Speis angibben - einseitig und vor Kopf Mörtel angeben und sie dann mit dem Hammer in die richtige Lage kloppen - klopfen. Bij djenn Schlußsteenen gaf me up bäjden Halben und für Kopps Speis an - bei den Schlußsteinen gab man auf beiden Seiten und vor Kopf Mörtel an. Schlußsteine mußten stramm innepasset wären - eingepaßt werden, denn sie gaben der gesamten "Kappe" den Halt. (Ohne Schlußstein hält kein gemauerter Bogen und somit auch keine Kappe) Waren so ein paar Felder fertig gewölbt, so ging man bei und schalte sofort aus, obwohl der Mörtel noch nicht abgebunden hatte. Der Stikk - St ich des Bogens machts möglich. (der "Stikk" war die Überhöhung in der Mitte des Bogenfeldes) Wichtig war nur,

Diese sogenannte Kappendecke hatte natürlich auch nicht so eine aussteifende Wirkung wie die heutigen Betondecken, aber man hatte auch eine für Wohnungen ausreichend belastbare, massive Decke im Haus.

Anmerkung: Diese Bauart war aber auch verhältnismäßig teuer, weil mit den Stahlträgern relativ viel Stahl pro Quadratmeter Decke verbraucht wurde. Man mußte den Stahlträgern die gesamten Zug- und Druckkräfte innerhalb der "Tragkonstruktion Decke" zuweisen. Außerdem war der Stahl dieser Träger nicht ausreichend gegen Rost (Korrosion) geschützt. Als man aber die Möglichkeit hatte, Beton vo n ausreichender Druckfestigkeit und gleichmäßig guter Qualität herzustellen, konnte man den Stahl sparsamer in dem Verbundwerkstoff "Stahlbeton" einsetzen. Begrippe - Begriffe: Zuerst sprach man in dem Zusammenhang nur von Eisen; (relativ weiches Material mit geringer Zugfestigkeit). Später mit der Herstellung von hoch zugfesten und gerippten Rundeisen war es dann Baustahl. Auch nannte man später die vorgefertigten, d. h. zusammengeschweißen Gewebematten, "Baustahlgewebe"

Die ersten Bauteile aus Stahlbeton:

Der Beginn dieser Entwicklung geht auf den französischen Gärtner Monier, der die "Eisenbeton-Bauweise" erfunden hat und 1906 in Paris gestorben ist, zurück. Die Bauweise wurde aber erst nach dem 2. Weltkrieg bij us uppen Lande jümmer öfter annewand - bei uns auf dem Lande immer öfter angewendet. Wij dat anfing - wie das anfing wollte ich doch kurt upschrijben - kurz aufschreiben: Stool un Beton kamme gutt bijneen verbugge n - Stahl und Beton kann gut man zusammen verbauen.

Borümme dat gäjt is mit eenfachen Wooren gesjächt - Warum das geht ist mit einfachen Worten gesagt:

- Weil der Beton sehr gut den Stahl gegen Korrosion (Rost) schützt und

- weil Stahl und Beton nahezu den gleichen Wärmeausdehnungs-Koeffizienten haben. Wären diese beiden Voraussetzungen nicht gegeben, könnte man keinen Stahlbeton herstellen, der auf Dauer seine Tragfähigkeit behält.

- Außerdem kann man auf Grund von statischen Berechnungen die inneren Spannungen in auf Biegung beanspruchten Bauteilen sehr genau ermitteln. So kann man dem Stahl in der Decke ganz gezielt die Zugkräfte und dem Beton die Druckkräfte zuweisen. Im Gegensatz zur Trägerdecke entfällt der Stahlanteil, der Druckspannungen aufnimmt, in einer Betondecke. So kamme ne M enge Stool spaaren - so kann man eine Menge Stahl sparen, denn man braucht nur etwa ein viertel Stahl an Gewicht pro Flächeneinheit bei einer Betondecke.

Ijsen beigen - Eisen biegen:

Doomols gabbet bloos gladdet Rundijsen - damals gab es nur glattes Rundeisen, Monierijsen sjächte me dotoo - Moniereisen sagte man dazu. (in Anlehnung an den oben erwähnten Franzosen Monier) Damit die Eisen sich auch richtig dunne - fest im Beton verankern konnten, mußte an jedem Ende einer Stange ein Haken annebocht wäären - angebogen werden. Dotoo woor up geder Buggestidde nen Beigedisk - dazu war auf jeder Baustelle ein Bi egetisch. De Beigeapparat hadde ne langen Häbel - der Biegeapparat hatte einen langen Hebel mit Instellmüchlichkäjten für djen Rundijsen- und Haakendürmjetter - Einstellmöglichkeiten für den Rundeisen- und Hakendurchmesser. De mit djer Ijsenschkeiere afgelängenden Rundijsen - die mit der Eisenschere abgelängten = abgeschnittenen Rundeisen wurden dann mit der richtigen Einstellung, passend in den Biegeapparat gelegt. An dem langen Hebel mußte dann so lange g ezogen werden, bis die gewünschte Hakenform erreicht war. Me ging dann djen ganzen Dach im Göbelman ging dann den ganzen Tag im Göbel, wenn man als Lehrling einem erfahrenen Altgesellen beim Ijsenbeigen - Eisenbiegen helfen mußte.

("im Göbel gehen" ist abgeleitet von dem Antriebsgerät, das die Zugkraft von Tieren in mechanische Drehbewegung umsetzte)

Es gehörte, für die damals neue Arbeitsmethode, eine ganze Menge Fachwissen dazu, um die Bewehrungszeichnungen zu lesen, die Eisen richtig und maßhaltig zu biegen um sie dann an Ort und Stelle fachgerecht einzubauen. Ijsen flächten - Eisen flechten nannte man das, denn die Rundeisen (Tragstäbe zum Teil auch aufgebogen, Verteiler und Bügel) wurden alle mit einander verbunden. Anfangs nur mit Zange und Rödeldraht, später dann mit Rödelapparaten und - schlaufen.

Der anerkannte Fachmann auf dem Gebiet war damals Karl Brand - Hagenstraße, der mit dem Maurermeister Emil Gräbe zusammen eine Bauschule besucht und sich so das nötige Fachwissen angeeignet hatte. Anmerkung: Wenn einer nur Bewehrungen = Stahleinlagen in Betonbauteilen herstellte war er Isenbeiger- Eisenbieger.

Über die Herstellung und das Einschalen von Beton- und Betonrippendecken mit den heutigen Möglichkeiten brauche ich mich an dieser Stelle nicht weiter zu beschäftigen. Jeder Maurer bzw. Baufacharbeiter ist mit der Arbeitstechnik bestens vertraut. Aber die Randbedingungen und Arbeitsmethoden von damals sollen in der nächsten Ausgabe dieser Zeitung noch kurz erläutert werden.



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