Vorbemerkung:
Der Arbeitskreis Plattdeutsch erarbeitet sich in den
Wintermonaten Themen, die die Arbeitsweise in früheren Zeiten beschreiben als
nur Platt gesprochen wurde. Ziel der Arbeit ist es, die alten plattdeutschen
Begriffe für Tätigkeiten, Eigenschaften, Werkzeuge, Arbeits- und Hilfsmittel
etc. auszugraben, damit sie in einer Datenbank erfaßt, vertont und somit
dokumentiert werden können.
Damit jeder Leser verstehen kann, wie damals gearbeitet
wurde, sind nur die interessanten plattdeutschen Begriffe in der Mundart
notiert und sofort, nach einem Gedankenstrich, in der Schriftsprache
wiederholt.
Wenn ein(e) Leser(in) etwas zu dem Thema ergänzend oder
berichtigend beitragen kann, bitte ich um eine kurze Information per Telefon - 05694/713,
oder hier im Internet EMail, Forum bzw. Gästebuch.
Ich bin für jeden Hinweis dankbar.
Das nächste Thema das wiederum in Abschnitten an dieser
Stelle veröffentlicht wird lautet:
Graute Wäske Große Wäsche
Allgemeines:
Bevor man die Errungenschaften der modernen technisierten
Welt nutzen konnte, mußte man natürlich auch den Haushalt in Ordnung halten und
für eine gewisse Reinlichkeit sorgen. Daß man da heutige Maßstäbe nicht zu
Grunde legen kann, ist wohl jedem klar, wenn man sich die Randbedingungen der
Zeit mit der allgemeinen Armut der Landbevölkerung bewußt macht.
Herrschaftliche Häuser, mit den Möglichkeiten sich für alles
und jedes Dienstboten zu halten, sollen hier nicht betrachtet werden.
Um sich in die damalige Zeit zu versetzen, sollte man sich
einmal klar machen:
Mechanische Energie mit einigermaßen kontinuierlicher
Leistung konnte man nur durch die Nutzung der Wasser- oder Windräder gewinnen.
Kam also nur für Mühlen aller Art in Frage.
Wollte man an anderer Stelle mechanische Energie haben, so
gab es nur folgende Möglichkeiten: eine Dampfmaschine, einen Göpel mit
Zugtieren zu betreiben bzw. eine der ersten aufkommenden
Verbrennungs-Kraftmaschinen einzusetzen. Alles für einen Durchschnittshaushalt
undenkbar.
Wärmeenergie für das Heizen, Backen und Kochen konnte man
nur selbst haben, wenn man sich genügend Holzvorräte zugelegt hatte.
Es gab nur Kerzen, Tranfunzeln, Karbit-Lampen und
Petroleum-Leuchten als Lichtquellen.
Elektrische Energie wurde in Rhoden erst in den 20-iger
Jahren des vorigen Jahrhunderts in Rhoden installiert. Anfangs nutzte man sie
nur für die Beleuchtung.
Elektroherde, Waschmaschinen und die elektrischen
Kleingeräte aller Art gab es anfangs nicht. (Erst nach dem zweiten Weltkrieg mit dem damaligen Wirtschaftswunder
konnte man diese Geräte zu erschwinglichen Preisen kaufen.)
Rundfunkempfänger wurden erst nach für nach gekauft, als
es eine flächendeckende Stromversorgung gab.
Fernseher und alles was heute unter dem Begriff
Unterhaltungselektronik verkauft und benutzt wird, gab es nicht.
Die Arbeiten im Jahr wurden viel mehr von den natürlichen
Gegebenheiten der Jahreszeiten bestimmt. So mußte zwangsläufig die graute Wäske
große Wäsche so geplant werden, daß sie nicht in die Zeiten der
Arbeitsspitzen fiel. Während der Erntezeit war es undenkbar mehrere Wasch-Tage
einzuplanen. Weil die Ernte, bei der damaligen Handarbeit, sich über längere
Zeit hinzog, mußte man in jeder Familie für jedes Familienmitglied mindestens
für drei Monate Wäsche haben. Daß die Verhältnisse nicht überall gleich waren,
ergibt sich heute wie damals aus den Mentalitätsunterschieden der einzelnen
Menschen und den Möglichkeiten der einzelnen Familien. Ganz allgemein gesagt,
waren die Waschtage für die Hausfrauen eine besonders unangenehme Arbeit. Alles
war Handarbeit und man hatte die Hände laufend in heißen oder kalten Wasser und
oft auch in scharfer Lauge, so daß die Hände kaputt gingen und es Klüffe
Schrunden oder gar blutige Stellen gab.
Dabei war es in der Regel nicht immer üblich, die Hemden
wöchentlich zu wechseln. Oft wurde nur dat Fürhimmed das Vorhemd, auch
Schmisettchen genannt, für den Sunndachsstôôt Sonntagsstaat frisk füredôôn -
frisch vor getan. Mit dem Sunndachsanzuch Sonntagsanzug, einem frisch
gestärkten Schmisettchen aber einem schkitteregem Himmed woor me fijn dreckigem
Hemd war man fein. (angezogen)
Eine Hausfrau kann sich aber lebhaft vorstellen, was damals
bei den großen Familien, an Wäsche angefallen ist, auch wenn sie oft nicht
wöchentlich gewechselt wurde trotzdem, es waren ganze Berge.
Weiterhin muß man bedenken, daß es damals kein Waschpulver
gab und später, besonders in den Kriegs- und Nachkriegszeiten nicht immer
genügend Waschpulver und Seife gab oder
daß diese Reinigungsmittel einfach zu teuer waren. Die Leute sind damals, trotz
der fehlenden Reinigungsmittel, auk ni im Schkitte verkummen auch nicht im
Schiß verkommen.
Nun habe ich versucht, die damaligen Verhältnisse
einigermaßen realistisch darzustellen. Dabei ist es mir oft schwer gefallen,
die Arbeitsmethoden zeitlich einzuordnen. Andererseits sind so gravierende
Neuerungen, wie Bau einer gemeindlichen Wasserversorgung, Einführung der
flächendeckenden Stromversorung und der Bau von funktionierenden
Entsorgungssystemen Kanalleitungen mit Kläranlage, jeweils die
Voraussetzungen für die Einführung von neueren Arbeitsmethoden bzw. die Nutzung
technischer Geräte gewesen. Auch haben die beiden Weltkriege erhebliche
Auswirkungen auf die Handhabung der Großen Wäsche gehabt; allein wenn man
daran denkt, daß die einfachsten chemischen Hilfsmittel nicht zu bekommen waren.
Wie immer in Notzeiten, waren die Menschen findig und halfen
sich auf andere Art und Weise. Wie und wann man darauf gekommen ist, ist mir
leider nicht bekannt.
Man stellte Waschlauge und Seife selbst her. Wie das im
einzelnen gemacht und mit welchem Aufwand gewaschen wurde, ist in den folgenden
Abschnitten beschrieben. Dabei ist je nach den jeweiligen Möglichkeiten, die
Arbeitsweise von Ort zu Ort unterschiedlich gewesen. Mußte man das Waschwasser
herantragen, hatte man eine Wasserpumpe selbst auf dem Grundstück (wie in
Wrexen) oder gab es bereits eine gemeindliche Wasserversorgung, konnte man aus
einem Bach oder Fluß Waskewaater langen Waschwasser holen oder selbst darin
spöölen - spülen, hatte sicherlich Auswirkungen auf die jeweiligen
Arbeitsmethoden der Wäscherinnen.
In manchen Bereichen ist mir bei der Diskussion dieses
Themas nicht ganz klar geworden bis zu welcher Zeit man wie gewaschen,
gebleicht oder ab wann man z. B. die Wäsche gebügelt hat. Für weitere Hinweise
wäre ich dankbar.
Askenlauge Aschenlauge:
Anmerkung: Heinrich Bodenhausen hat im Stadtarchiv einen
Hinweis gefunden, daß das Sammeln von Buchenasche als Konzession von der Stadt
Rhoden vergeben wurde. Wer hat da weitere Informationen ??
Eine Aschen-Waschlauge zum Reinigen der großen Wäsche wurde, wie folgt beschrieben, selbst hergestellt:
Man sammelte etwa 4 Wochen von einem Ofen oder Herd räjne
Böökenaske reine Buchenasche. Waren dann die Buchen auf einem kalkhaltigen
Untergrund (Quast oder Eichholz) gewachsen, gab es eine Lauge, von der die
Wäsche besonders weiß wurde. Asche von
Kohlen, Briketts oder anderen Hölzern war nicht geeignet, denn diese Asche
machte die Wäsche grôô anstatt witt - grau anstatt weiß.
Diese reine Buchenasche füllte man in einen Leinensack.
Dann wurde im Bruggepott - Brautopf Wasser heiß
gemacht. Der dann zugebundene Askesakk
- Aschesack wurde in einem Draht- oder Weidenkorb (z. B. Risp) mit Hilfe von
geeigneten Hilfsmitteln über einem ljeddigen Küjben leeren Waschzuber aus
Holz oder einer leeren Wanne aufgehängt.
Sobald das Wasser kochte, wurde es mit Eimern ausgefüllt und
langsam über den Aschesack gegossen.
Die herauslaufende schitterige Bräu - dreckige Brühe wurde in dem Gefäß
darunter aufgefangen. Das war dann die Lauge, in der dann die Wäsche gewaschen
wurde.
Eine andere Möglichkeit, Aschenlauge zu gewinnen war, den
Aschesack vollständig auszukochen. Das war die Methode, nach der meine Oma
gearbeitet hat, denn sie sagte damals: De Aske mott gaar e kjokket wäären, süß
is de Lauge too schkarp Die Asche muß gar gekocht werden sonst ist die
Lauge zu scharf
Ein weiterer Vorteil - die eingeweichte Wäsche konnte man
dann sofort in der heißen Lauge weiter kochen.
Man kann sich aus heutiger Sicht überhaupt nicht vorstellen,
daß man in der schkitterigen Bräu - dreckigen Brühe Wäsche sauber werden
konnte.
Aber es muß eine sehr scharfe Lauge gewesen sein, denn die
Wäsche wurde sauber, aber die Finger der Waschfrauen gingen kaputt. Den älteren
Frauen, die noch mit Aschenlauge gewaschen haben, ist das noch in sehr
unangenehmer Erinnerung.
Seipe maaken Seife machen:
Diese selbst hergestellte Seife wurde als Kernseife
bezeichnet.
Man muß wissen, daß alles was von geschlachteten Tieren
anfiel, verwertet wurde. Knochen, Rippen, Schwarten, Speck und Häute alles was
heute nicht zu verkaufen ist oder keinen Wert hat, wurde damals ge- und
verbraucht und wenn es die letzten Reste waren, die für die eigene
Seifenherstellung verwandt wurden.
Man benötigte dazu:
- Wasser,
alle minderwertigen tierischen Fette wie z. B. Ungel
Rindertalg,
(gjelmerigen Späkk ranziger Speck gab es damals nicht,
denn der wurde in jedem Fall gegessen)
Knochen damit die Seife dann eine gewisse Steifigkeit bekam,
Seifenstein = Alaun(chemische Bezeichnung = Kalium-Aluminium-Sulfat) = als
Ätznatron bekannter)
Salz oder Pottasche.
Diese Wirkung von dem Gebräu muß sehr aggressiv gewesen sein, denn zur Seifenherstellung nahm man einen besonderen Bruggepott-Insatz
Brautopf-Einsatz. Nach der Beschreibung von Frau Sonntag aus der Erinnerung
ging man etwa wie folgt vor:
Den Brautopf füllte man mit Wasser etwa halb voll, gab die
Knochen mit den tierischen Fetten und den Seifenstein dazu. Dann mußte innebott
eingeheizt werden damit der gesamte Inhalt über längere Zeit kochte. Zuerst
schäumte das Kochgut in dicken Blôôsen Blasen. Dann wurde der Schaum immer
feiner und seipiger seifiger. Dabei hat sich ein fürchterlicher Gestank
entwickelt. Es half aber alles nichts, man mußte dann das Gebräu so lange kochen,
bis es nicht mehr schäumte. Danach ließ man den Kesselinhalt erkalten.
Es bildete sich mit dem Erkalten oben eine Schicht helle
Seife. Unter dieser Schicht Seife fest gewordener Seife bildete sich dann noch
eine Schicht Schmäärseipe Schmierseife.
Persönlich habe ich als Kind noch gesehen, wie sich eine
etwa 3 cm dicke Seifenschicht gebildet hatte, als meine Tante damals, nach dem
Krieg Seife selbst gekocht hatte. Diese wurde dann am nächsten Tag, als der
Brautopf mit Inhalt kalt geworden war, abgehoben und auf den Schlachtetisch
gelegt. Mit einem Messer wurde dann diese Schicht in handliche Seifenstücke
geschnitten. Frisch war die Seife noch etwas plastisch, härtete dann aber mit
der Zeit mehr und mehr aus. Die Seife war an der Unterseite glatt und oben
waren noch die feinen Ränder von den vielen kleinen Schaumbläschen zu sehen.
Es gab noch weitere Tricks die Seife besser bzw. ansehnlicher aufzubereiten, indem man die warme Seifenmasse abfüllte und in besonderen Formen erkalten ließ.
Kluge Hausfrauen ließen die selbst hergestellte Seife erst einmal ein Jahr liegen, bevor sie in Gebrauch genommen wurde. Frisch hergestellte Seife verbroukede sik too
fix verbrauchte sich zu schnell. (verbroukede sik too rijbe - verbrauchte zu
schnell)
Frau Luise Bracht hat ein altes Rezept zur Seifenherstellung
gefunden, das sie mir freundlicherweise im Original überlassen hat. Es ist noch
in deutscher Schrift verfaßt und ist nebenstehend einkopiert. |
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Weil diese Schrift nicht jeder so einfach lesen kann, wird
der Text nachstehend wortwörtlich wiedergegeben:
Rezept zum Seifekochen:
4 kg Fett
12 l Regenwasser
11/4 kg Seifenstein
500 g Salz oder 300 g Pottasche
Zubereitung: Einen Tag vor dem Kochen, Abfüllen mit Wasser und Seifenstein in den Kessel schütten.
Am nächsten Tag etwa 3 Stunden kochen lassen, ständig umrühren, schwaches Feuer.
Nach 3 Stunden Salz rein schütten und alles 1 1/2 Stunden kochen lassen.
Wenn die Seife vollkommen erkaltet ist, oben abschneiden und zerkleinern, Wasser hinzufügen bis bedeckt und nochmals kurze Zeit kochen lassen.
Die Lauge von der Seife kann nicht benutzt werden, da sie zu scharf ist.
Ist die Seife erkaltet, in Stücke schneiden und am luftigen Ort trocknen. Die Lauge gießt man dann durch einen Durchschlag und läßt sie dann noch einige Stunden kochen das ist Schmierseife.
Wie man aus diesem Rezept unschwer entnehmen kann, ist bei
der Seifenherstellung dann auch die besagte Schmierseife angefallen.
In einem alten Kochbuch von Henriette Davidis, (wurde um
1900 veröffentlicht) das offensichtlich als Lehrmittel für Höhere
Töchter-Schulen bestimmt war, findet sich folgender Text:
Weiße Seife zu kochen. Zu 1 Kilogr.
reinen Fett nehme man 1/2 Kilogr. Seifenstein (Ätznatron) und 8 1/2 Liter Regenwasser. Die Hälfte des Regenwassers werde mit dem Fett und Seifenstein 1 1/2 Stunde gekocht. Dann
gebe man das übrige Wasser hinzu, lasse die Masse nochmals völlig 1 1/2 Stunde
kochen, während von Anfang an ununterbrochen gerührt werden muß. Zuletzt werden
60 Gramm Salz gut durchgekocht. Dann nehme man zu Abkühlen eine Kleinigkeit
heraus, um zu sehen ob die Seife gerinnt; wäre das nicht der Fall, so muß das Kochen fortgesetzt werden. Sobald die Probe gut ist, spüle man ein Waschfaß mit kaltem Wasser aus, so daß es recht feucht wird, und fülle die Masse hinein. Am nächsten Tage wird die Seife in beliebige Stücke geschnitten, die zum Trocknen an einen luftigen Ort gebracht werden.
Zu dieser Seife kann man jedes beliebige, ausgekochte Fett gebrauchen, doch muß ein Drittel reines Fett hinzugesetzt werden.
Der Seifenstein ist in den meisten Drogenhandlungen zu haben; freilich ist die Qualität, von welcher das Geraten der Seife abhängt, nicht immer die gewünschte.
Soweit der wörtlich zitierte Text aus dem damaligen
Lehrbuch.
Wie man sieht, waren die Rezepte zur eigenen
Seifenherstellung alle ähnlich, sie sind nur mehr oder weniger ausführlich in
der damaligen Ausdrucksweise beschrieben.
Der Vollständigkeit halber seien noch folgende Seifenarten
erwähnt.
Gallseipe - Gallseife
Wollte man eine besonders scharfe Seife haben so mußte ein
Schuß Galle vom Rind beim Kochvorgang zugegeben werden. Das war dann die
sogenannte Gallseipe Gallseife. Diese wurde dafür verwendet, besonders
hartnäckige Flecken zu entfernen.
Schwimmseipe Schwimmseife
In den schlechten Zeiten gab es auch noch die sogenannte
Schwimmseife, die aber in speziellen Fabriken hergestellt wurde. Die Seife war
so leicht, daß sie tatsächlich im Wasser schwamm; sie verbrauchte sich aber
sehr schnell.
Bimssteinseife:
Ebenfalls in der Notzeit gab es auch Bimssteinseife. Diese
Seife war so rauh, daß sie nur für ganz verdreckte Hände und zum Abschmirgeln
von Schwillen und Lejtdöörnen am Fuß von unten wachsende Hühneraugen, benutzt
wurde.
Der eigentliche Waschvorgang
Wasserversorgung
Bevor in Rhoden städtische
Wasserleitungen verlegt worden waren und die zentrale Wasserversorgung
sichergestellt war mußte man das ganze Wasser zum Waschen mit dem Dräägholt Tragholz oder einem Joch aus dem
nächsten Brunnen herbijschlippen - herbeischleppen.
In Rhoden waren öffentliche
Brunnen an folgenden Stellen:
Ecke Landstraße / Einmündung Helmighäuser Straße
Vor der alten Post zwischen Neustadt und Kuhweg an der Landstraße.
Brunnen beim Denkmal an der Landstraße,
Vor dem Haus der Metzgerei Köhler an der Landstraße.
Treppenbrunnen Träppenbjorn lag etwa mittig ander Verbindung von der Landstraße zur Langen Straße hinter der Metzgerei Köhler.
Molkenbrunnen Molkenbjorn, war dort wo jetzt die alte Tankstelle steht.
Ziegenbrunnen Ziggenbjorn, war unterhalb der Stadtmauer nordwestlich der Langen Straße.
Philippsbrunnen Phillippesbjorn, lag hinter der jetzigen Badeanstalt, etwa dort, wo jetzt das Haus Kuhweg Nr. ....? steht.
Grönecken Lage ist bekannt.
Ob der Schloßbrunnen auch als Waschwasser genutzt wurde, ist sehr unwahrscheinlich, weil zu der Zeit die Hebevorrichtung für Wasser gefehlt hat.
Wasserbeschaffung:
Wollte man zu Hause waschen, so mußte das Wasser
herbijeschlippet herbeigeschleppt werden. Zuvor mußte man das Wasser im
Brunnen selbst hauchwingen- hochwinden. Das geschöpfte Wasser in Eimern nach
Hause fahren ging nicht, denn bei den damals üblichen Holzkarren und den
holperigen Straßen wöör ôlles router e schwakket wäre alles verschüttet
worden. Verschließbare Millekkannen Milchkannen gab es zu der Zeit noch
nicht, denn die sind mit der Molkerei eingeführt worden. Also, was blieb anders
übrig als Wasser zu tragen.
Es gab zwei Möglichkeiten:
1. Das Drägejoch - Tragejoch, das quer über beide
Schultern getragen wurde. Das hatte
rechts und links Ketten mit Haken die in Handhöhe endeten. Das Tragejoch
federte nicht; die zu tragenden Eimer oder andere Gegenstände wurden mit beiden
Händen annehallen - angehalten.
2. Das Träägeholt - Tragholz war etwa 3,-- m lang, im
Querschnitt ca. 25 / 40 mm, und hatte
vorn und hinten einen Haken damit man die Wassereimer einhängen konnte. Es
federte und wurde längs über die Schulter getragen. Durch das Federn wurde ein
Verschütten von Wasser weitgehend vermieden.
An solchen Waschtagen hatte ein Mann laufend Arbeit um
das nötige Wasser herbeizuschaffen. Daß man damals mit dem Wasser äußerst
sparsam umging, versteht sich von selbst.
Wasserleitungsbau:
Das änderte sich in Rhoden erst, als es eine
gemeinschaftliche Wasserversorgung gab. Das Wasser kam aus den Voßlöchern
Fuchslöchern (Gemarkungsbezeichnung) und lief mit natürlichem Gefälle bis zum
Pumpenhaus an der Helmighäuser Straße.
Von dort mußte das Wasser dann in den Hochbehälter am Schloß gepumpt werden.
Von dort verteilte es sich über weitere Rohrleitungen mit natürlichem Gefälle
in alle Häuser.
Bevor man zum Pumpen elektrische Energie nutzten konnte,
wurde die erforderliche mechanische Energie mit einer Dampfmaschine erzeugt.
Die heute noch sichtbare Reemenschkijbe Riemenscheibe am Pumpenhaus wurde von
der Dampfmaschine angetrieben. Über die Transmissionswelle und weitere
Riemenscheiben wurde die Pumpe angetrieben.
Weil es dann anfangs auf einmal reichlich Wasser gab, ging
man da etwas großzügiger mit dem kostbaren Naß um. Es gab keine
Messeinrichtungen für den Wasserverbrauch. Wasseruhren wurden in Rhoden erst
nach dem zweiten Weltkrieg eingebaut
Die mühselige Handarbeit für das Ausheben der
Wasserleitungsgräben, besonders wenn Fels anstand, will ich an dieser Stelle
nicht weiter beschreiben. Es bleibt nur anzumerken, daß die Wasserleitungen
dann oft nicht tief genug d. h. frostfrei verlegt wurden, weil die Handarbeit verdammt beschwerlich war.
Die Folge war, daß verschiedene Leitungsstränge im Winter immer wieder
einfroren. Dann mußten die Bewohner der Häuser, bei denen das Wasser nicht mehr
lief, sich täglich das Wasser für Mensch und Tier und auch für die große Wäsche
mit Handwagen oder auf Schlitten in Milchkannen herbeigeschafft werden. Erst
mit der Erneuerung des Wasserleitungsnetzes nach der Typhus-Epidemie 1959 in
Rhoden wurden alle Wasserleitungen frostfrei verlegt.
Inweeken einweichen
Sunnôôbend woor e baan Sonnabend wurde gebadet. Die Kinder kamen dem Alter nach in die Wanne.
Der Jüngste kam zuerst mit frischen, warmen Wasser dran. Beim nächsten wurde
etwas warmes Wasser dazu gegeben. So ging es weiter bis alle Kinder gebadet
hatten. Mankedür -zwischendurch wurde dann auch etwas Wasser, meistens die obere
Schicht mit den Seifenflocken, abgeschöpft, damit man immer wieder etwas warmes
Wasser dazu gießen konnte man wollte ja auch nicht kalt baden. Zuletzt kamen
dann die Eltern an die Reihe, bis die ganze Familie sauber war.
Man sollte nun denken, das Wasser wäre ausreichend benutzt
worden, aber nein, es wurde nochmals genutzt, indem die Footlappen Fußlappen
und später die Strümpe - Strümpfe darin eingeweicht wurden. Montag wurden dann
Strümpfe richtig gewaschen. Mit dem Rest dieses Badewassers wurde dann noch
meistens der Flur oder die graute Djell e schruppet große Deele geschruppt.
Zwischenbemerkung:
Wenn diese Schilderung aus heutiger Sicht mit etwas
Schmunzeln oder von den jüngeren Leuten mit Kopfschütteln gelesen wird. Die
Verhältnisse waren so, wie ich sie beschrieben habe. Und das ist eben mal 50
Jahre her, als die überwiegende Mehrheit
der Bevölkerung mit bzw. in den beschriebenen Verhältnissen gelebt hat. Vor dem
2. Weltkrieg gab es nur ganz vereinzelt in den Häusern Badezimmer. Während des
Krieges wurde nur das Allernötigste an Reparaturen gemacht. Direkt nach dem
Krieg war überall nur Armut. Erst Anfang der 50-iger Jahre, als die allergrößte
Not überwunden war, ging es langsam besser.
1953 als ich in die Lehre kam, war das Gemeinschaftshaus
hier in Rhoden im Bau. Dort waren anfangs Gemeinschaftswannen und duschen
eingebaut, die von den Rhodern gern genutzt wurden.
Von den Annehmlichkeiten selbst
begeistert, habe ich dann bei uns zu Hause in 1955/56 das erste
Badezimmer mit Wanne und einem Kohlebadeofen eingebaut. Ähnlich ist es dann
sicherlich auch bei den anderen Familien gewesen, denn mit der Zeit wurde in
jedem Haus ein modernes Badezimmer eingebaut, so daß die
Gemeinschaftswannen und duschen im
Gemeinschaftshaus nicht mehr benutzt wurden und stillgelegt bzw. abgebaut
werden konnten.
Dazu muß noch gesagt werden, daß wichtige Voraussetzungen
für die Verbesserung der allgemeinen hygienischen Verhältnisse, eine
ausreichende Wasserversorgung und eine ordnungsgemäße Entsorgung der Abwässer,
also Kanalleitungen und Kläranlage, waren.
Andere Waschkmiddel - Waschmittel:
Die ersten käuflichen Waschmittel waren:
Soda zum Einweichen
Waschmittel: Sil, Henko, Persil und Schmierseife.
Sobald diese Reinigungsmittel in ausreichenden Mengen
verfügbar waren, wurden sie nach Bedarf und den finanziellen Möglichkeiten der
Familien eingesetzt.
Waschkwijbere Waschfrauen:
Hier sei angemerkt, daß es nach den Recherchen im Arbeitskreis speziell in Rhoden so
gehandhabt wurde, daß sich die Frauen in Nachbarschaftshilfe gegenseitig beim
Waschen geholfen haben.
Es gab aber auch sogenannte Waschfrauen, die ihre Dienste in
den Dörfern, wo reiche Bauern wohnten und in den Städten, bei den wohlhabenden
Familien anboten. Diese Waschfrauen gingen dann in die Häuser und haben dort
vor Ort die Wäsche gewaschen.
Dabei muß dann auch oft und viel erzählt worden sein, was
nicht ganz stimmte, also mehr oder weniger nur Genööle Gerede war. Eine sehr
geschwätzige Frau wird auch heute noch als allet Waschkwijf altes Waschweib
bezeichnet.
Andererseits hatten diese Frauen ein sehr hartes Los, das der Dichter Adalbert von Chamisso (geb. 30.1.1781; gest. 21.81838) mit dem Gedicht Die alte Waschfrau entsprechend gewürdigt hat. Wenn es auch in der Denkweise überhaupt nicht mehr in unsere heutige Zeit zu passen scheint, ist der Text dieses Gedichts nachstehend abgedruckt.
Die alte Waschfrau
Adalbert von Chamisso
Du siehst geschäftig bei dem Linnen
die Alte dort im weißen Haar
die rüstigste der Wäscherinnen
im sechsundsiebenzigsten Jahr.
So hat sie stets mit saurem Schweiß
ihr Brot in Ehr und Zucht gegessen
und ausgefüllt mit treuem Fleiß
den Kreis, den Gott ihr zugemessen.
Sie hat in ihren jungen Tagen
geliebt, gehofft und sich vermählt;
sie hat des Weibes Los getragen,
die Sorgen haben nicht gefehlt;
sie hat den kranken Mann gepflegt,
sie hat drei Kinder ihm geboren;
sie hat ihn in das Grab gelegt
und Glaub` und Hoffnung nicht verloren.
Da galt's, die Kinder zu ernähren;
sie griff es an mit heitrem Mut,
sie zog sie auf in Zucht und Ehren,
der Fleiß, die Ordnung sind ihr Gut
Zu suchen ihren Unterhalt
entließ sie segnend ihre Lieben,
so stand sie nun allein und alt,
ihr war ihr heitrer Mut geblieben
Sie hat gespart und hat gesonnen
und Flachs verkauft und nachts gewacht,
den Flachs zu feinem Garn gesponnen,
das Garn dem Weber hingebracht;
der hat's gewebt zu Leinewand.
Die Schere brauchte sie, die Nadel,
und nähte sich mit eigner Hand
ihr Sterbehemde, sonder Tadel.
Ihr Hemd, ihr Sterbehemd, sie schätzt es,
verwahrt's im Schrein am Ehrenplatz;
es ist ihr Erstes und ihr Letztes
ihr Kleinod, ihr ersparter Schatz.
Sie legt es an, des Herren Wort
am Sonntag früh sich einzuprägen;
dann legt sie's wohlgefällig fort,
bis sie darin zur Ruh' sie legen.
Und ich, an meinem Abend, wollte,
ich hätte, diesem Weibe gleich,
erfüllt, was ich erfüllen sollte
in meinen Grenzen und Bereich;
ich wollt' ich hätte so gewußt
am Kelch des Lebens mich zu laben
und könnt am Ende gleiche Lust
an meinem Sterbehemde haben.
Waschken waschen:
Vor dem großen Waschtag wurde die gesamte Wäsche inneweeket
eingeweicht. Dem kaltem Wasser gab man etwas Pottasche zu.
Am eigentlichen Waschtag wurde schon früh de Bruggepott e
bott der Brautopf geheizt.
Die Aschenlauge wurde direkt am Waschtag, wie vor
beschrieben, hergestellt, denn dann war sie glijk heet - gleich heiß.
Die gesamte Wäsche im Brautopf mit der Lauge gekocht und von
Zeit zu Zeit mit einem Holzknüppel gerührt und gestumpelt gestochert. Nach
dem Kochen wurde sie in een Waschkeküjben - eine Waschwanne umgefüllt. Diese
Wannen waren anfangs aus Holz gefertigt, später nahm man dazu verzinkede
Bljekwannen verzinkte Blechwannen. Sie wurden in günstiger Arbeitshöhe auf
einem Dreefoot e stallt Dreifuß gestellt
Die Wäscherinnen nahmen dann die Wäsche und ribbelten -
rieben dann die dreckigen Stellen gegeneinander damit der Schmutz herausging.
Später benutzte man das sogenannte Waschkebrett Waschbrett. Das war ein
Holzrahmen mit etwas überstehenden Füßen. In dem Rahmen war in Querrichtung
wellenförmig gepreßtes Zinkblech
eingelassen. Über diese Wellen wurden dann die dreckigen Stellen der Wäsche
gerieben bis sie sauber war. Besonders die Quäärels an djen Moggen
angearbeiteten Bündchen oder
Manschetten an den Hemdsärmeln und die
Kraagens Kragen mußten gut gerieben werden, weil hij de Gnijst besonders
dunne satt - hier der Dreck besonders fest saß.
Anmerkung: Das Wort Waschbrett wird heute nur noch
in Verbindung mit einem Bauch gebraucht. Der bei den heutigen Frauen bevorzugte
Männertyp muß einen durchtrainierten Körper mit einem Waschbrettbauch haben;
mit dem Waschen hat das nichts mehr zu tun
Nach dem Waschen mußte die Wäsche outefrungen ausgewrungen
werden, damit die scharfe Lauge möglichst restlos entfernt wurde. Das
Auswringen wurde, wenn es eben ging von zwei Frauen gemacht. Nachbarschafts
Hilfe war da selbstverständlich. Die drehten das jeweilige Wäschestück
gegenläufig, damit sich eine Wäschewurst bildete und Flüssigkeit heraus
gepreßt wurde.
Auszüge aus einem Lehrbuch für Höhere Töchter-Schulen
(Das Buch mit dem Titel Die Hausfrau) ist 1909 erschienen)
Der nachstehende Ausdruck Bükwäsche ist kein Begriff in
Platt, sondern wurde so in dem bereits
zitierten Lehrbuch von Henriette Davidis gebraucht.
Die Bükwäsche:
Diese umständliche Art und Weise
zu waschen, die viele Hände und Zeit erfordert und meistens in größeren
Land-Haushaltungen üblich war, wird immer mehr durch die Waschmaschine
verdrängt. Indessen wird die Bükwäsche, bei der man durch Anwendung von
Buchenasche weniger Seife verbraucht, immerhin noch in einigen Gegenden auf dem
Lande, wo man an alten herkömmlichen Gebräuchen noch festhält, beibehalten, und
darum möchte es auch vielleicht derjenigen jungen Frau, deren Bestimmung es
ist, in einen solchen Land-Haushalt einzuziehen, nicht unwillkommen sein, mit
dem Verfahren der Bükwäsche vertraut zu werden, damit sie aus eigener
Anschauung ermessen möchte, welche Waschmethode ihr für den neuen Haushalt am
passendsten erscheint.
Die unreine Wäsche wird mit
lauwarmen Wasser eine Nacht eingeweicht, wobei die schmutzigere auf den Boden
des Fasses, die andere darauf gelegt wird. Die Wäsche von den Dienstboten kommt
zum Büken in ein zweites Faß.
Nachdem am nächsten Morgen das
Zeug aus dem Einweichewasser gespült ist, werden die schmutzigsten Stellen,
z.B. Kragen und Bündchen an
Herrenhemden usw., mit etwas Seife eingerieben und zusammengelegt. Das Bükfaß, welches
nicht leck sein darf und zum Abziehen der Lauge einen Zapfen, oder dicht am
Boden einen Hahn haben muß, wird an dem
bestimmten Ort auf einen Dreifuß, vor die Öffnung wird ein Schüsselchen
gestellt. Dann wird jedes Stück so hineingelegt, das es beim Waschen
nacheinander weggenommen werden kann, und man nicht genötigt ist, größere
Stücke herauszuziehen; auch bildet hierbei wieder das schmutzigere Zeug die
Unterlage. Damit die Lauge nicht überfließe, darf das Faß nicht zu sehr
angefüllt sein.
Über die eingelegte Wäsche werden
zwei grobe Bettücher gelegt, von allen Seiten eingesteckt und das Ganze mit
einem Büktuche bedeckt worin nicht das kleinste Loch sein darf, weil
anderenfalls die Asche sich durchsaugen und auf die Weiße der Wäsche hinderlich
wirken würde. Das Büktuch wird dick mit kurzem Roggenstroh bedeckt und zu zwölf
gewöhnlichen Eimern, deren einer etwa 11 Liter enthält, 13 Liter gute
Buchenasche mitten auf das Stroh gelegt, so, daß solches von allen Seiten
übersteht.. Vorher wird schon ein Kessel oder Topf zum Heißmachen des Wassers
ganz rein, ausgescheuert, mit Wasser aufs Feuer Gebracht, um sogleich mit dem
Büken anfangen zu können. Das Wasser wird anfangs nur lauwarm, und damit die
Asche nicht ausgeschwemmt werde, langsam übergossen. Nachdem soviel Wasser durch die Asche geflossen ist, daß
solches mit dem Zeuge gleichsteht, wird ein niedriger Kübel unter den zapfen
oder Hahn gestellt, die Lauge abgezapft und mit einem Handfaß zum Warmwerden in
den Kessel gefüllt. Das Abzapfen und Übergießen der Lauge wird ohne Unterbrechung
durch eine zuverlässige Person fortgesetzt. In den ersten zwei Stunden darf die
Lauge nur allgemach bis zu einer guten Wärme gestiegen sein, bis zur dritten
Stunde wird sie heiß und bis zur vierten Stunde vor dem Kochen darüber
gegossen. Das heiße Aufgießen der Lauge wird so lange fortgesetzt, bis die
eisernen Bänder des Fasses ganz heiß geworden sind.
So bleibt das Zeug bis zum
nächsten Morgen in der Büke, wo dann in aller Frühe zu waschen angefangen wird
und die Bükerin den Auftrag erhält, das spätere Heißmachen der Lauge und das
Feuer zu besorgen, damit die Wäscherinnen keinen Aufenthalt haben, oder gar in abgekühlter Lauge
waschen: Jede Wäscherin erhält nur einen Korb, welcher mit einem alten Stück ausgelegt sein muß, und kann so
nicht die Schuld des Nichtreinwaschens auf eine andere geschoben werden. Die
Wäscherinnen stellen sich auf eine Unterlage um das Faß und waschen mit der
nötigen Seife das Zeug ganz rein, und zwar so heiß, als die Hände es leiden. Zu
solchem Zwecke wird von der Bükerin von Zeit zu Zeit Lauge abgezogen und heiß
übergossen.
Ist so das beste Zeug
herausgewaschen, so wird jedes Stück nachgesehen; die mangelhaft gewaschenen
Teile werden zurückgegeben und nochmals
vorgenommen. Dann legt man das rein gewaschene Zeug in ein zweites Faß, breitet
ein groben Bettuch darüber, gießt von dem unterdes ganz heiß gemachten, weichen
Wasser, weillches mit Seife zu einer Lauge gekocht ist, soviel darauf, als
nötig ist, dasselbe zu bedecken und läßt es stehen, bis auch der unterste Satz rein,
in ein zweites Faß und gleichfalls mir reiner, kochendheißer Seifenlauge
bedeckt ist, Dann wird das erste eingebrannte Zeug klar gewaschen, die Lauge
davon aufs Feuer gestellt und zum Waschen des übrigen Zeuges in gleicher Weise
angewandt. Grobe, bunte Bettbezüge der Dienstboten werden zum erstenmal in der zweiten heißgemachten Lauge rein und danach in einer guten, reinen
Lauge klar gewaschen und auf der linken Seite gebleicht.
Ist es einzurichten, die
Bükwäsche bei starker Hitze gegen Aben hin zu legen, so ist dies zur Verhütung
von Laugenflecken, welchen nicht wieder weggeschaft werden können, sehr
erwünscht. Jedenfalls muß die Wäsche auch dann noch gehörig begossen werden,
weil man nicht mit Bestimmtheit auf starken Nachttau rechnen kann.
Auf der Bleiche muß stets eine
Person anwesend sein, um da Geradelegen des Zeuges und das Gießen zu besorgen,
damit solches immer naß sei. Bei einer große Wäsche haben an heißen Tagen zwei
Personen reichlich Arbeit. Man läßt die Wäschen einen Tag und zwei Nächte
bleichen und wendet sie in der Hälfte dieser Zeit um. Daß die Bleiche die
Nächte hindurch von einer zuverlässigen Person bewacht werden muß, bedarf wohl
kaum der Erwähnung.
Über das Waschen mit Waschkristall und Pulvern
Es können uns sämtliche künstliche
Waschmittel, die immer wieder in anderer Form und unter anderen Namen im Handel
auftauchen, keine reine Seife, die aus fettsauren Alkalien bestehen soll,
ersetzen. Im günstigsten Falle bezahlen wir dirch den Gebrauch der Waschpulver
die Soda zu einem enorm hohen Preise, und sind dieselben darum nicht zu
empfehlen. Die Hauptbestandteile der meisten künstlichen Waschmittel sind zum
größten Teile kalzinierte Soda und Kochsalz, mit mehr oder weniger etwas Zusatz
von etwas Seife, Salmiak oder Terpentin und dergleichen unschädlichen Sachen.
In vielen Fällen jedoch sind ihnen noch scharfe, beizende Stoffe beigemengt,
die zwar den Schmutz der Wäsche, aber auch das Gewebe derselben auflösen
helfen, und sind solche als Zerstörungsmittel unseres Weißzeuges geradezu zu
verwerfen. Bedienen wir uns also beim Waschen reiner, guter Seife, die zwar im
Ankauf die teuerste, insofern aber, als ihr keine schädlichen Bestandteile
beigemengt sind, die billigste ist. Nehmen wir dann zum Auflösen der
Schmutzflecke und der Kalkteil im Waschwasser anstatt Waschkristall oder Pulver
unsere gewöhnliche Soda, die wir durchschnittlich das Kilo mit 8 10 Pfg.
bezahlen.
Das Waschen auf dem Waschbrett.
Ein Waschbrett ist vielleicht
mehr ein Hilfsmittel, die Hände, als die Wäsche zu schonen; falls solches von
unkundiger Hand und unvernünftig über die Riefen gefahren wird, so kann das Zeug in kurzer Zeit ruiniert werden.
Zum richtigen Gebrauche stelle man das Brett hinter die nach vorn geschobene
Wäsche ins Faß, lehne sich an das Ende desselben fest an und reibe das zu
waschende Stück mit beiden Händen mehr lose als scharf darüber hin, indem man
solches oftmals umfassen und in die Lauge tauchen muß.
Soweit der zitierte Text über Die Bükwäsche Über das
Waschen mit Waschkristall und mit Pulvern und Das Waschen auf dem
Waschbrett; er gewährt tiefe Einblicke in die damalige Zeit, die man aus
heutiger Sicht nicht besser beschreiben kann. Besonders interessant sind die
Aussagen über und von den Dienstboten, die fast schon diskriminierend sind.
Wenn ein Verlag heute Texte in der Art veröffentlichen würde, gäbe es mit
Sicherheit einen Sturm der Entrüstung. Aber zu der damaligen Zeit hatte ein
junges Mädchen aus niederem Stande bestimmt nicht die Gelegenheit so ein Buch
zu kaufen, geschweige denn darin zu lesen. Die sogenannten Dienstboten wurden
von der Herrschaft mindestens 12 Stunden und mehr auf Trapp gehalten, zum
Lesen blieb da keine Zeit, auch wenn man ein Buch gehabt hätte.
Das nachstehende Bild zeigt ein Original-Waschbrett in einem
Holz-Waschke-Küjben Holz-Waschzuber.
Das Küjben is ljekk Waschzuber ist undicht, weil es lange
auf den Balken Boden gestanden hat und ausgetrocknet ist. Als der Waschzuber
noch in Gebrauch war und damit feucht gehalten wurde, ist er mit Sicherheit
dicht gewesen.
Jedes Brett mußte leicht konisch und der ovalen Form
angepaßt sein; ebenso die Bodenbretter. Eine handwerklich saubere und vor allen Dingen präzise Arbeit
ohne maschinelle Hilfsmittel.
Wie stark die Bretter inzwischen ausgetrocknet sind, sieht
man deutlich an dem vorherigen Sitz der Eisenbänder, jeweils unterhalb der
jetzigen Lage. Durch das Eintrocknen der Holzbretter konnten die Eisenbänder
ohne Mühe soweit nach oben verschoben werden.
Das gleiche Waschbrett in einer Zinkwanne allerdings wieder
ohne Lauge und Wäsche zeigt das nächste Bild.
Diese Waschzuber oder auch -wannen standen auf einem
Dreefoot Dreifuß auch Schkraagen genannt in günstiger Arbeitshöhe. Solch
ein Teil habe ich leider nicht auftreiben können, sonst hätte ich es mit auf
dem Bild darstellen können.
Wäske spöölen Wäsche spülen:
Damit die Aschenlauge vollständig aus der Wäsche entfernt
wurde, mußte sie meimôls e spollt mehrmals gespült werden. Eine bessere
Spülwirkung erzielte man, wenn dem Spülwasser eine Hand voll grobbet Kükkensalt
- grobes Küchensalz beigegeben wurde.
Die Wäsche ist 3 bis 4 mal so gespült worden. Anschließend
mußten die einzelnen Wäschestücke jedesmal wieder ausgewrungen werden.
Stricksachen und sonstige Kleinteile mußten extra von Hand
gewaschen werden
Bleeken Bleichen
Die einzelnen Orte hatten in der Regel ihre öffentlichen
Bleekewissen Bleichewiesen. In Rhoden waren sie im
Saltbjorn -Salzborn und bim Bleekhouse beim Bleichhause. (Gemarkungsbezeichnungen) Wer
in der Gemeinde dafür zuständig war, diese Wiesen zu mähen und zu pflegen, wäre
noch eine interessante Frage. Diese Bleichewiesen wurden aber in der Regel nur
dazu benutzt, das neu gewebte Leinen in ganzen Bahnen (Stijgen) zu bleichen.
Die meisten Familien hatten zum Bleichen wahrscheinlich ein
kleines Stück Rasenfläche beim Hause, wenn sie nicht in der beengten Stadt-
oder Dorfmitte wohnten. Ansonsten mußte man fragen, ob man beim Nachbarn oder
in den kleinen Hausgärten vor der Stadtmauer ein Stückchen Rasenfläche zum
Bleichen nutzen konnte.
Dort durften wegen djem Kooschkitt, djem Schkôôpsmist, djen
Ziggenkütteln orre djem Hööner- oder Gauseschkitt der Kuhscheiße, dem
Schafsmist, den Ziegenkütteln oder dem
Hühner- oder Gänseschiß keine Tiere gewesen sein, denn dann gab es aus
verständlichen Gründen Järger Ärger mit der Hausfrau.
Nachdem die Wäsche gewaschen und gespült war, kam sie erst
einmal auf die Bleeke Bleiche. Die Wäschestücke wurden so gelegt, daß sie
möglichst platzsparend auf der Wiese zu liegen kamen. Z. B. bei Hemden
wechselseitige die Ärmel nach oben und unten. Beim Einsprengen mit Wasser mußte
jeder Tropfen soweit wie möglich ausgenutzt werden. Andererseits mußten auch
schmale Gänge zwischen den Wäschestücken bleiben, damit alle Flächen schön
gleichmäßig mit der Geetekanne gelekkert Gießkanne begossen und somit feucht
gehalten werden konnten.
Um eine schöne weiße Wäsche zu bekommen, mußte die Sonne
scheinen und die Wäsche laufend feucht gehalten werden.
Später wurde dann der Bleichvorgang durch Chemie ersetzt,
indem man mit Bleichsoda arbeitete. Damit war dann das Bleichen nicht mehr
nötig. Mit der Zeit wurden die Waschmittel immer besser, so daß sich das Bleichsoda
erübrigte.
Wäske drüjgen - Wäsche trockenen
Anfangs wurde die Wäsche nach dem Bleichen auf der Hecke
nachgetrocknet. Als man nicht mehr bleichen mußte, hat man die ausgewrungene
aber doch noch tropfnasse Wäsche auf eine Leine gehangen, damit sie trocknen
konnte. War gutes sonniges Wetter, so trocknete die Wäsche sehr schnell unter
freien Himmel. Bei Regenwetter versuchte man die Wäsche dann unter Dach zu
trocknen, indem man Wäscheleinen in einem luftigen Schuppen, auf dem
Trockenboden, unter einem Balkon oder einem sonst wie geeigneten Ort
aufspannte. In den feuchten und kalten Wintermonaten war das nicht so einfach,
die Wäsche richtig trocknen zu bekommen, denn sie war immer noch klamm, wenn
sie abgenommen wurde. Bei Frost konnte man die Wäsche ausfrieren lassen. Sie
hatte dann aber immer noch eine Restfeuchtigkeit, wenn sie abgenommen wurde.
Das Nachtrocknen geschah dann in der Regel in dem einzigen geheizten Raum im
Hause in der Küche. Dort waren dann die Leinen eng und quer durch den Raum
gespannt.
Weitere Möglichkeiten, Wäsche zu trocknen gab es dann nur am
Herd an der Herdstange und über dem Herd am Ofenrohr. Dort waren in jedem
Haushalt mit einer Manschette Metallstangen angebracht, die man herunterklappen
und ausstellen konnte. Hier wurden dann die kleine Wäschestücke von der
Handwaske - Handwäsche = Strümpe Strümpfe, Stricksachen, Windeln und dergl.
getrocknet.
Büggeln bügeln
Wenn man bei gutem Wetter die Wäsche beim Bleichen die
letzten Stunden nicht mehr feucht machte, war sie fast schon so trocken, daß
man sie zusammenlegen konnte. Wenn es nötig war, wurde die Wäsche auf der Hecke
nachgetrocknet, denn drüjge trocken mußte die Wäsche sein sonst gab es
Stokkplakken Stockflecken.
Wäsche wurde nicht gebügelt, sondern nur in Form gezogen,
zusammengelegt und mit dem Kloppbrett Klopfbrett geklopft, damit die
Wäschestücke dichter lagen und sie im Schrank schön uppesatt - aufgeschichtet
werden konnte.
Kleinere Wäschestücke, wie Handöökere un Schkjörten Handtücher und Schürzen
wurden über eine Stoolleene e rijtten Stuhllehne gerissen. Die mußte
natürlich oben grade und nicht geschwungen sein. Das war dann der Ersatz für
das Bügeln. Inneengekrünkelde Schkjörtenbänge ineinander getrocknete
Schürzenbänder wurden von Antons Tante auf besondere Art und Weise behandelt,
damit sie etwas glatter wurden. Und das ging folgendermaßen:
Die Bänder wurden stückweise glatt gezogen und in kurze
Falten gelegt, mit einer Hand festgehalten, etwas gedrückt und dabei hin und
her gedreht. Wenn man das ganze Band dann wieder auseinander zieht, ist es
relativ glatt und nimmt nicht die vorherige Form wieder an. Die Hausfrauen
sollten das einmal probieren.
Nebenstehend ein Bild von einem Kloppbrett Klopfbrett. Die
Bearbeitung der Wäsche mit diesem Teil war der Bügel-Ersatz. |
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Etwa Anfang des vorigen Jahrhunderts, auch regional
unterschiedlich, muß dann das Bügeln aufgekommen sein. Dazu mußte die Wäsche
kurz vor dem Bügeln innesprenget eingesprengt, d. h. leicht angefeuchtet
werden.
Die einfachsten Bügeleisen hatten eine ca. 3 cm dicke
Eisensohle mit einem Metallgriff. Die Form war im Grundsatz schon so, wie die
heutigen Bügeleisen auch.
Die erforderliche Hitte djer Büggelijsen Hitze der
Bügeleisen konnte man nur von dem Herdfeuer abnehmen, indem man sie kalt auf
die heiße Herdplatte stellte. Hatte sich die Wärme übertragen, so faßte man das
Eisen mit einem Pottlappen Topflappen und bügelte damit solange bis die Hitze
beim Bügeln verbraucht war. Damit das einigermaßen kontinuierlich ging, hatte
man meiere Büggelijsen mehrere Bügeleisen auf dem Herd. Mit einer umschichtigen Benutzung jeweils
mit einem heißen Eisen konnte die Hausfrau ôls dranne blijben als drann
bleiben. Oft war es auch so, daß die in den Familien vorhandenen Bügeleisen in
der Nachbarschaft e leint ausgeborgt wurden, um bei der Arbeit immer genügend
heiße Eisen zu haben.
In einem Museum habe ich mal einen runden Ofen gesehen, der
kurz oberhalb der Feuerzone vorgeformte, aber schräg gestelle Anlegeflächen für
mindestens 8 Bügeleisen hatte, damit die Eisen dort heiß gemacht werden
konnten. Im Prinzip änderte dieser Ofen nichts an der Arbeitsweise, jedoch
konnten hier dann mindestens zwei Frauen mit heißen Bügeleisen bedient werden.
Weil die Hitze dieser einfachen Bügeleisen doch nicht so
lange anhielt, hatten findige Firmen ein Bügeleisen konstruiert, das hohl war
und rückwärtig eine verschließbare Klappe hatte. In diesen Hohlraum konnte man
glühende Kohlen einfüllen und so längere Zeit mit dem Spezialeisen bügeln, weil
man die Wärme der glühenden Kohlen nutzen konnte. Um die Anfangs-Wärme zu
bekommen, wurden diese Bügeleisen auch auf der heißen Herdplatte angewärmt. Der
Nachteil dieser Bügeleisen-Konstruktion war, daß die Rauchgase von den
glühenden Kohlen der Bügelfrau um die Nase zogen, denn die Kohlenklappe war
nicht dicht.
Das nebenstehende Bild zeigt das damalige Standard-Bügeleisen und
das vorher beschriebene hohle Bügeleisen. |
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Mit der Erfindung und Einführung von elektrischen Bügeleisen
ist die aufwendige und zeitraubende Arbeitsweise des Bügelns wesentlich
vereinfacht worden
In der vorigen 6. Folge von der Waske hatte ich angemerkt,
daß ich keinen Dreefoot Dreifuß oder Schkragen auftreiben konnte. Inzwischen
hat mir die Familie Knatz gestattet, ein solches Teil zu fotografieren. Das
Bild ist nachstehend abgedruckt.
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Aus einem einfachen Grund war der Dreifuß so gebaut, denn
nur ein Ungergestell Untergestell mit drei Füßen steht auf jedem holperigen Pflaster wisse un
wakkelt ni fest und wackelt nicht. Würde man ein Untergestell mit vier Füßen
verwenden, so wäre das genau so eine wackelige Angelegenheit geworden, wie man
das bei Tischen auf unebenen Untergrund immer wieder vorfindet. Wenn man sich
dann noch ein Küjben mit Waater Waschzuber mit Wasser gefüllt vorstellt,
hätte das ein unangenehmes Geschwakke orre n Gespolke gitt Geschwakke und
Gespolke sind auch so zwei Wörter, die man nicht direkt übersetzten kann. Jeder
kann sich in etwa vorstellen was gemeint ist; so versuche ich es einmal etwas
konkreter zu beschreiben. Die Massenträgheit bewirkt ein aufschaukeln des
Wassers im Behälter, wenn dieser nicht fest steht. Das kann bei gut gefüllter
Wanne so weit gehen, daß das Wasser über den Rand schwappt, wenn das
Untergestell nicht fest steht. Dieser physikalische Vorgang ist mit den beiden
vor genannten Wörtern einfach und
treffend benannt. Dabei würde ich das Geschwakke dem Überschwappen und
das Gespolke der Sauerei auf dem Boden zuordnen.
Mangeln
Das Mangeln ist eigentlich eine Form vom Bügeln für große
Wäschestücke. Wann diese Arbeitsmethode eingeführt wurde ist mir nicht bekannt.
Im vorigen Monat habe ich eine Handmagel in Brake bei Lemgo in einem Museum
gesehen. Natürlich habe ich das Gerät sofort im Bild festgehalten, das
nachstehend abgedruckt ist.
Deutlich ist unten die große Stahlfeder zu sehen, die
nachgespannt werden kann und so den richtigen Preßdruck erzeugt. Leider habe
ich kein Typenschild an dem Teil gesehen
Wenn sich in einem Haus noch so eine Handmangel befindet,
wäre es allgemeinen Interesse, zu wissen in welchen Jahr das Gerät gebaut
wurde. Nach der Bauart könnte es sowohl vor, als auch nach dem ersten Weltkrieg
hergestellt worden sein. Für weitere Informationen bin ich dankbar. (wer weiß
dazu mehr zu sagen ?)
Kleinere Wäschestücke, wie Schürzen und Hemden wurden nach
wie vor gebügelt. Größere Wäschestücke, wie Bettücher, Laken, Tischdecken usw.
wurden einmal gefaltet und damit doppelt gelegt, damit sie nicht zu breit
waren, wenn sie durch die Mangel gedreht wurden.
Durch den hohen Preßdruck, dem die Wäschestücke ausgesetzt
waren, wenn sie zwischen den zwei Walzen hindurch führt wurden, wurden die
Krünkeln Knitterfalten im Stoff glatt. Die Mangelwalzen drehten sich
gegenläufig natürlich mit gleicher Geschwindigkeit. Natürlich konnte man die
damalige Qualität nicht mit den Ergebnissen der heutigen Heißmangel-Wäsche
vergleichen, aber es war schon ein gewisser Fortschrittt.
Entwicklung der Waschtechnik
Saugglocke
Der erste Schritt zur Weiterentwicklung der Waschtechnik
nach dem zweiten Weltkrieg nach der Währungsreform 1948 war dann die Saugglocke. Bij Bäkkerwillmes
(= Hausname für die Gastwirtschaft Götte an der Landstraße heute Waldecker
Bank) auf dem Saal wurden diese Dinger mit dem Werbespruch Waschen mit Luft
bei einer Werbeveranstaltung verkauft. Diese Geräte brachten schon eine gewisse
Erleichterung beim Waschen, denn man mußte dabei nicht dauernd mit den blauten Hängen
in der Lauge rümme maaken bloßen Händen in der Lauge herrum machen. Die
Saugglocke hatte einen längeren Stiel und war so gearbeitet, daß zwei
Blechglocken (Zink oder Messing) übereinander beweglich angebracht waren. Durch
stumpeln stampfen in der Lauge und auf der Wäsche herum wurde Luft und damit
Lauge durch das Gewebe der Wäsche gedrückt und auch gesogen. Diese gepreßte
Spülung löste ebenfalls den Schmutz aus dem Gewebe. Das nachstehende Bild zeigt
eine Saugglocke aus Messing. Von oben ist in das Blech der Schriftzug RASCH
WASCH eingeprägt (oberer Teil des Bildes). Es gab auch andere Konstruktionen
aus Zinkblech, bei der die innere Glocke nicht aus einem Siebteil bestand, wie
das hier auf dem Bild zu sehen ist (unterer Teil des Bildes).
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Primitive Hand-Waschhilfe
Ein weiteres Hilfsmittel zum Waschen war ein besonderes
Holzgestell. Dieses Gestell war ca. 60 cm breit, senkrecht stehende
Seitenwände. In der anderen Richtung war der Querschnitt halbrund mit
dreieckigen Holzlatten (Spitzkanten nach innen) auf Spalt hergestellt. Dieses
Unterteil hatte kurze Füße und wurde in die Lauge der Wanne gestellt. Das
Oberteil als Gegenstück war im Prinzip genau so gebaut. Allerdings war es
kleiner, so daß sich zwischen Ober- und Unterteil ein Spalt ergab. In das
Unterteil wurden die Wäschestücke eingelegt. Das Oberteil wurde von oben eingesetzt.
Es wurde in dem Metall-Beschlag am Grundteil in Schlitzen und durch
Metallzapfen am Ober- bzw. Einsatzteil arretiert. Übrigens, auf dem
Metall-Beschlag ist das Wort Wäscherin eingeprägt.
Der am Oberteil befestigte Stiel wurde hin und her bewegt
und damit die Waschwirkung erzeugt. Man kann sich lebhaft vorstellen, daß das
nichts halbes und nichts ganzes war, denn die Reinigung war miserabel und die
Gefahr, die Wäsche kaputt zu waschen und die Knöpfe abzureißen, war sehr groß.
Die Dreiecksleisten vom Ober- und Unterteil, die mit den scharfen Kanten
gegeneinander arbeiteten taten da ihre Wirkung, wenn das Oberteil von Hand hin
und her bewegt wurde. Das nebenstehende Doppel-Bild zeigt ein solches Gerät. In
der oberen Hälfte ist das Oberteil hochgenommen deutlich sind die Dreikantleisten
vom Ober- und Unterteil zu sehen. In diesem Zustand wurde die Wäsche eingelegt.
In der unteren Hälfte ist das Gerät in Arbeitsstellung abgebildet. Der Bedienungsgriff-Hebel
ist zur Seite gedrückt indem er laufend hin und her bewegt wurde, wurde die
Wäsche mehr traktiert als gewaschen. Es ist aber auch ein Beispiel, wie man
versucht hat, die äjchlige ekelige Arbeit der Großen Wäsche sich etwas zu
erleichtern.
Waschmaschine mit Handantrieb
Man war damals modern, wenn man eine Waschmaschine bestehend
aus runden Holzbottich auf Füßen und Kurbel-Anrieb hatte. Dort wurde die heiße
Lauge mit der Wäsche hinein gegeben. An dem aufklappbaren Deckel war das
Rührwerk mit den mit vier Rührknüppeln und die Antriebsmechanik befestigt. Man
schloß den Deckel, das Rührwerk tauchte damit in die Lauge / Wäsche, stellte
sich dann daneben und mußte die Kurbel drehen damit sich das Rührwerk bewegte.
Durch die ausgeklügelte Antriebsmechanik machten die Rührknüppel eine
Drehbewegung vor und zurück und gleichzeitig eine Auf- und Abbewegung
Das war schon ein ungeheurer Fortschritt, denn die Hände
wurden da schon weitgehend geschont.
Wenn dann an der Maschine noch zwei Gummiwalzen angebracht
waren, mit denen man ebenfalls durch Handkurbel-Antrieb die Wäschestücke
mechanisch auswringen konnte, war man auf der Höhe der Zeit. Eine komplette
Holz-Waschmaschine konnte ich leider
noch nicht fotografieren. Die Familie Knatz hat aber solch einen Miele-Handwringer,
der an den oberen Rand einer Holzwaschmaschine angeklemmt wurde. Auf dem
nachstehenden Bild sind deutlich die schräg stehenden Klemmschrauben zu sehen,
die an der Rundung des Holz-Behälters angeschraubt wurden. Wenn man dann die
patzkenatten patschnassen Wäschestücke durch den Wringer gedreht hat, lief
die Lauge zurück in der Holzbehälter der Waschmaschine; sie konnte dann noch
evtl. für einen weiteren Waschgang genutzt werden. Die so mehr schlecht als
recht ausgewrungenen Wäschestücke ließ man dann in den Waskkjorf Waschkorb fallen.
Die erste Generation der Elektro-Waschmaschinen
Wenn die vor beschriebene Waschmaschine noch mit
Elektromotor-Anrieb versehen war, hatte es die Hausfrau besonders gut. Man
stellte den Motor an und ließ die Maschine kurze Zeit arbeiten. Schon ein
ungeheurer Fortschritt, wenn auch die weitere Arbeit mit der Wäsche (mehrmaliges
spülen und auswringen sowie trocknen und bügeln) nach wie vor die gleiche
blieb.
Die zweite Generation
der Elektro-Waschmaschinen
Meine Mutter hatte eine gewisse Zeit eine Sonder-Konstruktion
einer Elektro-Waschmaschine. Das Teil
war oben offen; der Waschbehälter war in der Form etwa ein stehender Zylinder,
der am Boden ein besonders geformtes Antriebsrad für die Laugenbewegung hatte.
Dieses Rad drehte sich in kurzen Intervallen links und rechts herum und sorgte
so für die Bewegung der Lauge und damit für den Waschvorgang. Diese Konstruktion
hatte aber den Nachteil, daß man alle Teile, die sich verfangen konnten, wie
Kragen, Manschetten usw. nach innen kremplen wenden mußte, wenn sie in die
Maschine getan wurden. Machte man das nicht, so verfingen sich diese Teile
unter dem Laufrad und es gab sichtbare Schmirgelstreifen. Damit war dann das
jeweilige Wäschestück unbrauchbar. Diese Art von Waschmaschinen hat demnach den
Praxistest nicht bestanden.
Die dritte Generation
der Elektro-Waschmaschinen
Diese Konstruktion hat sich vom Arbeits-Prinzip bis heute
durchgesetzt, weil die Wäsche schkôônend schonend gewaschen wird.
Bei diesen Geräten hatte man bereits ein technisches Problem
gelöst, nämlich das der Abdichtung an der seitlichen Beschickungsklappe gegen
die drehende und schwingende Waschtrommel. Jetzt eine Selbstverständlichkeit,
aber es wundert mich immer, daß diese Schwachstellen, auch bei den heutigen
Waschmaschinen, doch so lange dicht bleiben.
Dieses waren die sogenannten Halbautomaten, bei denen nur der
Schleudergang fehlte. Dafür gab es dann eine besondere Wäscheschleuder, die man
dann jeweils immer beschicken und entleeren mußte; und das bei jedem Spülgang.
Im nachhinein gesehen bereits eine erhebliche Erleichterung für die Hausfrauen,
aber trotzdem doch noch sehr arbeitsintensiv.
Es erübrigt sich, die heutigen Elektro-Waschautomaten zu beschreiben, denn jede Hausfrau kennt sie
und weiß die Vorteile solcher modernen Geräte
zu schätzen. Sie sind mit einer Elektronik
ausgerüstet, die es ermöglicht, dem Bedarf entsprechend, zwischen einer
Vielzahl vom Waschprogrammen einschließlich dem Schleudern zu wählen.
Deutsch-rumänische Variante der großen
Wäsche in Siebenbürgen:
Im Ostblock mußten die alten Arbeitsmethoden zwangsläufig
noch bis in die heutige Zeit angewendet werden. Systembedingt gab es dort
keinen Fortschritt. Unsere Lebensweise und vor allen Dingen der Einsatz
moderner Maschinen, wird sich jetzt, nach dem Zusammenbruch des Ostblocks, auch
dort nach für nach durchsetzen.
Frau Sonntag, die bis 1979 in Rumänien Siebenbürgen gelebt
hat, hat also bis in die 60-iger Jahre ihrem Haushalt so gewirtschaftet und hat
mir die dort üblichen Arbeitsgänge aus eigener Erfahrung geschildert . Deshalb
ist die siebenbürgische Variante der großen Wäsche nachstehend notiert:
Ein Holzgefäß rund und nach unten konisch gearbeitet, wurde
auf einen Schraagen Dreibock gestellt. Die Wäsche wurde schichtweise in
dieses Gefäß gelegt, das unten ein
Spundloch mit Zapfhahn hatte. War die Wäsche fast bis oben hin aufgeschichtet,
so kam ein Aschetuch aus Leinen darüber, das seitlich überstand. Darüber kam
eine Schicht Haferstroh und dann darauf ca. zwei Eimer reine Buchenasche.
Dann wurde der Brautopf mit Wasser angeheizt. War das Wasser
lau warm, wurde es in dem obersten Behälter langsam über die Aschen-Schicht
gegossen.
Das lauwarme Wasser durchzog die Asche- und die
Strohschicht, war dann schwache Lauge, diese wurde im Haferstroh gefiltert und
durchlief dann das Gefäß mit der schmutzigen Wäsche. Diese schwache Lauge
zapfte man dann unten ab und schüttete sie wieder zum Nachheizen in den
Brautopf.
Das jetzt schon wärmere Laugenwasser wurde wieder in den
Wäschebehälter gefüllt und der Kreislauf begann von neuem.
Das unten abgeschöpfte Laugenwasser wurde im Brautopf immer
mehr aufgeheizt bis es kochend in dem oberen Behälter geschüttet werden konnte.
Bei jedem Durchlauf wurde die Lauge schärfer und der Schmutz
wurde nach für nach aus der Wäsche
herausgespült.
Dieser Laugenwasser-Kreislauf mußte die Wäsche den ganzen
Tag immer wieder durchziehen. Am Abend wurde dann die Wäsche aus dem Holzgefäß entnommen und auf einem Tisch mit
dem Schlagbrett bearbeitet. Diese Wäsche ist bei relativ wenig Kraftaufwand
auch schön sauber geworden
Natürlich mußte die Wäsche dann noch, wie vor beschrieben,
gespült, getrocknet und gebügelt werden.
Waskekjorf - Wäschekorb
Der übliche Transportbehälter für natte, räjne un
schkitterige Waske nasse, saubere und auch dreckige Wäsche war der
Wäschekorb. So benutzte man für den Wäschetransport immer den Waschkorb, der
aus entrindeten Weidenruten geflochten war.
Er hatte meistens vier angearbeitete Griffe, die ebenfalls aus
Weidenruten geflochten waren. Je zwei Griffe befanden sich an den Längs- und
Schmalseiten, so daß man den Wäschekorb auch gut te twitt - zu zweit tragen konnte. Plastikkörbe- und
Wannen gab es noch nicht.
Der Waschkorb war zusätzlich ein Allzweck-Behälter für
leichtere Sachen. Sogar Sougeblaagen - Säulinge haben darin in den ersten
Monaten ihren Platz gefunden. Die Matratze war dann ein Sack mit Haaberkaabe
Haferspreu.
Das nebenstehende Bild zeigt einen solchen Waschkorb.
Deutlich ist das Muster der Bodenflechtung des Korbes zu sehen. Daneben ist je
ein Paket Persil und ATA in der Verpackung und Aufdruck nach dem 2. Weltkrieg
zu sehen. Das Bild habe ich ebenfalls bei der Familie Katz aufnehmen können.
Dieser Wäschekorb hatte ursprünglich nur zwei Griffe; der
eine an der Kopfseite ist im Gebrach ausgerissen. Die Griffe an den Längsseiten
fehlen.
Schlußbemerkung:
Dieses war auch mal wieder ein Rückblick am Beispiel Große
Wäsche, in eine Zeit, die noch gar nicht so lange zurückliegt. Wer demnächst
mal wieder, wie selbstverständlich, den Waschautomaten beschickt, sollte sich
dessen bewußt werden, mit welchem Aufwand und mit welchem Arbeitseinsatz unsere
Mütter und Großmütter die Wäsche der Familie sauber halten mußten. Da können
wir doch alle froh sein, daß wir in der heutigen Zeit mit den vielen
Annehmlichkeiten der modernen Informations- und Industriegesellschaft leben
dürfen.
Hinweis in eigener Sache:
Mit diesem Beitrag wird die Veröffentlichung unserer
Winterarbeit beendet. Zu gegebener Zeit, wenn wieder ein anderes Thema
erarbeitet ist, können evtl. weitere Veröffentlichungen im nächsten
Winterhalbjahr folgen. An dieser Stelle möchte ich mich nochmals bei den Mitarbeitern
vom Arbeitskreis und bei allen, die mich mit Informationen Hinweisen und
sonstigen Unterlagen unterstützt haben recht herzlich bedanken - besonders bei Frau Sonntag.
Im Zusammenhang mit diesen Aufzeichnungen werden, neben den alten
plattdeutschen Wörtern auch Arbeitsweisen und Lebensumstände der sogenannten kleinen
Leute beschrieben und dokumentiert, die einen gewissen kulturhistorischen Wert
haben. In der heutigen Zeit mit dem rasanten Strukturwandel, der alle
Lebensbereiche umfaßt, sollte man sich das hin und wieder einmal klar machen.
An den Arbeitsbeschreibungen, die in der letzten Jahren an
dieser Stelle veröffentlicht wurden, fällt das mir besonders auf. Aus meiner
eigenen Erfahrung wie das im dem Beitrag De Müjerker der Maurer beschrieben
wurde, bis heute, da ich die modernste Technik nutze, um diese Text-Beiträge einschließlich
der zugehörigen Bilder über eine Telefonleitung an den Herausgeber der
Bürgerzeitung Die Diemelstadt Druck + Verlag Linus Wittich KG in Fritzlar übermitteln
kann. So etwas war vor 20 Jahren kaum vorstellbar!! Geschriebener Text und
Bilder ohne den Datenträger Papier kann man heute in kürzester Zeit in jedes
Land der Erde übermitteln.
Mir hat es bisher auch eine gewisse Freude bereitet, wenn
ich die moderne Technik nutzen konnte, um das Vergangene festzuhalten. Dazu
brauche ich aber künftig auch - wie bisher - die Unterstützung vom Arbeitskreis
und die speziellen Kenntnisse der älteren Leute zu bestimmten Begriffen bzw. dem
jeweiligen Thema.
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